Forschungsbereich:
Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen

Auswirkungen des demographischen Wandels auf das Stofflager und die Stoffflüsse des Wohngebäudebestandes – Deutschland 2050

In Ost- und Westdeutschland entwickelten sich Umfang und Struktur der Wohnbautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg ungleich. Nach 1990 führten in Ostdeutschland sinkende Bevölkerungszahlen bei gleichzeitig hoher Bautätigkeit zu wachsendem Wohnungsleerstand. In Westdeutschland wurde hingegen entsprechend dem hohen Bevölkerungszuwachs gebaut (Banse, Effenberger 2006: IÖR-Texte 152). Bis zum Jahr 2050 werden vom Statistischen Bundesamt für Ost- und Westdeutschland auch weiterhin sehr unterschiedliche Bevölkerungsentwicklungen vorausgesagt. Das hat Auswirkungen auf den Wohnungsbestand und damit die durch Veränderungs- und Anpassungsprozesse (Sanierung, Abriss, Neubau) ausgelöste Ressourcen- und Flächeninanspruchnahme.

Mit Hilfe eines am IÖR entwickelten "Stoffstrommodells" wurden diese durch den demographischen Wandel bedingten Stoffströme und Flächenverbräuche in Form von Szenarien für den Zeitraum von 2001 bis 2050 bestimmt und abgebildet. Die Untersuchungen zeigen, dass Abriss und gedrosselter Neubau künftig zur Reduzierung des Leerstandes notwendig sein werden. Man wird – wie jetzt bereits in Ostdeutschland – Gebäude durch Abriss vom Markt nehmen müssen. So wird sich der Abriss in Ostdeutschland von jährlich 0,5 auf vermutlich 0,6 % und in Westdeutschland von jährlich 0,1 auf 0,6 % des Bestandes 2001 erhöhen. Damit steigen die spezifischen Abrissmengen pro Einwohner stetig. In der letzten Dekade werden in Ostdeutschland insgesamt 8,7 t pro EW und in Westdeutschland 7,2 t pro EW an Bauschutt anfallen. Mit geringer werdender Bevölkerungszahl wird auch die Neubautätigkeit in beiden Teilen Deutschlands abnehmen. Damit sinkt der Materialeinsatz für den Neubau. In der letzten Dekade werden in Ostdeutschland insgesamt 3,8 t/EW und in Westdeutschland 3,4 t/EW – derzeit noch 6,6 t/EW – an Baustoffen für die Errichtung neuer Wohngebäude benötigt.

Generell wird der Ressourcen-Verbrauch pro Einwohner für das Wohnen stetig steigen. So wird das im Gebäudebestand vergegenständlichte Stofflager bis 2050 jährlich kontinuierlich um etwa 0,3 % größer werden. Über den Betrachtungszeitraum hinweg beträgt das Stofflager für das Wohnen pro Person durchschnittlich110 Tonnen in Ost- und 114 Tonnen in Westdeutschland. Rechnet man die in leer stehenden Wohnungen verbauten Stoffmengen heraus, so sind es durchschnittlich 94 Tonnen in Ost- und 105 Tonnen in Westdeutschland.

Die Untersuchungen sind beim Fraunhofer IRB Verlag in der Reihe Wissenschaft Band 25 (Gruhler, Böhm 2011) veröffentlicht.

www.ioer.de

Laufzeit

01/2010-11/2010


Finanzierung

Grundfinanzierung