
Hintergrund
In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten gelten Hochtechnologiebranchen – allen voran der Halbleitersektor – als vielversprechende Treiber stadt-regionaler Entwicklung. Weltweit konkurrieren Städte um Ansiedlungen der Halbleiterindustrie, gestützt auf die „Cluster-Versprechen“ (z. B. Porters Cluster, globale Produktionsnetzwerke), wonach die räumliche Ballung des Halbleitersektors und angrenzender Branchen technologische Fähigkeiten stärkt, internationale Fachkräfte anzieht, wirtschaftliches Wachstum stimuliert und die Lebensqualität erhöht.
Bestehende Versprechen stützen sich jedoch häufig auf segmentierte, generische Bewertungsrahmen, die primär von unternehmerischen und ökonomischen Perspektiven geprägt sind. Dadurch geraten heterogene stadt-regionale Entwicklungspfade sowie die vielschichtigen sozio-ökologischen Auswirkungen von High-Tech-Sektoren aus dem Blick. Zudem sind halbleiterindustriegesteuerte Stadtentwicklungen eng mit Prozessen der Globalisierung und vernetzten Netzwerken verflochten; die beteiligten Städte und Metropolregionen werden zunehmend wechselseitig abhängig. Die aktuelle Forschung, die überwiegend auf Ein-Stadt-Fallstudien basiert, befasst sich selten mit länderübergreifenden Vergleichen, um die vielfältigen „Silicon-Verflechtungen“ nachzuzeichnen, die differenzierten urbanen Ergebnisse hervorbringen. Kurz gesagt: Silicon Urbanism – unser Begriff für das Zusammenspiel aus globaler Expansion der Halbleiterindustrie in ausgewählte Städte, stadt-regionaler Konkurrenz und Kooperation, unterschiedlichen Praktiken, Städte und Regionen „halbleiterfreundlich“ zu machen, sowie der Umgestaltung städtischer Formen und Lebensweisen – ist bislang unzureichend untersucht.
Ziele
Dieses Projekt zielt darauf ab, 1) empirische Einblicke in halbleitergetriebene Stadt- und Regionalentwicklungen sowie deren vielschichtige sozio-ökologisch-materielle Implikationen in unterschiedlichen Kontexten zu vertiefen; und 2) eine breitere, nicht-reduktionistische Theoretisierung von Silicon Urbanism voranzutreiben, die Regionen übergreifendes Lernen und methodische Innovation unterstützt.
Methodik
Forschende aus mehreren Disziplinen bearbeiten die nachstehenden Fragen im Rahmen von zwei Workshops und zwei Feldexkursionen in den Stadtregionen Hsinchu und Dresden. Die mehrörtigen Exkursionen werden in kreative Mapping überführt, die halbleiterbezogene Akteur*innen, Land- und Gewässerräume, Infrastrukturen, nicht-menschliche Spezies sowie zugehörige Narrative, Erinnerungen und Imaginationen sichtbar machen.
Forschungsfragen