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Industriebrachen ökologisch genutzt

21. November 2000

Am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) wurde ein Kriterienkatalog zur Einbindung städtischer Industriebrachen in regionale Grundzüge bzw. Biotopverbundsysteme erarbeitet.

Industriebrachen gehören für den Arten- und Biotopschutz zu den wertvollsten Flächen im Stadtgebiet. Sie dienen vielen Pflanzen- und Tierarten als Lebensraum. Hier lebt z. B. die Haubenlerche, die im übrigen Stadtgebiet selten oder gar gefährdet ist.

Im Planungsprozess der Kommunen konkurrieren diese ökologischen Potentiale mit wirtschaftlichen und sozialen Interessen. Die Städte und Eigentümer sind zunächst an einer gewerblichen Nachnutzung interessiert. Da jedoch oftmals ein Mangel an Investoren herrscht, rücken alternative Nutzungen in den Blickwinkel. Wie eine durch das IÖR-Team durchgeführte bundesweite Befragung von 107 Mittelstädten zeigt, dominieren nach wie vor städtebauliche Gesichstpunkte bzw. wirtschaftliche Nutzungsziele für Industriebrachen. Dennoch zeigen sich viele Städte offen gegenüber "grünen" Nutzungsalternativen. Oft fehlt es allerdings an geeigneten Datengrundlagen. Es bedarf einfacher Entscheidungshilfen für die Verwaltung, so dass die ökologischen Potenziale einer Brache mit den ökonomischen und sozialen schneller abgewogen werden können.

Deshalb stellten die Forscher des IÖR einen Kriterienkatalog zusammen. Dieser ermöglicht schnelle Aussagen zu den ökologischen Potenzialen einer Industriebrache einschließlich ihrer Biotopverbundeignung. Die Wissenschaftler gehen dabei davon aus, das sich bestimmte Nutzungen der Industriebrachen mit den Zielen des Naturschutzes verbinden lassen. Insbesondere entwickelten sie folgenden Vorschlag: Anstelle von Pflegemaßnahmen, die zum Erhalt bestimmter Vegetationsstadien erforderlich wären, können verträglich gestaltete Nutzungen eingesetzt werden. Solche Nutzungen wären beispielsweise "Öffentliches Grün mit Naturerlebnisräumen", "Sporadische Nutzung für Großveranstaltungen", "Rad- und Wanderwege", "Ausschließliche Winternutzung", "Öffentliches Grün mit intensiven Freizeitnutzungen".

Auf diese Weise - so das Team resümierend - werden drei Ziele parallel verfolgt: Das Stadtbild wird verbessert. Das Freizeit- und Erholungsangebot der Bürger wird erweitert. Seltene Tiere und Pflanzen behalten ihren Lebensraum.

Ansprechpartnerin:
Juliane Mathey, Tel.: +49 (0)351 46 79 231