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Mit der Fähre nach Tschechien: Die EU-Gemeinschaftsinitiative INTERREG überwindet Grenzen

8. Mai 2001

Die neue Fährverbindung Schöna - Hřensko, eine Projekt zur Weiterentwicklung großer Neubaugebiete in Mittel- und Osteuropa, die Tourismusentwicklung an der Elbe oder das Regionalfernsehen im Erzgebirge haben eines gemeinsam - das Gemeinschaftsprogramm INTERREG der Europäischen Union. Aus dem Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) unterstützt, sollen diese Projekte der grenzüberschreitenden, transnationalen und interregionalen Zusammenarbeit zur Förderung einer harmonischen und ausgeglichenen Entwicklung und Raumplanung im Gemeinschaftsgebiet dienen. Am 10. Mai 2001 diskutieren 70 Experten und Praktiker im Rahmen der Europawoche am Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) über Erfahrungen aus der täglichen Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative INTERREG. In einer Ausstellung werden INTERREG-Projekte eröffnet und eine Podiumsdiskussion, bei der auch Vertreter der Nachbarländer zu Wort kommen, bietet die Möglichkeit mehr über INTERREG zu erfahren.

Derzeit ist die erste Programmphase der Initiative abgeschlossen. Die Verhandlungen für die kommende Programmperiode 2000 - 2006 stehen kurz vor dem Abschluß. Ein Ziel der Gemeinschaftsinitiative ist es, besonders im Rahmen der EU-Beitrittsdiskussionen mitteleuropäischer Staaten, dass aus den derzeitigen EU-Aussengrenzen mit einem starken Einkommensgefälle Binnengrenzen wie die nach Frankreich oder Österreich werden.

Gegliedert ist INTERREG in zwei Bereiche: INTERREG II A fördert grenzüberschreitende Projekte, die zum Zusammenwachsen der Grenzregionen mit Polen und Tschechien beitragen sollen. Sachsen hat die Chancen, die sich durch seine langen Grenzen zu den Beitrittsstaaten Tschechien und Polen ergeben, in der Vergangenheit konsequent genutzt und konnte in seinen vier Euroregionen zahlreiche konkrete Vorhaben auf den Weg bringen - wie die Wiedereinrichtung der Fährverbindung Schöna - Hřensko. So konnten im zurückliegenden Förderzeitraum 1995 - 1999 im sächsischen Grenzraum für ca. 570 Projekte ca. 297 Mio. DM der Europäischen Union bewilligt werden, an denen sich der Freistaat Sachsen mit ca. 70 Mio. DM zusätzlich beteiligte.

Die Ausrichtung INTERREG II C fördert dagegen Projekte mit transnationalem Bezug, die größere Zusammenhänge herstellen. Ein gutes Beispiel dafür ist das vom IÖR koordinierte Projekt FOCUS, das Entwicklungsstrategien zur Lösung von Problemen in Industrieregionen Mittel- und Osteuropas vergleicht. So könnte das im mittleren Erzgebirge um Johanngeorgenstadt erprobte Instrument eines Sanierungs- und Entwicklungsgebietes durchaus auch in ähnlichen, vom Bergbau betroffenen Regionen anderer Staaten zum Einsatz kommen. Umgekehrt kann auch Ostdeutschland von Erfahrungen profitieren, die andere Staaten bei der Umstrukturierung ihrer Wirtschaft in den letzten zeh  Jahren gemacht haben. Für die 26 im Rahmen von INTERREG II C durchgeführten Projekte mit deutscher Beteiligung standen 1997-1999 4,5 Mio. ? aus Brüssel zur Verfügung, die durch weitere 3,1 Mio. ? aus deutschen Kassen ergänzt wurden.

Der neue Programmzeitraum wird einige Veränderungen bringen. So hat die EU das System der Gemeinschaftsinitiativen erheblich vereinfacht. Statt ehemals 13 werden jetzt nur 4 Initiativen unterstützt, darunter INTERREG III, das jetzt deutlich mehr Mittel als in der letzten Phase erhält.

Für INTERREG III A sind auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen im Laufe der sieben Jahre etwa 200 Mio. ? aus Brüssel vorgesehen. Damit entfallen auf diese Ausrichtung etwa 80 % der in Sachsen erwarteten INTERREG-Mittel. Wie bisher sind die Euroregionen für die Entwicklung und Begleitung von Projekten zuständig, die Koordination liegt bei der Staatskanzlei.

Für die transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von INTERREG III B stehen in Deutschland für den Zeitraum 2000-2006 voraussichtlich rund 103 Mio. ? aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Für die Kooperation im Rahmen von INTERREG III B wird in Dresden ein transnationales Sekretariat eingerichtet, das dann sämtliche Projekte der Ausrichtung III B in Mittel- und Südosteuropa verwaltet. Bisher verwaltete jeder EU-Mitgliedsstaat die ihm zugedachten INTERREG-Mittel über ein nationales Sekretariat selbst; das deutsche Programmsekretariat ist am IÖR angesiedelt.

Ansprechpartner im IÖR:
Prof. Dr. Bernhard Müller, Telefon: +49 (0)351 46 79 210