Forschungsbereich:
Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen

Gewinnung von statistischen Erkenntnissen über zu errichtende Nichtwohngebäude sowie deren technische Ausstattung - StatisNWG

Problemstellung und Ziel

Es lagen bislang keine belastbaren Daten zu Nichtwohngebäuden vor, welche als Basis für die die Konzeption zukünftiger Forschungsprogramme erforderlich sind und im Rahmen dieses Projektes erarbeitet werden sollten. Die Forschungsergebnisse wurden mit dem Ziel erarbeitet, detaillierte statistische Erkenntnisse über die technische Ausstattung der aktuellen und der zukünftigen Neubauten der Nichtwohngebäude zu gewinnen. Neben der Gesamtzahl der zu errichtenden Nichtwohngebäude sollte auch festgestellt werden, welche Typen von Gebäuden in welchem Umfang aktuell errichtet werden und wie hoch der Anteil an öffentlichen Bauten in diesen zu bildenden Gruppen ist. Da nach Möglichkeit detaillierte Erkenntnisse zur technischen Ausstattung der Gebäude hinsichtlich Heizung, Warmwasserversorgung, Lüftung, Kühlung, Be-/Entfeuchtung, Beleuchtung und die Nutzung erneuerbarer Energien gewonnen werden sollten, sollte auch der Vergleich der öffentlichen Neubauten mit den übrigen Neubauten getroffen werden, um eventuelle Unterschiede aufzuzeigen. Im Hinblick auf die Fortschreibung der EnEV und die EU-Gebäuderichtlinie mit dem Ziel der Niedrigstenergiegebäude sollte, soweit die Erkenntnisse dies zulassen, eine Trendabschätzung für die nächsten Jahre getroffen werden.

Konzept

Um Erkenntnisse über die künftige Art, Nutzung und Ausstattung von NWG erlangen zu können, haben sich als einzige verlässliche Quelle die Auswertungen der amtlichen Statistiken herausgestellt. Mittels einer systematischen Datenanalyse wurde zunächst ein Überblick geschaffen, welche Daten in welcher Qualität und Quantität vorliegen und genutzt werden können. Von Interesse sind vor allem die in der Statistik ausgewerteten Angaben zu Baugenehmigungen der einzelnen Bundesländer. Im Rahmen des Fragebogens werden unterschiedliche Angaben zum Gebäude gemacht. Dies betrifft die konkrete Nutzungsart  sowie Angaben zur vorwiegenden Art der Beheizung, zur verwendeten Energie für Heizung und Warmwasser, zum Einsatz von Lüftungs- und Kühlungsanlagen sowie zur Art der Erfüllung des EEWärmeG. Gleichfalls wird die Größe des Bauvorhabens mittels Brutto-Rauminhalt (DIN 277), Nutzfläche (DIN 277; ohne Wohnfläche) und Wohnfläche (WoFlV) der Wohnungen beschrieben. Darüber hinaus werden auch Angaben zum Bauherrn gemacht. Hier wird zwischen öffentlichen Bauherren, Unternehmen, privaten Haushalten und Organisationen ohne Erwerbszweck unterschieden. Um die gewünschten Erkenntnisse gewinnen zu können, mussten gegenwärtige und künftige Mengengerüste zu unterschiedlichen NWG-Arten, einschließlich ihrer energietechnischen Ausstattung bezüglich Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung zugeordnet werden. Die  Zuordnung der Kategorien erfolgte analog der Kategorisierung im Forschungsvorhaben: „Systematische Datenanalyse im Bereich der Nichtwohngebäude“. Obwohl durch den Fragebogen detaillierte Aussagen vorliegen, waren Sonderauswertungen durch die statistischen Landesämter erforderlich, um die gemachten Angaben verarbeiten zu können. Aus den Auswertungen von sechs Bundesländern wurden die Ergebnisse auf das Bundesgebiet hochgerechnet.

Quellen zur Bautätigkeit außerhalb der amtlichen Statistik gibt es bspw. in Form von Marktstudien verschiedener Branchen. Diese bieten einige Informationen, sind aber auch unvollständig. Diese Erkenntnisse lassen sich aber nicht mit der amtlichen Statistik verknüpfen und wurden daher nicht weiter in die Forschungsarbeit eingebracht.

