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Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung

Städte im demografischen Wandel – internationale Vorlesungsreihe wirft architektonischen Blick in die Zukunft

Wie kann und muss Architektur auf eine veränderte Bevölkerungsstruktur reagieren? Diese Frage stand Mitte April im Mittelpunkt der internationalen Vorlesungsreihe Dresden-Columbus International Lecture Series on Sustainable Urban Development, die das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) gemeinsam mit Partnern in Dresden und der amerikanischen Partnerstadt Columbus/Ohio organisiert.

Großer Andrang bei der internationalen Vorlesungsreihe im IÖR. (Foto: IÖE/S.Tramsen)
Großer Andrang bei der internationalen Vorlesungsreihe im IÖR, die per Videokonferenz in die USA übertragen wurde. (Foto: IÖR/S.Tramsen)

In ihrem Vortrag „Städte im demografischen Wandel. Ein architektonischer Blick in die Zukunft“ gab Dr. Gesine Marquardt von der Technischen Universität Dresden einen Vorgeschmack auf zu erwartende Entwicklungen in den Bereichen Mobilität, Wohnen und Versorgung sowie Pflege und Betreuung. Die Wissenschaftlerin leitet die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Architektur im demografischen Wandel“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.


Die Gruppe hat ein Modell entwickelt, dass sich mit den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft für den städtischen Raum auseinandersetzt und mögliche Lösungen aufzeigt. Im Bereich der Mobilität etwa sind neue Arten der Fortbewegung wie Elektroscooter mit automatisierter Navigation denkbar. Längere Ampelphasen und ein insgesamt verlangsamter Verkehrsfluss sollen auch Älteren die gefahrlose Teilnahme am Straßenverkehr ermöglichen. Die kontrastreiche Beschriftung von Straßen und Gebäuden, zusätzliche akustische Signale oder andere Hilfsmittel erleichtern nicht nur Älteren die Orientierung in der Stadt. Veränderungen sind außerdem im Wohnbereich vonnöten, denn viele Menschen verlassen in hohem Alter nur noch für wenige Stunden täglich ihr zu Hause. Auch die Betreuung und Pflege wird sich in der Zukunft verändern. Viele Projekte sind laut Marquardt aktuell in der Planung und Realisierung. Da nicht nur die Zahl der älteren Menschen steigt, sondern gleichzeitig die Kinderzahl sinkt, könnte es künftig sinnvoll sein, Alte und Kinder gemeinsam in einer Einrichtung zu betreuen.

Architektonisches Modell „Eine Stadt für jedes Alter“ der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe. (Quelle: www.tu-dresden.de)
Architektonisches Modell "Eine Stadt für jedes Alter" der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe. (Quelle: www.tu-dresden.de)

Ihre Überlegungen zur Architektur im demografischen Wandel haben die Nachwuchswissenschaftler in einem interaktiven Modell umgesetzt. Im Wissenschaftsjahr 2013 „Die demografische Chance“ war es Teil der „MS Wissenschaft“. Das Ausstellungsschiff tourte unter dem Motto „Alle Generationen in einem Boot“ durch Deutschland und Österreich.

Die Dresden-Columbus International Lecture Series behandelt aktuelle Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung, die für die Partnerstädte Dresden und Columbus von Bedeutung sind. Die Vorlesung wurde mit Unterstützung des Medienzentrums der TU Dresden per Videokonferenz übertragen, sodass auch Studierende der Ohio State University daran teilnehmen konnten.

Ansprechpartner im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung:

Dr. Andreas Otto, Telefon: (0351) 46 79-278, E-Mail: A.Otto[im]ioer.de

Flächenfraß eindämmen – Kommunen könnten ihre Brachen und Baulücken besser nutzen, wären sie bekannt

Foto: Baulücke im Bestand – nicht immer kennen Kommunen ihre Potenziale zum Flächensparen. (Foto: IÖR/Stefanie Rößler)
Baulücke im Bestand – nicht immer kennen Kommunen ihre Potenziale zum Flächensparen. (Foto: IÖR/Stefanie Rößler)

Würden Kommunen alle Brachflächen und Baulücken in ihrem Einzugsgebiet kennen und nutzen, müssten sie deutlich weniger zusätzliche Fläche auf der "grünen Wiese" verbrauchen. Doch häufig fehlen genaue Informationen zu diesen Innenentwicklungspotenzialen. Ein bundesweites Flächenmonitoring könnte helfen, diese Wissenslücke zu schließen. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) hat Grundlagen dafür noch im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entwickelt.

Wie lassen sich bundesweit potenzielle Flächen für die so genannte Innenentwicklung von Städten und Gemeinden, also Brachflächen und Baulücken im Bestand der Kommunen, erheben und nutzen? Dieser Frage sind die Wissenschaftler des IÖR gemeinsam mit der Leipziger Projektgruppe Stadt + Entwicklung nachgegangen. Dazu haben sie eine bundesweite repräsentative Online-Befragung von Städten und Gemeinden aller Größen durchgeführt.

