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Europäische Zwillingsstädte trafen sich zum Erfahrungsaustausch in Görlitz

9. Juli 2003

Am 3. und 4. Juli fand in Görlitz ein internationales Symposium statt, auf dem sich erstmals Vertreter europäischer Städte trafen, die durch Staatsgrenzen getrennt sind. Organisatoren waren die beiden Städte Görlitz und Zgorzelec sowie das Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR). Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projektes "Stadt 2030 - Gemeinsames Leitbild für die Europastadt Görlitz/Zgorzelec" statt.

Im Mittelpunkt der Konferenz standen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für grenzüberschreitende Kooperationen, die Erfolge in der Zusammenarbeit sowie die Frage, auf welche Weise gemeinsame Projekte gefördert werden können. Wie das funktioniert, zeigen unter anderem die Erfahrungen aus Eurode, einem Zusammenschluss der Städte Herzogenrath und Kerkrade an der deutsch-niederländischen Grenze. Auf der Basis des Vertrags von Anholt, der regionalen und lokalen Einrichtungen die Möglichkeit gibt, grenzüberschreitend zu kooperieren, sind die Städte seit 1998 eine Gemeinde. Institutionelle Basis ist u. a. der gemeinsame Rat. Er wird von jeweils acht Abgeordneten aus Kerkrade und Herzogenrath gebildet. Den Vorsitz übernehmen im Wechsel die beiden Bürgermeister. Mit dem Eurode-Business-Center verfügt die Stadt zudem über das erste unmittelbar auf einer Staatsgrenze liegende Dienstleistungszentrum Europas. Es bietet Unternehmen und Existenzgründern einen einzigartigen Standort in zwei Ländern gleichzeitig an.

Für die Europastadt Görlitz/Zgorzelec war der Erfahrungsaustausch mit Guben/Gubin und Frankfurt(Oder)/Słubice an der polnischen Grenze sowie mit Zittau/Bogatynia/Hrádek nad Nisou im Dreiländereck von besonderer Bedeutung. Die Zusammenarbeit ist dort durch ähnliche Rahmenbedingungen geprägt, da sich die Städte an der derzeitigen EU-Außengrenze befinden. Grenzüberschreitendes Projekt in Guben/Gubin ist eine gemeinsame Kläranlage auf polnischer Seite. Seit 1998 fließen die Gubener Abwässer über die Lausitzer Neiße - die Staatsgrenze - zu den polnischen Nachbarn und werden dort mit modernster Technik gereinigt. In Frankfurt(Oder)/Słubice hingegen befindet sich eine grenzüberschreitende Hochschule - das Collegium Polonicum. Die gemeinsame Einrichtung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und der Universität Poznań hat ihren Standtort in Słubice.

Viele Grenzstädte erhoffen sich, gemeinsam Abwanderung, Mittelknappheit und Arbeitslosigkeit zu bewältigen und auf diese Weise die problematische Randlage in einen Vorteil umzuwandeln. Die Teilnehmer des Symposiums waren sich einig, dass eine intensive Zusammenarbeit vor allem einen rechtlichen Rahmen voraussetzt, der Kooperationen ermöglicht.