Forschungsbereich:
Monitoring der Siedlungs- und Freiraumentwicklung

GENIUS

Nutzung von Geoinformatik in der Stadtplanung

In der Praxis der städtischen Planung findet die Geoinformatik eine zunehmende Verbreitung. Ausgehend von den traditionellen Anwendungsfeldern des Vermessungs- und Katasterwesens sind in kürzester Zeit eine Vielzahl von neuen Nutzungen erschlossen worden. Von der strategischen bis zur operativen Ebene ist die Bandbreite der genutzten Geoinformationen, Verwendungszwecken und dabei eingesetzten Technologien enorm - und damit auch das Spektrum möglicher Wechselwirkungen mit Akteurskonstellationen und Planungsprozessen. Die Dynamik der Verbreitung und Weiterentwicklung wird dabei weiterhin durch Kostensenkungen in der Technologie- und Datenbeschaffung, Restrukturierung der Verwaltung, sowie erweiterte inhaltliche und verfahrensbezogene Anforderungen an Planungsprozesse verstärkt (z.B. SUP, Lärmkataster, Luftreinhaltepläne).

Ziel dieses Projektes ist es daher, die derzeitige Anwendung und Nutzung der Geoinformatik in der Stadtplanung zu beleuchten, deren Interdependenzen mit Akteurspositionen und Interaktionsprozessen in der Planung aufzuzeigen, mögliche Wirkungen auf die Stadtentwicklung abzuschätzen, sowie alternative Szenarien für die zukünftige Entwicklung zu entwerfen. Dabei gilt es, sowohl den formalen Bezug zu Organisationen, Instrumenten und Verfahren der Planung zu beleuchten ("Anwendung"), als auch den tatsächlichen Gebrauch durch individuelle Akteure ("Nutzung"). Zu fragen ist, welche Anwendungen in der städtischen Planungspraxis Verbreitung finden, wofür genau sie genutzt werden, und wie diese Nutzung eingebettet ist in den Prozess von Planung und Politikgestaltung? Insbesondere ist zu klären, wie lokal spezifische Entwicklungspfade zur Identifikation, Selektion und Ausprägung der Anwendungen und Nutzungen verlaufen, und welche Muster sich hierbei in Deutschland abzeichnen? Ferner ist zu bewerten, welche möglichen Effekte im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung hinsichtlich a) der Qualität von Planungsprozessen (u.a. Effizienz, Transparenz, Partizipation) b) der Qualität der städtischen Veränderungen zu erwarten sind? Die Ergebnisse zielen damit sowohl auf die Diskussion zur Entwicklung lokaler Geodateninfrastrukturen, als auch auf die Debatte zur Veränderung lokaler Steuerungspraktiken durch Informations- und Kommunikationstechnologien (E-Governance).

Das Projekt umfasst vier Phasen: Auf der Basis von Experteninterviews und einer Fragebogen-Erhebung unter den kreisfreien Städten und den dazu gehörigen Stadtregionen Deutschlands (in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag) wird eine erste Typologie der GI Nutzung erstellt. Für ausgewählte Fallstudienstädte erfolgt darauf aufbauend eine vertiefende diachronische Analyse. Die Zwischenergebnisse fließen anschließend in die Erarbeitung von alternativen Szenarien zukünftiger GI Nutzungsentwicklung ein. Letztlich werden die Ergebnisse zusammengefasst und Politikempfehlungen an die maßgeblichen Akteure adressiert.

www.ioer.de

Laufzeit

02/2008-06/2011

Ansprechpartner

Prof. Dr. jur. Gerold JanssenJanssen

Tel. 0351 46 79 207
G.Janssen[im]ioer.de