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Vorbilder von gestern sind die Problemfälle von heute

14. November 2000

Wissenschaftler aus Mittel- und Osteuropa legen im Ergebnis zweijähriger Forschungsarbeiten die "Leipziger Erklärung" zu Problemen und Perspektiven altindustrialisierter Gebiete vor.


Das Netzwerk raumwissenschaftlicher Forschungseinrichtungen in Mittel- und Osteuropa (MOE-Netzwerk), an dem auch das Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) beteiligt ist, hat sich in den letzten beiden Jahren mit Fragen der Zukunft altindustrialisierter Städte und Regionen in Mittel-, und Osteuropa auseinander gesetzt. Federführend bei der Bearbeitung eines von der EU geförderten Forschungsprojekts zu dieser Thematik ist das IÖR. Nachdem im November 1999 in Krakau insbesondere Problemlagen in Altindustrieregionen diskutiert wurden, stand die diesjährige Netzwerkkonferenz im Zeichen der Strategien und Handlungsempfehlungen. In unmittelbarer Nachbarschaft zur internationalen Fachmesse "EUREGIA 2000" tagten die Wissenschaftler vom 24. bis 25. Oktober 2000 im Internationalen Kongresszentrum auf dem Leipziger Messegelände.

Die im Abschluss der Konferenz abgegebene "Leipziger Erklärung" umfasst sowohl die Beschreibung der Problemsituation als auch Handlungsempfehlungen für alte Industrieregionen. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass diese Regionen sich zu den Problemgebieten der Zukunft entwickeln werden, wenn sich die gegenwärtigen Entwicklungstrends fortsetzen. Über Jahrzehnte hinweg gewachsene räumliche Strukturen verlieren ihre Funktion, Disparitäten verschärfen sich in bisher ungeahntem Ausmaß.

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Teilnehmer der Konferenz, altindustrialisierten Städten und Regionen in Mittel- und Osteuropa mehr Aufmerksamkeit auf allen Ebenen der Politik und der internationalen Zusammenarbeit zu widmen. Für diese Regionen müssen Visionen entwickelt werden. Weiterhin ist die Frage der Lastenverteilung bei der Sanierung und Entwicklung, auch und besonders im ökologischen Bereich neu zu diskutieren. Dezentralisierungsmaßnahmen und die Verflechtung sektoraler Lösungsansätze stellen weitere Handlungsfelder dar.

Schließlich empfehlen die Wissenschaftler die Förderung der Zusammenarbeit zwischen altindustrialisierten Städten und Regionen. In jedem Fall sollen der mit diesem EU-Projekt begonnene Dialog und Wissensaustausch fortgesetzt und die die international vergleichende Forschung intensiviert werden.

Auf diese Weise kann ein wesentlicher Beitrag zur zukünftigen Erweiterung der Europäischen Union sowie zur Integration und Kohäsion in Europa insgesamt geleistet werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernhard Müller, Telefon: +49 (0)351 46 79 211