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Neue Hoffnung für das Zentrale Erzgebirge um Johanngeorgenstadt

10. Juni 2002

Die Städte Johanngeorgenstadt und Schwarzenberg sowie die Gemeinden Breitenbrunn, Erlabrunn, Pöhla, Raschau und Rittersgrün haben sich unter dem Dach ?Zentrales Erzgebirge? zusammengetan. Sie wollen gemeinsam ihre Zukunft gestalten. Unterstützt werden sie dabei durch das neue Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ?Umbau von Siedlungsstrukturen unter Schrumpfungsbedingungen als Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung? unter wissenschaftlicher Begleitung des Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR). Es knüpft an ein Modellvorhaben der Raumordnung von 1997 bis 2000 an.


Gefördert wird dieses Vorhaben durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Freistaat Sachsen. Kern des Vorhabens ist die Beseitigung von Sanierungshindernissen und die Einleitung konkreter Entwicklungsmaßnahmen. Für erste Sanierungsmaßnahmen haben Bund und Freistaat ca. 4,6 Mio. EURO bereitgestellt. Die Kooperation zwischen den Kommunen steht unter der Leitvorstellung "Überregional vernetzt - gemeinschaftlich effizient - städtebaulich flexibel". Bei der Auftaktkonferenz im Mai in Breitenbrunn trafen sich Schlüsselakteure aus der Region mit Multiplikatoren aus Bundes- und Landesinstitutionen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Sanierungsunternehmen und diskutierten Perspektiven der Region für die kommenden Jahre.

Die Probleme der Region sind groß. Sie sind vor allem eine Folge des Uranbergbaus der 1940er und 50er Jahre. Der Uranbergbau hat eine Fülle von Umweltschäden hinterlassen, Siedlungsstrukturen stark verändert und traditionelle Wirtschaftsbereiche der Region zerstört. Die periphere Lage an der EU-Außengrenze, die ungünstige Erreichbarkeit und der wirtschaftliche Niedergang nach der politischen Wende verschärfen die Problemsituation zusätzlich. Die hohe Abwanderung aus der Region führt u. a. zu einem erheblichen Wohnungsleerstand und Problemen bei der Erhaltung von Infrastruktureinrichtungen. Die anstehenden Herausforderungen können nur gemeinsam bewältigt werden.

Trotz der großen Probleme und begrenzten lokalen Ressourcen machte sich nicht nur Resignation breit. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei den kommunalen Vertretern reifte und wuchs. Es gelang, Unterstützung von außen zu erhalten. Die Städte und Gemeinden erhielten den Status als Modellvorhaben der Raumordnung "Sanierungs- und Entwicklungsgebiet Uranbergbau". Zwischen 1997 und 2000 konnten in diesem Rahmen konzeptionelle Grundlagen geschaffen und erste Maßnahmen begonnen oder schon umgesetzt werden. Ein Beispiel ist die ehemalige Erzverladestation ?Steinfabrik? Breitenbrunn, auf deren Gelände nun die neue Kläranlage entstehen kann.

Allen Beteiligten war von Anfang an klar, dass die positiven Ansätze und gemeinsamen Aktivitäten über das Modellvorhaben hinaus weitergehen sollten. Die Probleme sind längst noch nicht gelöst. Der Bevölkerungsverlust ist nicht gestoppt. Zwischen 1990 und 2002 verließen 3000 Menschen - rund ein Drittel der Einwohner - Johanngeorgenstadt. Nur wenn es gelingt, für die Menschen in der Region spürbare Verbesserungen der Lebensbedingungen zu erreichen, wird die Abwanderung abgemildert.