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Wie gut sind wir auf die nächste Sturzflut der Weißeritz vorbereitet?

11. August 2005

Die Erinnerungen an das verheerende Hochwasser der Elbe und ihrer Nebenflüsse vom August 2002 verblassen langsam. Besonders gefährlich waren die Sturzfluten der Nebenflüsse. Am 12.08.2005 führte die Sturzflut des Gebirgsflusses Weißeritz zu erheblichen Schäden. Am Unterlauf in der Landeshauptstadt Dresden "versenkte" sie Teile der Innenstadt, wie beispielsweise den Zwinger und den Hauptbahnhof. Dabei waren im Bereich des kommunalen Eigentums in Dresden die Schäden der Weißeritz im Verhältnis zur Elbe bezogen auf den qm Fläche nahezu um das 2,5fache höher (25 ?/m² im Verhältnis zu 11 ?/m²).

Alle Betroffenen waren sich einig, dass die Hochwasservorsorge im gesamten Einzugsgebiet der Weißeritz verbessert werden sollte. Diese Einsicht wach zu halten ist ein langwieriges Geschäft und bedarf der Zusammenarbeit vieler Akteure. Deshalb wurde die Initiative "Weißeritz-Regio" am 24.03.2004 auf Anregung des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung e.V. (<www.ioer.de>) mit Unterstützung des Freistaates Sachsen gegründet. Der Initiative gehören 26 Institutionen an, darunter alle Kommunen des Flussgebietes der Weißeritz, Fachbehörden, Verbände und wissenschaftliche Einrichtungen.

Staat und Kommunen arbeiten bereits beim Katastrophenschutz und bei der Hochwasservorsorge zusammen. Die Initiative ?Weißeritz-Regio? ergänzt diese Zusammenarbeit. Mit organisatorischer und fachlicher Unterstützung durch das IÖR bietet sie eine Plattform für kontinuierliche, intensive und offene Diskussionen. Dabei werden Lösungen entwickelt, die über die gesetzlichen Aufgaben hinausgehen. So hat sich herausgestellt, dass vor der Gründung der Initiative kaum eine Gemeinde im Weißeritzgebiet Kenntnis über die Planungen des Nachbarn hatte, auch dann nicht, wenn dieser unmittelbar flussaufwärts lag. Im Rahmen der informellen regionalen Kooperation stehen deshalb die umfassende Information der Partner und der gemeinde- und fachübergreifende Dialog zu grundlegenden Fragen der Hochwasservorsorge im Vordergrund. Konkret wird zurzeit das erste gemeindeübergreifende Hochwasserschutzkonzept für einen Nebenfluss der Weißeritz erarbeitet.

Zum 3. Jahrestag des Augusthochwassers legen die Partner von Weißeritz-Regio eine anschaulich gestaltete Broschüre für die Bürger mit vielen konkreten Handlungshinweisen zur Hochwasservorsorge vor. Sie enthält Handlungshinweise zur Vorbereitung auf den Notfall, zur Bau- und Flächenvorsorge. Sie vermittelt Grundwissen über weitere wichtige Informationen zur privaten Eigenvorsorge (z. B. Gefahrenkarten). Die Broschüre wird von Ingolf Roßberg, Oberbürgermeister der Stadt Dresden, und Bernd Greif, Landrat des Weißeritzkreises, unterstützt (download: www.ioer.de). Die Initiative baut außerdem ein internetgestütztes Hochwasser-Informationssystem auf (www.ioer.de/weisseritzinfo/interaktives.html). Die eigene Gefährdung kann dadurch konkreter erkannt werden. Dies sind wichtige Schritte zur Verbesserung der Vorsorge, zur Minimierung zukünftiger Schäden und gegen das Verblassen der Erinnerung. Und es ist ein Beleg dafür, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis ist.