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Wie bringt man Einwohner zurück in die Stadt?

15. November 2000

Diese Frage stellt sich nicht nur in Dresden, sondern auch in Dresdens amerikanischer Partnerstadt Columbus. Das Problem ist schon seit Jahren vorhanden, an Konzepten wird jedoch erst neuerdings gearbeitet. "Wir müssen mehr Wohnungen in der Innenstadt bauen. Nur so können wir wieder lebendige Städte schaffen", so Frank Wobst, Dresdner Ehrenbürger und Chef der in Columbus ansässigen Huntington-Bank zu einer Gruppe von 17 Wissenschaftlern und Studenten der TU Dresden und des Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) unter Leitung von Professor Dr. Bernhard Müller am letzten Montag bei einem Mittagessen, zu dem die Bank die Besucher aus Dresden und ihre Partner von der Ohio State University in Columbus eingeladen hatte.

Die Gruppe führt zur Zeit in Columbus Gespräche mit Planungspraktikern und Wissenschaftlern über Fragen der Revitalisierung von Städten. Dabei werden u.a. Beispiele aus Dresden vorgestellt. Aber auch in Columbus gibt es hierzu Interessantes zu sehen und zu diskutieren:

  • die Verbindung von Großveranstaltungen und Wohnen in einem urbanen Umfeld: am Rand der Innenstadt wurde - ausschließlich mit privaten Mitteln - eigens eine Sportarena gebaut, in ihrem Umfeld entstehen Restaurants, kleine Geschäfte und vor allem Wohnungen,
  • die Sanierung herunter gekommener Wohnviertel: hierbei setzt man vor allem auf Privatinitiative; ein besonderes Merkmal dieser Gebiete ist die Mischung unterschiedlicher Gruppen der Gesellschaft,
  • der Bau von Appartements für Besserverdienende: ein in Kürze fertiggestellter Wohnkomplex am Rand der Innenstadt bietet einen großartigen Blick auf die Skyline der Stadt; sogar John Glenn, Astronaut und Senator, hat hier ein Appartement gekauft,
  • die Entwicklung einer zentral gelegenen, ehemaligen industriell genutzten Fläche zu einem Mischgebiet mit Büros, Geschäften und vor allem über 700 Wohnungen.


Insbesondere das letztgenannte Vorhaben trifft noch auf viele bürokratische Hindernisse, schreibt doch die Bauordnung von Columbus eine strikte Trennung von Funktionen vor und verlangt größere Straßenbreiten als in einem zentrumsnahen Gebiet erforderlich. Die Stadtplaner von Columbus stehen dem für die USA innovativen Projekt positiv gegenüber: "Wir brauchen höhere Dichten in den Wohngebieten und mehr öffentliche Verkehrsmittel, sonst ist der Kollaps unserer Städte nicht mehr aufzuhalten. Dafür müssen wir dort, wo es notwenig ist, unsere Bauordnungen ändern." - so Steve McClary, Chefplaner von Columbus. Dabei verweist er besonders auf das Beispiel Dresden, wo er und einige seiner Mitarbeiter in den letzten Jahren mehrfach im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und den Stadtverwaltungen der beiden Städte die Vorteile einer europäischen Stadt kennen gelernt hat. "Man kann viel von Dresden lernen, aber auch die Lektionen von Columbus sind wichtig. Die wichtigste Erfahrung für mich war, dass man privates Engagement in der Stadtentwicklung braucht und nicht immer nur nach dem Staat und den Kommunen rufen darf.", so einer der Studenten. Der Erfahrungsaustausch, der in dieser Form bereits zum dritten Mal stattfindet, wird am Donnerstag mit einem Workshop beendet, bei dem gemeinsame Projekte der deutschen und amerikanischen Studenten diskutiert werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernhard Müller, Telefon: +49 (0)351 46 79 211