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Kooperation im Grenzraum - ENLARGE-NET erfolgreich abgeschlossen

19. Mai 2005

"Das richtige Projekt zur richtigen Zeit. Wir haben seit 60 Jahren nicht mehr so eng mit unseren tschechischen und polnischen Nachbarn auf der Verwaltungsebene zusammengearbeitet." So umriss der Dresdner Oberbürgermeister Roßberg am 17.05.2005 auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden das trinationale Vorhaben ENLARGE-NET.

Prof. Bernhard Müller, Direktor des IÖR, sagte, zwei von drei Zielen wurden bereits vollständig erreicht, wie sich in der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluierung des Projektes ENLARGE-NET herausstellte. Die Verwaltungsmitarbeiter haben Zutrauen in die eigene und grenzüberschreitende Arbeit gefasst, eine Vertrauensbasis aufgebaut und ein besseres Problemverständnis der Nachbarn erlangt. Dies seien Erfolgsfaktoren für gute Folgeprojekte, beispielsweise im Gesundheits- und Arbeitsmarktsektor.

Damit knüpfte Bernhard Müller an die positive Einschätzung aller Beteiligten auf der Abschlusskonferenz des trinationalen EU-Projektes ENLARGE-NET vom 12. Mai 2005 im Regionalparlament der Region Aussig (Ustecky kraj) an. Dort wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen und die weiterführenden Projekte vorgestellt und über die Perspektiven der trinationalen Zusammenarbeit in der Region diskutiert.

Das Projekt ENLARGE-NET formt seit 2003 eine Plattform zwischen Kommunen und Einrichtungen aus Niederschlesien-Nordböhmen-Sachsen um sich auf die EU-Osterweiterung intensiv vorzubereiten. Die EU finanziert das Vorhaben mit rund 500.000 Euro. Wesentlich war der Austausch über Erfahrungen, Strukturen, Verwaltungsabläufe und Arbeitsweisen in den jeweiligen Nachbarregionen. Die mehrtägigen Workshops dienten auch der gemeinsamen Projektentwicklung für die Region.

Dafür wurden Arbeitsgruppen mit Verwaltungsmitarbeitern gebildet. Die Themen waren Personalentwicklung, Gesundheit/Soziales, Regionalplanung, Umwelt/Katastrophenschutz und Wirtschaft/Tourismus. Partner waren die Städte Dresden, Chemnitz, Breslau (Wroclaw) und Aussig (Usti nad Labem) sowie die Regierungspräsidien Dresden und Chemnitz, das Marschallamt der Wojewodschaft Niederschlesien (Wojewodztwo Dolnoslaskie), die Bezirke Aussig (Ustecky kraj), Reichenberg (Liberecky kraj) und Karlsbad (Karlovarsky kraj), das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung und das Sächsische Kommunale Studieninstitut.

Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes ENLARGE-NET war das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung beauftragt. "Das Projekt ENLARGE-NET ist erfolgreich", so fasste Prof. Bernhard Müller die Ergebnisse zusammen. Ziel war es, die Verwaltungen auf die EU-Erweiterung vorzubereiten, um die Chancen besser nutzen zu können. Dazu sollten erstens die Verwaltungsmitarbeiter Ansprechpartner und Verwaltungsstrukturen der jeweiligen Nachbarländer kennen lernen. Zweitens sollten dauerhafte Kooperationsstrukturen geschaffen und drittens gemeinsame Projekte entwickelt werden. Lediglich das Entwickeln gemeinsamer Projekte habe sich aufgrund der schwierigen Beantragung von Fördermitteln als langwieriger herausgestellt.

Die beteiligten Verwaltungsmitarbeiter gaben zu 81 % an, ihre Alltagsaufgaben nun besser bewältigen zu können. Die gegenseitigen Probleme werden besser verstanden, und Vertrauen habe sich aufgebaut. Als Zukunftsaufgabe werden von 64 % der Projektbeteiligten die Vernetzung bestehender grenzüberschreitender Initiativen und von 63 % die inhaltliche Arbeit in gemeinsamen Arbeitsgruppen gesehen, führte Prof. Müller weiter aus. Die überwältigende Mehrheit der beteiligten Verwaltungsmitarbeiter (89 %) seien der Meinung, dass die durch ENLARGE-NET angestoßene Kooperation fortgesetzt werden solle.

Das Projekt ENLARGE-NET hat eine neue, innovative Form der Zusammenarbeit zwischen den Regionen eingeleitet. Außerdem wurde die Vision einer dauerhaften Kooperationsplattform hervorgebracht. Zwei konkrete Projekte, die aus der Zusammenarbeit im ENLARGE-NET-Projekt entstanden, sind bereits gestartet und werden wieder von der Europäischen Kommission gefördert. Weitere Projektideen beziehen sich bspw. auf die Zusammenführung der Regionalentwicklungspläne und die Erarbeitung gemeinsamer touristischer Produkte. Bernhard Müller empfahl, die Abgrenzung des Kooperationsraumes je nach Fragestellung offen zu halten und ein gemeinsames, rotierendes Sekretariat in Erwägung zu ziehen.