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Dresden wird ein Zentrum europäischer Hochwasserforschung

21. März 2003

Im August 2002 rollten Hochwasserwellen bisher unbekannten Ausmaßes durch die sächsischen Flüsse und Bäche. In einer großen Kraftanstrengung wurden die schlimmsten Schäden beseitigt und den Betroffenen geholfen. Geblieben sind zahlreiche Fragen über den Ablauf der Ereignisse und die Möglichkeiten zukünftiger Schadensminderungen. Im Dezember 2002 wurde von mehreren Forschungseinrichtungen daher das Dresden Flood Research Center (D-FRC) gegründet, an dem Arbeiten zur integrierten Hochwasserforschung gebündelt werden sollen. Prof. Bernhard Müller, Direktor des Instituts für ökologische Raumentwicklung und Inhaber des Lehrstuhls für Raumentwicklung der TU Dresden, ist Gründungsvorsitzender des D-FRC. Die TU Dresden ist im Forschungszentrum durch mehrere Lehrstühle aus den Fakultäten für Forst- Geo- und Hydrowissenschaften sowie Bauingenieurwesen vertreten.

Ziel der Forscher aus Meteorologie, Hydrologie, Forst-, Geo-, Wirtschafts-, Sozial-, Planungs- und Rechtswissenschaften ist eine umfassende Betrachtung der Ursachen und Folgen von Flutereignissen. Dafür ist einerseits Grundlagenforschung und anderseits eine praktische Verwertbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse mit den Betroffenen notwendig. Zu einem ersten Fachkongress lud das D-FRC vom 14. bis 15. März 2003 ein. Rund 100 Wissenschaftler aus Europa besuchten in Dresden den internationalen Kongress ?European Research on Flood Risk Management in the Elbe River Basin?. Der Sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Dr. Matthias Rößler, würdigte in seiner Begrüßungsrede die rasche Reaktion der Forscher auf die Elbekatastrophe und den multidisziplinären Ansatz des Zentrums.

Die Kongressteilnehmer sehen vorrangig Forschungsbedarf bei der Entwicklung satelliten-, radar- und computergestützter Methoden. Auf diese Weise könne die Bevölkerung zeitiger vor Katastrophen gewarnt werden. Vorbeugende Maßnahmen können außerdem getroffen werden, wenn die Wirkung fehlender Waldflächen in den Gewässeroberläufen untersucht wird. Und schließlich ist die soziale und wirtschaftliche Betroffenheit der Bevölkerung stärker als bisher von der Wissenschaft zu thematisieren.

Da Hochwasserereignisse sehr unterschiedliche Ausmaße und Verläufe zeigen, besteht die Aufgabe der Wissenschaft zukünftig u.a. in der Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten und der Darstellung der Grenzen von Schutzmaßnahmen. Erst dadurch können auch für Extremereignisse wie im vergangenen August Vorkehrungen getroffen werden. Ein vermehrtes Auftreten von größeren Hochwasserereignissen kann nach neuesten Erkenntnissen aus der Klimaforschung nicht ausgeschlossen werden. Da sich die Hochwasserentstehung über die Grenzen von Städten, Gemeinden, Bundesländern und Staaten hinaus erstreckt, sind außerdem neue planungs- und rechtswissenschaftliche Strategien und Instrumente zu entwickeln. Wichtige Anwendungsfelder sind dabei der Lastenausgleich zwischen Ober- und Unterlieger, aber auch gebietsübergreifende Pläne und Informationssysteme zur Entscheidungsunterstützung. Die Kongressteilnehmer sprachen sich für einen verstärkten Erfahrungsaustausch zwischen den Forschern verschiedener europäischer Flussgebiete aus. Das Dresdner Hochwasserforschungszentrum versteht sich in diesem Sinne als eine offene und europäisch orientierte Plattform. Naturkatastrophen lassen sich zwar nicht verhindern, aber die Schäden durch Hochwasser zu können vermindert werden.

Weitere Informationen:
Dresden Flood Research Center
Jochen Schanze
Tel.: (03 51) 46 79 228
j.schanze[im]ioer.de