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Folgen des Bergbaus in Europa bewältigen

22. November 2005

Der 4. Workshop zur Sanierung und Entwicklung von Bergbauregionen in Europa findet vom 22. bis 23. November in Velky Krtis und Dudince in der Slowakei statt. Dabei stehen Fragen nach wirtschaftlichen Alternativen und der Nutzung der Hinterlassenschaften des Bergbaus auf der Tagesordnung. Wie soll mit den entstandenen Umweltschäden umgegangen werden? Was wird aus den Bergarbeitern und ihrem Wissen? Der Workshop dient dazu, neue Projektideen für Folgeprojekte zu entwickeln, z. B. zu Erdwärmenutzung, Bergbautourismus und Stadterneuerung. Weiterhin werden die Möglichkeiten eines neuen großen EU-Projektes konkretisiert.

Die Folgeprobleme des Bergbaus sind in vielen europäischen Regionen und Städten groß. Hunderte ehemalige Bergbaustädte befinden sich im Strukturwandel. Um die Probleme besser bewältigen zu können, arbeiten seit Anfang 2004 insgesamt 22 mittel- und osteuropäische Bergbaustädte sowie -regionen und Institutionen zusammen. Darunter befinden sich auch acht deutsche Städte: Oelsnitz/Erzgebirge, Johanngeorgenstadt, Lugau, Hartenstein, Schlema, Gräfenhainichen mit dem Landkreis Wittenberg, Zwickau und Schöneck. Weitere Partner stammen aus Italien, Österreich, Rumänien, der Slowakei und Tschechien.

?Wir müssen lernen, über den Tellerrand zu schauen?, so der Bürgermeister von Oelsnitz/Erzgebirge, Hans-Ludwig Richter. ?Es wäre doch töricht, wenn jeder in seiner Stadt versuchen würde, Konzepte zu entwickeln, ohne den riesigen Fundus, den es schon gibt, zu kennen.? Deshalb ist der internationale Erfahrungsaustausch das Herzstück des Projektes READY.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Strukturwandel von Bergbauregionen ein interessantes Phänomen. Der Bergbau hat in seiner Blütezeit einen großen Reichtum entstehen lassen, von dem an seinem Ende meist nichts übrig ist. Den Kommunen bleiben Industrieruinen, ökologische Altlasten und überdimensionierte Infrastrukturen. ?Den Königsweg aus dieser Misere gibt es nicht! Deshalb kann ein Vergleich internationaler Erfahrungen wichtige Hinweise auf Erfolgsfaktoren und Problempunkte liefern. ?Für die EU-Politik hat dieses Wissen große Bedeutung?, so Dr. Peter Wirth vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. in Dresden (IÖR).

Den Rahmen der Kooperation bildet das INTERREG IIIB-Projekt READY, das einen Gesamtumfang von 2,2 Mio. EUR hat, von denen 1,5 Mio. EUR aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) stammen. READY steht für Rehabilitation and Development in Mining Regions, auf deutsch: Sanierung und Entwicklung von Bergbauregionen. Initiator des Projektes ist die Stadt Oelsnitz im sächsischen Erzgebirge, die über 100 Jahre lang bis zur Schließung 1971 vom Steinkohlenbergbau geprägt wurde. Die wissenschaftliche Projektbegleitung liegt beim Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V., Dresden (IÖR), das im Rahmen des Projektes eine vergleichende Fallstudie von 17 beteiligten Städten und Regionen erstellt.