IZS - Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau  und

Forschungsbereich:
Nachhaltigkeits-Transformationen in Städten und Regionen

(ehemals dem Forschungsbereich Strategische Fragen und Perspektiven zugeordnet)

Innovationsnährboden Stadt?

Ortsspezifische Einflussfaktoren für die Genese, Entwicklung und Diffusion sozialer Innovationen in Städten.

Dissertation Kristin Reiß

Projektbeschreibung

Hintergrund
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU formuliert in seinem Hauptgutachten 2016 die Transformation unserer Städte als eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft: "Nur wenn […] klimaverträgliche, nachhaltige Städte entstehen, können ein gefährlicher globaler Umweltwandel und eine damit verbundene globale Bedrohung von Wohlstand und Lebensqualität verhindert werden" (WBGU, 2016: 34). Denn Städte verdichten nicht nur Umweltprobleme, sondern bieten auch ein besonderes Umfeld für deren Bearbeitung: als bedeutsame Knotenpunkte für Wissenstransfer, Produktion und Konsum, Investitionen und kulturellem Angebot, sowie aufgrund der hohen Akteurs- und Institutionendichte wird ihnen ein außerordentliches Potential als unterstützender Rahmen und Katalysator gesellschaftlicher Veränderung zugesprochen (vgl. u.a. Affolderbach & Schulz, 2015, WBGU, 2016, Rotmans et al., 2000). In ihnen bereite sich dabei oftmals ein besonderer Nährboden für die Genese und Entwicklung innovativer Praxen, sodass sie nicht zuletzt auch als Inkubatoren für zukunftsweisende Lösungsansätze zur Überwindung sozial-ökologischer Problemlagen diskutiert werden (vgl. u.a. Geels, 2011, Wolfram, 2014).

Transitionsforschung leistet in Bezug auf die Analyse gesellschaftlicher Wandlungsprozesse in Richtung Nachhaltigkeit seit Jahren Pionierarbeit und hat Modelle entwickelt, mithilfe derer Gesellschaften als komplexe Systeme konzeptualisiert und deren Veränderungsdynamiken angestoßen durch Innovationen nachvollzogen werden können (vgl. u.a. Loorbach, 2010, Geels, 2010). Seit neuestem wird dabei insbesondere die Bedeutsamkeit sozialer Innovationen hervorgehoben, da ein Übergang hin zu einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung ohne soziale Innovationen bzw. ohne das Hinterfragen und Neugestalten etablierter Verhaltensweisen nicht realisierbar sei (vgl. Schwarz & Howaldt, 2013, Ornetzeder/Buchegger 1998). Auch der städtische Kontext gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und wird im Zweig `Urban Sustainability Transitions´ ins Zentrum der Analyse gestellt (vgl. Ehnert et al. 2018 und 2017). Doch bisher ist nur unzureichend geklärt, warum an einigen Orten Innovationen [und später auch sozio-technische Nischen] entstehen und an anderen nicht (Raven et al., 2012). „Transitionsforschung würde [daher] davon profitieren, lokale Unterschiede, Interpretationsmuster und institutionelle Kontexte (auf regionaler, Stadt- und Nachbarschaftsebene) bei der Entstehung und Entwicklung von Innovationen [und Nischen] verstärkt in den Blick zu nehmen“ (Raven et al., 2012). Das Promotionsprojekt widmet sich diesem Vorhaben und untersucht die Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen sozialer Innovationen in verschiedenen Städten.

Leitende Forschungsfragen und Methodik
Die forschungsleitende Fragestellung des Dissertationsvorhabens ist: Welche orts-spezifischen Bedingungen beeinflussen die Entstehung und Entwicklung von sozialen Innovationen? Welche ortsspezifischen Bedingungen erleichtern bzw. erschweren die Verbreitung der sozialen Innovation – innerhalb und außerhalb des städtischen Kontextes? Der Arbeit liegen dabei die folgenden Hypothesen zugrunde:

H 1: Soziale Innovationen brauchen spezifische Kontextbedingungen um entstehen und sich entwickeln zu können.

H 2: Städte (und Stadtteile) unterscheiden sich hinsichtlich dieser Kontextbedingungen und bieten somit mehr oder weniger geeignete Nährboden für die Genese und Entwicklung von sozialen Innovationen.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird eine qualitative Fallstudie durchgeführt. Hierfür werden nach einer Systematisierung der entsprechenden Literatur Kategorien abgeleitet, die als orts-spezifische Einflussfaktoren für die Genese, Verbreitung und Verankerung von sozialen Innovationen Relevanz haben (könnten) und als Grundlage für die Auswertung der empirischen Erhebung dienen. Im nächsten Schritt kommt es zur Identifizierung sozialer Innovationen in mind. 2 bis max. 4 Städten um deren Genese, Entwicklung und Verbreitung anhand räumlicher Faktoren zu analysieren (Wo sind soziale Innovationen genau verortet? Gibt es auffällige Häufungen? Wenn ja, wo?). Mittels einer Konstellationsanalyse werden im nächsten Schritt weitere Einflussfaktoren erfasst (Bsp. Akteure, physisch-materielle Faktoren, Prozesse). So können unterstützende und hemmende Faktoren (Akteure, Netzwerke, Gesetze, physische Bedingungen, pol. Einflussfaktoren, etc.) für soziale Innovationen benannt und danach differenziert werden, ob sie (1) den Fallstudienstädten gemeinsam oder (2) orts-spezifisch sind. Auf dieser Grundlage lassen sich Politikempfehlungen für lokale Change Makers wie etwa Vertreter*innen städtischer Verwaltungen, lokale Politiker*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen ableiten.

www.ioer.de

Kontakt

Kristin Reiß (M.A.)


Betreuer

  • Prof. Dr. Robert Knippschild (Technische Universität Dresden, Professur für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau)
  • Prof. Dr. Heike Walk (Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde)
  • Dr. Markus Egermann (Fachbetreuer am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung)

Finanzierung

Dissertationsprojekt
Landesinnovationsstipendium des Freistaates Sachsen und des Europäischen Sozialfonds