Sie befinden sich hier: Presse/Pressearchiv ab 2017/

Natura 2000 ? europäisches Schutzgebietssystem mit Löchern

7. Mai 2004

Rund 70 Experten aus sieben europäischen Länder kamen am 7. Mai 2004 im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden zusammen, um sich über das derzeit anspruchvollste Naturschutzvorhaben der EU ?Natura 2000? auszutauschen. Im Mittelpunkt der Tagung stand eine ehemalige Außengrenze der EU, die Grenze Deutschlands mit Polen und der Tschechischen Republik.

Das Natura-2000-Netz baut auf der EU-Richtlinie "Flora, Fauna, Habitat" aus dem Jahre 1992 auf. Das Ziel von "Natura 2000" ist der Aufbau eines europaweiten repräsentativen Schutzgebietssystems, um die biologische Vielfalt in Europa zu erhalten und für zukünftige Generationen zu sichern. Es hat sich gezeigt, dass die grenzüberschreitende Umsetzung der Richtlinie große Probleme bereiten kann. So gibt es beispielsweise keine gemeinsamen grenzüberschreitenden Datengrundlagen. Dadurch gehen erhebliche Chancen für die Sicherung der biologischen Vielfalt verloren. Doch nur eine grenzüberschreitende Ausweisung sichert den langfristigen Fortbestand der Gebiete, die auch eine ökologische Einheit bilden.

Das europäische Schutzgebietssystem hat Löcher. Deshalb sprachen sich die Experten für einen verstärkten Austausch - insbesondere auf der regionalen Ebene - über  geplante Natura-2000-Gebiete aus. Dabei sollte man nicht auf Vorgaben der EU aus Brüssel warten. Um Ängste und Befürchtungen über mögliche Konsequenzen  der Ausweisung von Schutzgebieten abzubauen, plädierten die Experten für eine frühzeitige Integration der Bevölkerung beiderseits der Grenzen.

Problematisch sind auch die Unterschiede in den Arbeitsständen zwischen Deutschland und den der EU neu beigetretenen Ländern Polen und Tschechien. Zurzeit sind in Polen circa 10,3 %, und in Deutschland circa 9,2 % der Landesfläche als Natura-2000-Gebiete vorgeschlagen. Ähnlich wie in Deutschland werden erhebliche Änderungen, Nachmeldungen und Konflikte über die konkrete Flächenausweisung auch in Polen und Tschechien erwartet.

Die Experten gehen davon aus, dass sich das Natura-2000-Netzwerk als europäisches Schutzgebietssystem angesichts der EU-Erweiterung positiv entwickeln wird. Die Experten sahen es dabei als eine wichtige zukünftige Aufgabe an, die biologische Vielfalt Europas gerade auch in grenzüberschreitenden Regionen durch Forschung, praktische Kooperation und intensivere Öffentlichkeitsarbeit zu stärken.