Europäische Raumentwicklung

Grenzüberschreitende Kooperation im Naturschutz - das Beispiel Biotopverbund

Birkhuhn-Siedlungsgebiete und Natura-2000-Gebiete (Quelle: IÖR)
Ausschnitt einer Karte

Der Biotopverbund-Gedanke markiert den Übergang von statischen, auf einzelne Schutzgebiete bezogenen Ansätzen zu einer dynamischen Sichtweise. Nach § 3 BNatSchG dient der Biotopverbund "der nachhaltigen Sicherung von heimischen Tier- und Pflanzenarten und deren Populationen einschließlich ihrer Lebensräume und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen." Auch in der europäischen Naturschutzdebatte erfreut sich das Konzept unter dem Begriff "ecological networks" großer Beliebtheit.

Zunehmende Beachtung erfährt Biotopverbund nicht nur durch den anhaltenden Rückgang der biologischen Vielfalt, sondern insbesondere auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Je enger das Standortspektrum einer Tier- oder Pflanzenart ist, desto eher ist sie gezwungen, auf einen Temperaturanstieg mit einer Verlagerung ihres Verbreitungsgebiets in Richtung der Pole oder in höhere Zonen zu reagieren. Dies setzt aber eine entsprechende Durchlässigkeit der Landschaft voraus, die häufig durch unterschiedliche begrenzende, trennende und zerschneidende Elemente nicht mehr gegeben ist.

Darüberhinaus wird Biotopverbund oft als komplexes Koordinationsproblem beschrieben. Zumindest bei großflächigeren Biotopverbundplanungen ist es deshalb erforderlich, sich neben den naturschutzfachlich identifizierbaren Begrenzungen auch mit verschiedenen Typen sozialer Grenzen auseinanderzusetzen:

  • Territoriale Grenzen zwischen politisch-administrativen Organisationen mit unterschiedlichen räumlichen Zuständigkeitsbereichen, zum Beispiel kommunale Gebietskörperschaften, Schutzgebietsverwaltungen oder Nationalstaaten.
  • Sektorale Grenzen zwischen Politikbereichen, Fachressorts und sektoralen Institutionensystemen, zum Beispiel Naturschutz, Verkehr, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft.
  • Vertikale Grenzen zwischen verschiedenen Planungs- und Entscheidungsebenen des administrativ-politischen Systems, also beispielsweise zwischen Bundesland, Planungsregionen und Kommunen.
  • Akteursbezogene Grenzen zwischen verschiedenen Typen gesellschaftlicher Akteure, wobei etwa an die gesellschaftlichen Teilsysteme Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft oder Wissenschaft zu denken ist.

Biotopverbund ist bislang jedoch fast ausschließlich ein Untersuchungsgegenstand von Naturwissenschaftlern - in erster Linie Biologen und Ökologen. Sozialwissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema gibt es kaum. Das Projekt soll deshalb dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Konkret sollen Erkenntnisse über die Entstehung, die Funktionsweise und die Ergebnisse von nationalstaatliche Grenzen überschreitenden Biotopverbund-Kooperationen gewonnen werden, da an nationalstaatlichen Grenzen die o.g. Typen sozialer Grenzen in besonderer Weise kumulieren, während Naturräume in Grenzräumen - aufgrund ihrer teilweise sozioökonomischen Randlage - sogar von besonderer Qualität sein können. Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt:

  • Welche Formen der Kooperation lassen sich bei der Schaffung grenzüberschreitender Biotopverbundsysteme an Deutschlands Außengrenzen beobachten?
  • Welche Ergebnisse werden damit erzielt?
  • Wie lässt sich die Entstehung unterschiedlicher Kooperationsformen für grenzüberschreitende Biotopverbundsysteme erklären?
  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Kooperationsform und Kooperationsergebnissen?

Es wird mit Methoden der qualitativen empirischen Sozialforschung (z. B. Dokumentenanalysen, Internetrecherchen und leitfadengestützten Interviews) gearbeitet.

www.ioer.de

Laufzeit

01/2007-06/2008

 

Ansprechpartner

Dr. Ing. Markus Leibenath
Tel. +49 (0)351 46 79 272
M.Leibenath[im]ioer.de