Forschungsbereich:
Wandel und Management von Landschaften

KuLaKon

Konstituierung von Kulturlandschaft durch Diskurse und Diskurskoalitionen

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Dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt stand vor dem Hintergrund, dass Kulturlandschaft in jüngster Zeit sowohl in den Raumwissenschaften als auch in der Planungs- und Umsetzungspraxis wachsende Beachtung erfährt. Seit Jahren finden in Praxis und Wissenschaft intensive Auseinandersetzungen darüber statt, was Kulturlandschaft ist und sein sollte. Eher traditionelle, bewahrende Positionen stehen dabei verschiedenen "neuen" Kulturlandschaftsverständnissen gegenüber. Letztere implizieren, dass jegliche Gebiete als "Kulturlandschaft" bezeichnet werden können, zum Beispiel auch suburbane Räume, Bergbaufolgelandschaften oder so genannte Energieproduktionslandschaften. Befördert wurde die Kontroverse unter anderem durch den Landschaftsbegriff der Europäischen Landschaftskonvention und durch Zukunftsszenarien wie etwa "Future Landscapes" (Artner et al. 2006).

Aus diskursanalytischer, sozialkonstruktivistischer Sicht bezeichnet "Kulturlandschaft" kein physisches oder mentales Phänomen, sondern ein gesellschaftliches Kommunikat, also ein Produkt und ein Medium der Kommunikation als sozialer Praxis.

Ziele

Bislang haben sich erst wenige Autoren aus diskursanalytischer Sicht mit der Konstituierung von "Kulturlandschaft" beschäftigt. Auch die Dynamik kulturlandschaftsbezogener Diskurse, das heißt ihre Veränderung und Entwicklung im Zeitverlauf, sowie die Konflikte zwischen konkurrierenden Diskursen, sind erst wenig erforscht. Konflikt und Macht stellen Kategorien dar, die in der bisherigen Kulturlandschaftsforschung wenig beachtet worden sind.

Ziel des Vorhabens war es daher zu untersuchen, wie "(Kultur-) Landschaft" als Kommunikat über konflikthafte Diskurse konstituiert wird. Zunächst wurde die diskursive Konstituierung von "(Kultur-) Landschaft" in großflächigen, nicht-ortsbezogenen politischen Diskursen analysiert. Dabei haben wir uns auf landschaftsbezogene Diskurse in der Windenergiedebatte beschränkt, da eine Vorstudie gezeigt hat, dass "Landschaft" in diesem Themenfeld besonders kontrovers diskutiert wird. In diesem Untersuchungsschritt wurden die wesentlichen Landschaftskonzepte mit ihren jeweiligen Merkmalen sowie die Argumentationsmuster, mit deren Hilfe Landschaftskonzepte und Positionen pro oder contra Windenergie miteinander verknüpft werden, herausgearbeitet.

Auf dieser Grundlage wurden in einem zweiten Schritt ortsbezogene Auseinandersetzungen zur Windenergienutzung, in denen auch "Landschaft" thematisiert wird, anhand von zwei Fallstudien – Wolfhagen und Ingersheim –  untersucht. Hier richtete sich das Erkenntnisinteresse u. a. darauf, in welcher Form die zuvor ermittelten Diskursstränge lokal reproduziert und transformiert werden, welche toponymischen Landschaftskonzepte zu erkennen sind, welche Akteure und Diskurskoalitionen beteiligt und welche Machteffekte zu beobachten sind.

Publikationen

Leibenath, M.; Heiland, S.; Kilper, H.; Tzschaschel, S. (Hg.) (2013)
Wie werden Landschaften gemacht? Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Konstituierung von Kulturlandschaften.
Bielefeld: Transcript.

Leibenath, Markus (2013)
Konstruktivistische, interpretative Landschaftsforschung: Prämissen und Perspektiven
In: Leibenath, M.; Heiland, S.; Kilper, H.; Tzschaschel, S. (Hg.): Wie werden Landschaften gemacht? Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Konstituierung von Kulturlandschaften.
Bielefeld: Transcript, S. 7-37.

Leibenath, Markus; Otto, Antje (2013)
Windräder in Wolfhagen – eine Fallstudie zur diskursiven Konstituierung von Landschaften
In: Leibenath, M.; Heiland, S.; Kilper, H.; Tzschaschel, S. (Hg.): Wie werden Landschaften gemacht? Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Konstituierung von Kulturlandschaften.
Bielefeld: Transcript, S. 205-236.

Leibenath, Markus; Otto, Antje (2013)
Local debates about ‚landscape' as viewed by German regional planners: Results of a representative survey in a discourse analytical framework
In: Land Use Policy 32, S. 366-374.

Gailing, Ludger; Leibenath, Markus (im Erscheinen)
The social construction of landscapes: Two theoretical lenses and their empirical applications
In: Landscape Research.

Gailing, Ludger; Leibenath, Markus (2012)
Von der Schwierigkeit, "Landschaft" oder "Kulturlandschaft" allgemeingültig zu definieren“
In: Raumforschung und Raumordnung 70 (2), 95-106.

Leibenath, Markus; Gailing, Ludger (2012)
Semantische Annäherung an "Landschaft" und "Kulturlandschaft"
In: Schenk, W.; Kühn, M.; Leibenath, M.; Tzschaschel, S. (Hrsg.): Suburbane Räume als Kulturlandschaften. Hannover: ARL, S.58-79

Leibenath, Markus; Otto, Antje (2012)
Diskursive Konstituierung von Kulturlandschaft am Beispiel politischer Windenergiediskurse in Deutschland
In: Raumforschung und Raumordnung 70 (2), 119-131.

Leibenath, Markus; Otto, Antje (2011)
New insights into the German discourse of landscape related to wind turbines
In: Frantál, B. (Ed.): Exploring new landscapes of energies. Collection of extended abstracts of papers from the 8th International Geographical Conference & Workshop CONGEO 2011, August 1-5, 2011, Brno, Czech Republic. Brno: Institute of Geonics, Academy of Science oft the Czech Republik, 2011, 13-15

Gailing, Ludger; Markus Leibenath (2010)
Diskurse, Institutionen und Governance: Sozialwissenschaftliche Zugänge zum Untersuchungsgegenstand Kulturlandschaft.
In: Berichte zur deutschen Landeskunde 84 (1), 9-25.

Projektverbund

Das Vorhaben bildete einen eigenständigen Bestandteil eines Projektverbunds im Rahmen des raumwissenschaftlichen Netzwerks 4R der Leibniz Gemeinschaft. Parallel zum Kulturlandschaftsprojekt des IÖR wurden auch Projekte des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig, des Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner und von Prof. Stefan Heiland (Technische Universität Berlin) von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt. Die Projekte beschäftigten sich mit unterschiedlichen Facetten des gemeinsamen Oberthemas "Konstituierung von Kulturlandschaft".

Die Abschlusskonferenz "Konstituierung von Kulturlandschaft - Wie wird Landschaft gemacht?" fand am 12. und 13. Mai 2011 im Leibnizhaus in Hannover statt.
Veranstaltungsflyer (PDF 2,3 MB) und Nachlese zur Veranstaltung

www.ioer.de

Laufzeit

06/2008 - 12/2012 (voraussichtlich)

Ansprechpartner

Projektleitung
Dr. Ing.
Markus Leibenath

Tel. +49 (0)351 46 79 272
m.leibenath[im]ioer.de

Projektmitarbeiterin
Antje Otto