Forschungsbereich:
Wandel und Management von Landschaften

Essbare Städte

Evaluierung von Begrünungsstrategien als systematische Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen der Urbanisierung. Konzipierung eines Bewertungskonzeptes und Erprobung am Beispiel essbarer Städte in Deutschland.

Städte sind mit einer steigenden Komplexität der Stadtentwicklung konfrontiert. Es bedarf daher naturbasierter Lösungen, die eine breite positive Wirkung für Mensch und Umwelt entfalten. Im Zuge aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Entfremdung des Menschen von der Natur und Kritik an der Nahrungsmittelindustrie gewinnt das Konzept der essbaren Stadt in der Stadtplanung und Wissenschaft immer mehr an Bedeutung. Essbare Städte nutzen beispielsweise öffentliche Flächen zur Bereitstellung von kostenlosen Lebensmitteln und zum städtischen Gärtnern für die Bürgerinnen und Bürger, können aber auch weitere Formen der urbanen Lebensmittelproduktion wie Permakultur oder Krautgärten umfassen. Zur Bewertung des Beitrages essbarer Städte als systematische Lösungen für Herausforderungen der Urbanisierung mangelt es jedoch an integrativen Bewertungskonzepten.

In dem von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderten Projekt wurde ein grundlagenorientiertes Bewertungskonzept zur Evaluierung der Implementierungs- und Auswirkungseffizienz essbarer Städte auf Basis der Konzepte der naturbasierten Lösungen, Mensch-Natur-Verbindung und Ortsverbundenheit im Kontext einer Nachhaltigkeitstransformation entwickelt. Das Konzept wurde an drei deutschen Fallstudien (Andernach, Haar, München) getestet.

Abbildung: Geographische Übersicht der drei Fallstudien (deutsche Version basierend auf Sartison & Artmann 2020). Bitte per Klick vergrößern.
Abbildung mit Karte

Experteninterviews und standardisierte Befragungen zeigen, dass essbare Städte als natur-basierte Lösung einen Beitrag zur sozio-räumlichen und sozio-ökologischen Nachhaltigkeitstransformation leisten können, indem diese die Attraktivität der Städte fördern und Möglichkeiten zur (Rück-)Verbindung des Menschen mit der Natur und mit Lebensmitteln bieten. Um essbare Städte erfolgreich umzusetzen, ist ein Mix aus einem Top-down- und Bottom-up-Ansatz sinnvoll. Vorreiter-Städte wie Andernach sind wichtige Vorbilder, um andere Kommunen zur Umsetzung des Konzeptes zu inspirieren.

Ein Vergleich standardisierter Befragungen der Bevölkerung in Andernach einerseits und von Krautgärtnerinnen und -gärtnern in München andererseits zeigt, dass positive Wirkungen urbaner Lebensmittelproduktion in der Münchner Umfrage deutlich prägnanter ausfallen. Gründe dafür können darin gesehen werden, dass die Krautgärtnerinnen und Krautgärtner im Vergleich zur Stadtbevölkerung in Andernach aktiv in die urbane Lebensmittelproduktion eingebunden sind. Um die positiven Auswirkungen essbarer Städte zu stärken, ist dementsprechend eine aktive Beteiligung der Stadtbevölkerung förderlich. Begleitmaßnahmen wie Stadtspaziergänge oder Beetpatenschaften sollten daher bei der Umsetzung der essbaren Stadt stets mitgedacht werden. Zukünftige Untersuchungen können die Wirkungspotenziale solcher Aktivitäten testen.

In dem Vorhaben sind bis jetzt folgende wissenschaftliche Publikationen erschienen:

  • Artmann, M., Sartison, K., Vávra, J. (2020): The role of edible cities supporting sustainability transformation – A conceptual multi-dimensional framework tested on a case study in Germany. Journal of Cleaner Production 255, 120220. doi: 10.1016/j.jclepro.2020.120220
  • Sartison, S., Artmann, M. (2020): Edible cities – an innovative nature-based solution? Impacts, drivers and constraints of implementation based on the example of Germany. Urban Forestry and Urban Greening 49, 126604. doi: 10.1016/j.ufug.2020.126604
  • Artmann, M., Sartison, K. (2018): The role of urban agriculture as a nature-based solution: a review for developing a systemic assessment framework. In: Sustainability 10(6), 1937. doi: 10.3390/su10061937  

 

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Laufzeit

2017-2019


Kontakt

Dr. Martina Artmann
Projektleitung
Tel.: +49 351 46 79 231
M.Artmann[im]ioer.de


Finanzierung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), GZ: AR 1121/1-1