Ergebnisse

Durch die Auswertung der Statistiken ließen sich detaillierte Erkenntnisse über die Gesamtzahlen der aktuell errichteten Nichtwohngebäude, aufgeteilt nach Gebäudekategorien und Bauherren, gewinnen. Die Zahl der errichteten beheizten Nichtwohngebäude lag in den letzten Jahren mit geringen Schwankungen bei rund 13.000. Den größten Anteil machen Gewerbe- und Industriebauten aus, gefolgt von Büro- und Verwaltungsbauten sowie Handels- und Dienstleistungsgebäude. Bildungsgebäude werden insgesamt am vierthäufigsten errichtet. Der Anteil der fossilen Heizenergiearten geht seit der Jahrtausendwende zurück und lag im Jahr 2013 bei 62 %. Die erneuerbaren Heizenergiearten haben 2013 einen Anteil von 24 % an der NWG-Bautätigkeit erreicht, Fernwärme 13 %. Während der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, sinkt der Anteil an fossilen Energieträgern in den letzten Jahren.

Aufgrund der Sonderauswertungen der Fragebögen können Angaben für die verwendeten Gebäudekategorien  zur primären und sekundären Heizenergie, zur Warmwasserversorgung und zur Art der Erfüllung des EEWärmeG gemacht werden, die im Bericht detailliert dargestellt werden. Eine Auswertung der öffentlichen Bauten war gleichfalls möglich. Bei den öffentlichen Bauherren gibt es hinsichtlich der Beheizung und des EEWärmeG keine Besonderheiten gegenüber anderen Bauherren.

Für die Bereiche der Lüftung und Kühlung, die ebenfalls im Fragebogen erfasst werden, ist die Auswertung dagegen problematisch. Da der Umfang der entsprechenden Technik nicht abgefragt wird, sondern nur das Vorhandensein der Technik abgefragt wird, werden statistisch bspw. Bürogebäude mit einer Abluftanlage für Einzelräume und Bürogebäude mit einer vollständigen Be- und Entlüftung gleich erfasst. Aussagen darüber, in welchem Umfang tatsächlich eine Lüftung oder Kühlung bei zu errichtenden Nichtwohngebäuden angewendet wird, sind daher nicht möglich.

Grundsätzliche technische Standards für die zu errichtenden Nichtwohngebäude lassen sich aus den vorhandenen Daten nicht ableiten.

Die betrachteten Zeitreihen lassen Tendenzen erkennen. Im Ausblick auf 2020 ist mit ca. 13.700 neu zu errichtenden NWG zu rechnen. Davon werden ca. 5.200 NWG mit konventioneller Energie, ca. 5.300 NWG mit erneuerbaren Energien und ca. 3.200 NWG mit Fernwärme beheizt. Bei einer durchschnittlichen Nutzfläche von 1.530 m² pro NWG entsprechen diese ca. 21 Mio m² neu zu errichtender Nutzfläche von NWG insgesamt, davon je ca. 8 Mio. m² NF konventionell bzw. mit erneuerbarer Energie und ca. 5 Mio. m² NF mit Fernwärme beheizt. Der Anteil der öffentlichen Gebäude bei der Bautätigkeit von NWG liegt voraussichtlich bezogen auf die Gebäudeanzahl bei 13 % und nutzflächenbezogen bei 10 %. Die Prognose basiert auf der Auswertung der vorliegenden Zeitreihen. Einflussfaktoren wie technische Entwicklungen, Preisschwankungen der einzelnen Energieträger oder der Einfluss zukünftiger gesetzlicher Anforderungen können hierbei nicht berücksichtigt werden.

Das ab 2019/2021 zu errichtende Niedrigstenergiegebäude erfordert einen hohen Anteil regenerativer Energie und ein generelles Absenken des Energieniveaus. Die derzeitige Entwicklung lässt einen entsprechenden Trend erkennen. Je nach abschließender Definition der Anforderungen an Niedrigstenergiegebäude wird dieser Trend gegebenenfalls jedoch noch verstärkt werden müssen.

Kooperationen

Die Projektbearbeitung erfolgte in Kooperation mit dem Ingenieurbüro R. Petereit mit langjähriger Erfahrung in der Energieberatung und Ausstellung von Energieausweisen für Nichtwohngebäude.

www.ioer.de

Laufzeit

01/2015 - 04/2015


Kontakt

Dr.-Ing. habil. Regine Ortlepp
Tel. +49 (0)351 4679 232
R.Ortlepp[im]ioer.de