MSP-SpaCeParti

Küstenfischerei, Biodiversität, räumliche Nutzung und Klimawandel: Ein partizipativer Ansatz zur Navigation der westlichen Ostsee in eine nachhaltige Zukunft

Vorhaben: Regelungsmöglichkeiten der Meeresraumordnung für eine nachhaltige Küstenfischerei

Einleitung

Die Forschungsmission "Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume" der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) untersucht die Belastung und Nutzung unterschiedlicher Meeresgebiete hinsichtlich ihrer ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen. Fünf Forschungsverbünde erarbeiten in enger Kooperation Schutz- und Nutzkonzepte sowie Handlungsempfehlungen für eine ökosystembasierte Nutzung des Meeresraumes. Dabei sollen die Forschungsergebnisse so aufbereitet werden, dass wissenschaftsbasierte Entscheidungsoptionen für Politik und Gesellschaft bereitgestellt werden.

Ein Thema im Fokus der DAM ist die nachhaltigkeitsorientierte Gestaltung der Küstenfischerei in der westlichen Ostsee, welche durch den Klimawandel und den Biodiversitätsverlust stark bedroht ist. Die Intensität maritimer Nutzungen steigt konstant und führt so zu räumlichen Konflikten, welche die Küstenfischerei zusätzlich belasten. Hier setzt der Forschungsverbund SpaCeParti an und fokussiert sich in zwei Pilotprojekten auf eine ökosystembasierte Transformation der Küstenfischerei in der westlichen Ostsee.

Problemstellung

Eines der aktuell relevantesten Umweltprobleme in der Ostsee ist die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, insbesondere durch die Fischerei mittels Überfischung. Die Ostseebestände von den Hauptfischereiarten Dorsch (Gadus morhua) und Hering (Clupea harengus) sind alarmierend niedrig, was in Zukunft schwerwiegende ökologische, aber auch sozio-ökonomische Folgen haben wird. Fischerei ist eine traditionelle Nutzung auf See, doch sie steht im räumlichen Konflikt mit anderen Nutzungen sowie mit dem Meeresschutz und ist darüber hinaus auf verschiedenen Ebenen auf unterschiedliche Art reguliert. Die Sicherung einer langfristig tragfähigen Fischerei ist eine Herausforderung, da der Naturraum Meer eine Erarbeitung grenzübergreifender Lösungen erfordert. Die Meeresraumordnung (Marine Spatial Planning – MSP) ist potenziell ein zentrales Instrument zur Lösung dieser Konflikte auf See und unterstützt den transformativen Wandel in Richtung nachhaltigkeitsorientierter Praxis. Da die Integration der Fischerei in MSP bislang nur unzureichend erfolgte, sollen planerische sowie rechtliche Zusammenhänge zwischen Fischerei und MSP analysiert werden. Die Forschung leistet damit einen relevanten Beitrag zur Reduzierung von Unsicherheiten in Planungs- und Verwaltungsentscheidungen bezüglich fischereilicher Belange im Kontext des Meeresumweltschutzes.

Dabei entstehen u. a. die folgenden zentralen Forschungsfragen:

Wie kann die Küstenfischerei in der westlichen Ostsee langfristig nachhaltigkeitsorientiert gestaltet werden?
Bietet das Instrument der Meeresraumordnung Lösungsmöglichkeiten/-ansätze für eine ökosystembasierte Fischerei?
Wie können administrative Hürden in unterschiedlichen Rechtsräumen zugunsten des Meeresschutzes überwunden werden?

Transformation für ökosystembasiertes Meeresmanagement mittels Reallaboren

Das SpaCeParti Konsortium ist interdisziplinär aufgestellt und bedient sich daher einer Vielzahl an methodischen Zugängen aus der Meeres- und Fischereiökologie, den Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie den Rechtswissenschaften. Mittels partizipativer Reallabore sollen die zentralen Forschungsfragen praxisorientiert ergründet werden. MSP-SpaCeParti arbeitet in einem transformativen Forschungssetting, wo Wissensaustausch durch eine experimentelle und reflexive Arbeitsweise stattfindet, d. h. der Projektfortschritt wird reflektiert und die Arbeit kontinuierlich angepasst. Reallabore sind transformativ ausgerichtet und verfolgen im öffentlichen Interesse liegende Ziele. Dieser Ansatz ist im Meeresmanagement aktuell einzigartig.

Forschungsziel

Das Hauptziel von SpaCeParti als Gesamtvorhaben ist die Entwicklung von wissenschaftlichem und politischem Handlungswissen für die Erwirkung transformativer Kapazitäten in der Meeresregion westliche Ostsee hin zu einer nachhaltigkeitsorientierten Zukunft. Dabei sollen die Bedürfnisse des Schutzes der biologischen Vielfalt, des Tourismus und der Erzeugung erneuerbarer Energien gleichermaßen berücksichtigt werden. Spezifischer sollen die Einsatzmöglichkeiten raumplanerischer Instrumente für eine ökosystembasierte Fischerei in der westlichen Ostsee analysiert werden. Daraus sind Handlungsempfehlungen für eine verbesserte fischereiliche Nutzung sowie für eine effektive administrative und institutionelle Zusammenarbeit in unterschiedlichen Rechtsregimen abzuleiten.

Angestrebte Ergebnisse und Beitrag zu den Zielen des Forschungsbereiches

Mit Fokus auf die Gestaltung von Transformationsprozessen sollen die Forschungsergebnisse wissenschaftsbasierte (Handlungs-)Empfehlungen für ein nachhaltigkeitsorientiertes Fischereimanagement sowie für Regulierungsbehörden ermöglichen. Der traditionelle Sektor der Fischerei erlebt einen starken Wandel durch eine Vielzahl an Veränderungen in klimatischen Bedingungen, in der Zusammensetzung mariner Ökosysteme sowie in Nutzungsansprüchen. Vor diesem Hintergrund sollen transformative Kapazitäten der Fischereiwirtschaft im räumlichen Kontext und praxisorientierte Maßnahmen für die zukünftige Gestaltung einer langfristig tragfähigen Fischerei erforscht werden. Um die Forschung realitätsnah zu gestalten, sind relevante Stakeholder sowie Fischerinnen und Fischer über den gesamten Forschungsprozess hinweg involviert (partizipativer Ansatz).

Ein Bestandteil der räumlichen Analyse sind die Überschneidungen zwischen mariner Raumplanung und Fischerei. Daher besteht ein spezifischeres Forschungsziel darin, Möglichkeiten für ein verbessertes Fischereimanagement durch MSP aufzuzeigen. Dies erfordert Untersuchungen zu den rechtlichen und planerischen Rahmenbedingungen von internationaler bis regionaler Ebene. Durch die Reallabore entsteht eine gemeinsame Wissensgenerierung, die einer kontinuierlichen Anpassung entsprechend der Gesamtwissensproduktion bedarf.

 

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

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