Auf Basis der repräsentativen Befragung von 451 Städten und Gemeinden (rund vier Prozent aller deutschen Kommunen) wurden erstmals statistisch belastbare Hochrechnungen zu den vorhandenen Flächenpotenzialen in ganz Deutschland möglich. Das Ergebnis: Mindestens 120.000 Hektar Brachflächen und Baulücken gibt es in deutschen Städten und Gemeinden. Dies entspricht rund 15 Quadratmeter pro Einwohner.

Dem steht ein Flächenverbrauch von jährlich etwa 3,5 Quadratmeter pro Einwohner gegenüber. Um diese Fläche erweitern deutsche Kommunen jedes Jahr ihre Siedlungs- und Verkehrsfläche in Richtung „grüne Wiese“. „Würden die Kommunen ihre Innenentwicklungspotenziale kennen und nutzen, müssten rein rechnerisch in den nächsten vier Jahren keine neuen Flächen am Stadtrand versiegelt werden“, erläutert Projektleiter Dr. Georg Schiller. Das Potenzial an Flächen im Bestand ist unter Umständen sogar noch höher. Denn die Untersuchungen haben gezeigt, dass der Umfang vorhandener Flächen von den Kommunen häufig unterschätzt wird – vor allem dann, wenn sie selbst nur auf Schätzwerte zu ihren freien Flächen zurückgreifen können. Dies war in 70 Prozent der befragten Städte und Gemeinden der Fall.

Aktuell erhebt nur etwa ein Drittel aller Kommunen in Deutschland seine Innenentwicklungspotenziale systematisch. Zudem gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen Ost (20 %) und West (40 %) sowie Landgemeinden (25 %) und Großstädten (bis zu 100 %). Gerade in kleinen Kommunen aber schlummert ein großes Potenzial: Mehr als ein Viertel der in der Untersuchung erfassten Brachflächen und Baulücken lag demnach in Gemeinden unter 5.000 Ein­wohner. „Doch gerade die kleinen Gemeinden tun sich besonders schwer mit der systematischen Erfassung ihrer Innenentwicklungspotenziale“, so Schiller. "Sie scheuen den hohen Personal- und Kostenaufwand, den es braucht, um vor allem die Erfassung kleinteiliger Baulücken zu stemmen – und diese Baulücken stellen mit 56 Prozent den größeren Teil der Flächenpotenziale."

Die Wissenschaftler des IÖR kommen zu dem Schluss: Sollen Kommunen sich künftig nachhaltig entwickeln, informiert und transparent planen und handeln, dann müssen sie auf genaue Informationen zu ihren Flächenpotenzialen zurückgreifen können. Entsprechend müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Kommunen erlauben, nötige Grundlagen für ihre Planungen zu erstellen und zu nutzen. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist ein bundesweites Flächenmonitoring aktuell nur durch eine Befragung der Kommunen, wie sie im Projekt durchgeführt wurde, möglich. "Es hat sich gezeigt, dass sich auf diesem Wege für ganz Deutschland Aussagen zu Innenentwicklungspotenzialen und auch zu regionalen Unterschieden treffen lassen", erklärt Georg Schiller. Um Informationen über Veränderungen erfassen zu könne, müssten die Befragungen regelmäßig wiederholt werden. Auf dieser Grundlage ließen sich statistisch belastbare Aussagen generieren. Politische Diskussionen zur flächensparenden Siedlungspolitik könnten daran unmittelbar anknüpfen.

Zentrale Ergebnisse der Studie "Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme – Innenentwicklungspotenziale" sind online verfügbar auf der Internetseite des BBSR. Eine umfassende BBSR-Sonderveröffentlichung ist in Vorbereitung.

Ansprechpartner im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung:
Dr. Georg Schiller, Telefon: (0351) 46 79-259, E-Mail: G.Schiller[im]ioer.de

Wir über uns - IÖR

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung ist eine raumwissenschaftliche Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Wir erarbeiten wissenschaftliche Grundlagen für eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung von Städten und Regionen im nationalen und internationalen Zusammenhang. Die Ausrichtung der Forschung zielt auf Antworten für ökologische Fragen nachhaltiger Entwicklung.

Wir erforschen Wechselwirkungen zwischen der natürlichen Umwelt und der Gesellschaft sowie damit verbundene Optionen der Steuerung. Auf der Grundlage unserer Erkenntnisse beraten wir Politik und Gesellschaft. Unsere Motivation ist es, durch innovative Forschung und Beratung zur Vereinbarkeit von menschlichem Handeln und der Entwicklung der natürlichen Umwelt beizutragen, um Lebensgrundlagen nachhaltig zu sichern.

Wir legen großen Wert auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Wir fördern die Gleichstellung von Frauen und Männern und setzen uns bewusst für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Für seine Aktivitäten in diesem Bereich wurde das IÖR mit dem Prädikat TOTAL-E-QUALITY ausgezeichnet.


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