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Europäische Bergbaustädte entdecken gemeinsame Potenziale

14. Juni 2005

Die tschechische Stadt Chodov ist Gastgeber des 3. internationalen Workshops des EU-Projektes READY (Rehabilitation and Development in Mining Regions ? Sanierung und Entwicklung in Bergbauregionen). Am 14. und 15. Juni 2005 treffen sich dort Bürgermeister aus 17 Bergbaustädten und -regionen Mittel- und Südosteuropas mit Wissenschaftlern und Planern. Aus Deutschland sind Oelsnitz/Erzgebirge, Gräfenhainichen, Hartenstein, Johanngeorgenstadt, Lugau, Bad Schlema, Schöneck und Zwickau dabei. Dazu kommen Partner aus Italien, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Rumänien.

Ziel des Workshops ist der intensive Erfahrungs- und Ideenaustausch über eine optimale Verknüpfung von Sanierungsmaßnahmen in Bergbaugebieten mit Projekten der Stadt- und Regionalentwicklung. Nachdem sich die ersten Workshops dem früheren Steinkohlenbergbau in Oelsnitz/Erzgebirge und dem Sanierungsgeschehen in Gräfenhainichen/Ferropolis gewidmet haben, liegt der Schwerpunkt dieses Treffens zum einen auf dem Braunkohlenbergbau im tschechischen Egergraben. Zwar verfügt die Stadt Chodov über fertige Sanierungskonzepte für den Tagebau. Die Umsetzung scheiterte bislang aber an der Finanzierung. Gute Erfahrungen gibt es hier aus Deutschland, wo im Mitteldeutschen und im Lausitzer Braunkohlenrevier mit der LMBV ein Staatsunternehmen die Sanierung koordiniert, das auf langfristig bereitgestellte Budgets zurückgreifen kann.

Zum anderen werden Fragen der Erdwärmenutzung thematisiert. Ansatzpunkte für die geothermische Erschließung werden in Bad Schlema, Gräfenhainichen, Oelsnitz/Erzgebirge Horni Slavkov (Tschechien) und der Region Bozen (Italien) gesucht. Weiterhin werden die mitwirkenden wissenschaftlichen Institutionen (Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. Dresden, Universität Graz, Universität Bratislava, Universität Plzen und Urbanproiekt Bukarest) erste Forschungsergebnisse bezüglich der Probleme und Konzepte in europäischen Bergbauregionen vorstellen. Dabei zeigt sich, dass z. B. in Rumänien der Bergbau sowohl wirtschaftlich als auch arbeitsmarktpolitisch eine viel größere Rolle spielt als in Österreich, wo er nur noch an wenigen kleinen Standorten zu finden ist. Ostdeutschland nimmt mit den Großvorhaben zur Sanierung der Uranerzbergbau- und Braunkohlegebiete eine Sonderstellung ein, während sich die Sanierung der Umweltschäden in der Slowakei noch im Anfangsstadium befindet.

Die Leitung des EU-Projekts liegt bei der Stadt Oelsnitz/Erzgebirge. Verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes ist das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. (IÖR) in Dresden, das umfangreiche Erfahrungen mit EU-Projekten einbringen kann. Die Europäische Union unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer Gemeinschaftsinitiative INTERREG III B mit 1.5 Millionen EURO.