Forschungsbereich:
Monitoring der Siedlungs- und Freiraumentwicklung

Demographie-Gutachten Hohen Neuendorf 2030

mit Empfehlungen für die Stadtentwicklung

Quelle: © GeoBasis-DE / BKG 2010, eigene Darstellung
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Viele Städte und Regionen setzen sich mit den konkreten Auswirkungen der sich ändernden Einwohnerstrukturen auseinander und schauen dabei auch auf ihre nähere Umgebung sowie ihre Chancen für eine positive Stadtvermarktung. Obwohl zukünftig viele Städte und Gemeinden schrumpfen werden, gibt es auch weiterhin etliche Kommunen, die Einwohnerzuwächse verzeichnen können. Zu einem dieser Wachstumsleuchttürme in Ostdeutschland zählt das suburbane Umland von Berlin und im Speziellen die nordwestlich an die Hauptstadt Berlin grenzende Mittelstadt Hohen Neuendorf. Gegenüber dem oft diskutierten Stadtum- und -rückbau stellt eine auf Bevölkerungswachstum ausgerichtete Einwohnerdynamik die Kommunalverwaltung vor spezifische, vom allgemeinen Trend abweichende, Herausforderungen.

Hohen Neuendorf, Stadtteil Borgsdorf (Venedig) Quelle: Bildarchiv der Stadt Hohen Neuendorf
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Das Leitbild von Hohen Neuendorf verfolgt sieben Leitplanken, die auf "Die Grüne Stadt an der Havel" sowie weitere Überlegungen zu einer lebendigen, kommunikativen und lernenden Stadt verweisen. Dabei soll der grüne Charakter der Stadt auch zukünftig weitestgehend erhalten bleiben.Durch zuziehende Einwohner wird in Hohen Neuendorf eine expansive Wohnungsbaupolitik angeregt, weshalb zusätzliche Wohnbauflächen aktiviert werden, die jedoch die landschaftliche Attraktivität nicht herabsetzen sollten. Gleichzeitig werden durch die Einwohnerzuwächse aber auch weitere Bereiche des städtischen Lebens, wie z. B. soziale Infrastruktureinrichtungen (Schulen, Kitas etc.) sowie die Schaffung zusätzlicher kommunaler Identifikationspunkte berührt. Letztere gewinnen insbesondere für den Erhalt der städtischen Attraktivität für Jugendliche sowie als kinder- und seniorenfreundlicher Wohnstandort an Bedeutung.

Hohen Neuendorf, Stadtteil Borgsdorf, Quelle: Bildarchiv der Stadt Hohen Neuendorf
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Hohen Neuendorf gewann im Zeitraum von 1998 bis 2011 mehr als 40 % neue Einwohner, was nahezu mit einer Verdopplung des Wohnungsbestandes verbunden war. Diese hohe Dynamik der Neubautätigkeit spiegelt zugleich die Schwierigkeit wider, zwischen der Erschließung neuer Wohnbauflächen und einer attraktiven und flächensparenden Stadtentwicklung eine gute Balance zu halten. Trotz jährlicher Zuwanderungen nach Hohen Neuendorf wird der Alterungsprozess in der Stadt kaum aufgehalten werden können. Es wird lediglich zu einer  Abschwächung des schnellen Ansteigens des städtischen Altersdurchschnittes kommen, wenn weiterhin junge Familien Hohen Neuendorf als Wohnstandort wählen. Die Stadt Hohen Neuendorf hat deshalb das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) beauftragt, in einem "Demographie-Gutachten Hohen Neuendorf 2030" die spezifischen demographischen Prozesse und Rahmenbedingungen wissenschaftlich zu analysieren und Handlungsempfehlungen für die Stadtverwaltung abzuleiten.

Luftbildaufnahme Stadt Hohen Neuendorf, Quelle: Bildarchiv der Stadt Hohen Neuendorf
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Innerhalb des erarbeiteten Gutachtens ist ein interdisziplinärer Leitfaden erstellt wurden, welcher die Stadtverwaltung Hohen Neuendorf unterstützt, die bislang günstigen demographischen Strukturen der Stadt weiter zu festigen und in Zusammenarbeit mit den Bürgern einen aktiven und bürgernahen Entwicklungsprozess zu gestalten. Hierfür sind zwei unterschiedliche Szenarien erstellt worden. Im Szenario "Hohen Neuendorf unter Status-Quo-Bedingungen" wird davon ausgegangen, dass seitens der Kommune wenig Initiativen im Umgang mit den demographischen Veränderungen gestartet werden. Hier geht es vor allem darum, eine Einschätzung der sich verändernden Alters- und Erwerbstätigenstruktur sowie die weitere Bevölkerungs- und Haushaltsdynamik und Nachfragestruktur bei konstanter Zuwanderung darzustellen. Dieses Szenario verfolgt daher in erster Linie das Ziel, mögliche künftige Probleme von Hohen Neuendorf frühzeitig zu identifizieren. Für die zukünftige Baulandplanung ist es beispielsweise unabdingbar, die potenzielle quantitative und qualitative Wohnungsnachfrageentwicklung zu eruieren. In einem zweiten Szenario, das den Titel "Attraktives Hohen Neuendorf 2030" trägt, soll seitens der Stadt auf die Auswirkungen des demographischen Wandels reagiert werden. Auch hier geht es um einen Abgleich bzgl. der zu planenden Einrichtungen der sozialen Infrastruktur und zur Gewährleistung der Daseinsvorsorge.

Grundlage der Szenarienentwicklung für Hohen Neuendorf war unter anderem die im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung erarbeitete Methode zur Erstellung kommunaler Wohnungs- und Wohnbaulandprognosen sein. Damit sind regional tief gegliederte Vorausschätzungen zur kommunalen Bevölkerungs- und Haushaltsstrukturentwicklung sowie der zu erwartenden kommunalen Wohnungsnachfragemuster möglich. Zukünftige Anforderungen an einen nachfragegerechten Wohnungsneubau, Ausweisungen von Wohnbauflächen und weitere Handlungsfelder können daraus abgeleitet werden. Zugleich sollen die Wohn- und Versorgungsinteressen der Bürger stadtentwicklungsprägend berücksichtigt, aber zugleich auch sparsam mit der Ressource Fläche umgegangen werden.

www.ioer.de

Laufzeit

04/2013-05/2014


Finanzierung

Stadt Hohen Neuendorf