FABENA

Fachbeitrag Naturschutz zur maritimen Raumordnung

Problemstellung

Als Reaktion auf die großen wirtschaftlichen Potenziale des maritimen Sektors, auf ein oft fragmentiertes Management mariner Räume sowie auf zunehmende Konflikte zwischen Nutzungsinteressen und Umweltschutz wird die maritime Raumplanung derzeit verstärkt als eines von mehreren Werkzeugen für die Umsetzung einer integrierten Meerespolitik eingesetzt. Hierbei ist schnell deutlich geworden, dass Meeresraumordnung mehr erfordert als die Ausdehnung der terrestrischen Raumordnung auf die Meere und dass auf die besonderen Eigenschaften des Meeres und die Sensibilität mariner Ökosysteme Rücksicht genommen werden muss. Eine der zentralen Herausforderungen ist in diesem Zusammenhang die Umsetzung des Ökosystemansatzes in der Meeresraumordnung, die beispielsweise von der Europäischen Richtlinie zur Schaffung eines Rahmens für die maritime Raumplanung (2014/89/EU) gefordert wird.

Ziel

Ziel des FuE-Vorhabens ist die Ermittlung und Zusammenstellung von Informationen und wissenschaftlichen Bewertungsgrundlagen für die Integration naturschutzfachlicher Belange in Meeresraumordnungsprozesse sowie die Anfertigung einer Vorversion eines naturschutzfachlichen Planungsbeitrages für die Meeresraumordnung in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee.

Forschungsfragen

Hauptforschungsfrage:
Wie können naturschutzrechtliche Fachplanungen und naturschutzfachliche Positionen effektiv in die Meeresraumordnung integriert werden?

Unterfragen:
Was für raumwirksamer Ansprüche gefährdeter und repräsentativer Arten und Biotope bestehen?
Welche besonderen Sensitivitäten weisen gefährdete und repräsentative Arten und Biotope auf?
Inwiefern bedarf der Naturschutzfachliche Planungsbeitrag von 2006 aufgrund des verbesserten Kenntnisstandes zu Arten und Biotopen sowie des anzuwendenden Ökosystemansatzes einer Fortschreibung?

Hypothese

Die Raumordnungspläne für die deutsche AWZ entsprechen nicht mehr neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu raumwirksamen Ansprüchen und Sensitivitäten von gefährdeten und repräsentativen Arten und Biotopen. Auf der Grundlage einer umfassenden Analyse vorhandener und zu ermittelnder Daten können die Pläne im Sinne des Naturschutzes aktualisiert werden.

Methodik

Zunächst werden eine Literaturrecherche sowie eine Auswertung von Fachveröffentlichungen und fachlichen Positionen hinsichtlich der Integration naturschutzfachlicher Belange in die maritime Raumordnung durchgeführt, um den aktuellen Stand der Wissenschaft zu ermitteln. In Arbeitspaket 2 werden dann, ausgehend von dem vorliegenden Geodatenbestand, alle Informationen zu gefährdeten und repräsentativen benthischen Arten und Biotope in einem separaten GIS Projekt zusammengetragen. Bezüglich der Seevögel sollen insbesondere die aktuellen Erkenntnisse zum Vogelzug und zu möglichen Zugkorridoren auf See im Rahmen einer Literaturrecherche zusammengetragen werden. Um die raumwirksamen Ansprüche der Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde zu ermitteln, sollen Ergebnisse der visuellen Surveys per Flugzeug und Schiff der letzten Jahre herangezogen werden. Die in Arbeitspaket 2 zusammengetragenen und aufgearbeiteten Daten bilden dann die Grundlage für eine Sensitivitätsanalyse (Arbeitspaket 3).

In Arbeitspaket 4 werden schließlich das planerische und das rechtliche Verhältnis von naturschutzrechtlichen Fachplanungen und einer umfassenden Meeresraumordnung näher beleuchtet. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten zur Integration naturschutzrechtlicher Fachplanungen und naturschutzfachlicher Positionen in die Meeresraumordnung, z. B. über Vorschläge für Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für den Meeresnaturschutz, entwickelt.

In Arbeitspaket 5 werden dann Daten und Erkenntnisse für die Aktualisierung des naturschutzfachlichen Planungsbeitrags von 2006 des Bundesamtes für Naturschutz zusammentragen und ausgewertet.

Angestrebte Ergebnisse

Das Projekt soll einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über eine nachhaltige, ökosystemgerechte Nutzung des Meeres und zur entsprechenden Fortschreibung der Meeresraumordnungspläne für Nord- und Ostsee leisten. Dieses Ziel fügt sich in das Themenfeld des Forschungsbereichs, eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung von Städten und Regionen, ein. Die Einbeziehung des neuen Planungsraumes "Meer" trägt insbesondere der diesbezüglichen Entwicklung auf europäischer Ebene Rechnung.

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

Das Institut wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.