Forschungsbereich:
Monitoring der Siedlungs- und Freiraumentwicklung

Kleinräumige Bevölkerungsprognose Ostthüringen bis 2030

In vielen Städten und Regionen der Bundesrepublik sind die Folgen des demographischen Übergangs unübersehbar. Dies trifft vor allem auf einen Großteil der Kreise und Gemeinden in den ostdeutschen Bundesländern zu. Neben der Schrumpfung der Bevölkerungszahl als quantitative Dimension, kommt es qualitativ zu einer teilweise sehr starken Alterung der ortsansässigen Bevölkerung. Durch alters- wie auch geschlechtsselektive Wanderungsprozesse können die Auswirkungen regional verstärkt oder abgemildert werden. Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Ungleichentwicklung des Thüringer Raumes und der damit einhergehenden Entwicklung der Wanderungsbewegungen besonders junger Auszubildender und junger Erwachsener beim Eintritt ins Erwerbsleben, verschärft sich der Wettbewerb der Regionen um zuziehende Einwohner. Vor dem Hintergrund knapper werdender öffentlicher Mittel und den Auswirkungen auf die öffentliche und private Daseinsvorsorge stellt der demographische Wandel sowohl in seiner quantitativen als auch in seiner qualitativen Dimension die Region Ostthüringen vor zentrale Herausforderungen. Aufgrund der Heterogenität der Planungsregion hinsichtlich Ihrer Raummerkmale als auch ihrer bisherigen Entwicklung wurden Bevölkerungsprognosen für die 300 Gemeinden der Planungsregion bis zum Jahr 2030 erstellt. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die ausgesprochen kleinteilige Gebietsgliederung der Region dar.

Gemeindespezifische Bevölkerungsdynamik Ostthüringen (Quelle: IÖR)

Aus der Analyse der vergangenen Bevölkerungsentwicklung auf Gemeindeebene lassen sich raumprägende Bevölkerungsveränderungen erkennen. So verlor von 1990 bis 2010 die östlichste und einwohnerstärkste Thüringer Planungsregion insgesamt rund 140.000 Einwohner, dies entspricht einem Bevölkerungsrückgang von etwa 17 %. Regional differenziert konnten in den 1990er Jahren vor allem die Gemeinden im Umland von Zentren im Zuge der Suburbanisierung Einwohnerzuwächse verzeichnen, während in den peripheren Regionen bereits ein Rückgang der Bevölkerung einsetzte.
In den Jahren 2000 bis 2010 zeigte sich ein flächenhafter Bevölkerungsrückgang um rund 74.000 Einwohner bzw. 10 %, wobei nur vereinzelte Gemeinden sowie das wirtschaftlich starke Zentrum Jena eine Ausnahme bildeten.

Zur Verdeutlichung der zukünftigen demographischen Entwicklung sind zwei Szenarien erstellt worden, welche auf verbal-argumentativen Annahmen, basierend auf Insiderwissen der lokalen Akteure beruhen, um zur Status-Quo-Entwicklung auch kontrastierende Entwicklungspfade aufzeigen zu können. Das Szenario "Status-quo-Entwicklung" gibt einen Einblick in die mögliche Entwicklung der Bevölkerung, wie sie ohne jegliche Intervention seitens der Politik und Wirtschaft stattfinden könnte. In einem Kontrastszenario, welches den "best case" darstellt, wurden mögliche, geplante und absehbare Einflüsse und Entwicklungen berücksichtigt, welche auf eine geringere Abwanderung und vermehrte Zuwanderung durch Gewinnung neuer Fachkräfte als Rückkehrer und als Ersatz für das aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheidende Personal setzen und die gute infrastrukturelle Attraktivität als Pull-Faktor berücksichtigen. Der quantitative Teil der Szenarien wurde auf der Basis des erprobten kommunalen IÖR-Bevölkerungsprognosemodells erarbeitet, in welchem eine Differenzierung nach wichtigen Altersklassen möglich ist.

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Laufzeit

5/2013 bis 6/2013

Kontakt

Dipl.-Ing. Daniel Eichhorn
Tel. +49 (0)351 4679 267
D.Eichhorn[im]ioer.de


Finanzierung

Regionale Planungsgemeinschaft Ostthüringen