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Umbau der sächsischen Städte - Strategien gegen den Wohnungsleerstand

22. Januar 2001

Es gibt zu viele Wohnungen in Sachsen. Derzeit stehen ca. 420.000 Wohnungen leer. Dies mag die Mieter zwar freuen, denn die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Doch die Kehrseite der Medaille lautet "Unwirtlichkeit von Wohnquartieren und Ressourcenverschwendung". Der Wohnungsleerstand stellt zugleich eine schwere Belastung für die Wohnungsunternehmen dar. Der notwendige Umbau der sächsischen Städte ist deshalb die größte Herausforderung für die Stadtentwicklung seit dem II. Weltkrieg und erfordert die Bündelung aller gesellschaftlichen Kräfte. Je nach lokalen und regionalen Besonderheiten sollten unterschiedliche Strategien zur Anwendung gelangen. Rückbau ist auch in Städten wie Leipzig eine Maßnahme, kann aber nur dann zum Erfolg führen, wenn sie in ein sog. "integriertes Stadtentwicklungskonzept" eingebunden ist.

Dies sind die Ergebnisse der gemeinsam vom Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI) und dem Dresdner Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) veranstalteten Tagung "Umbau der sächsischen Städte - integrierte Stadtentwicklung im Zusammenhang regionaler Entwicklungen". Die Veranstaltung fand am 22. Januar 2001 im Sächsischen Landtag statt. 250 Vertreter von Politik, Verwaltung, Verbänden und Kammern sowie Unternehmen und Wissenschaft nahmen daran teil. Die Strategien der Staatsregierung zur Unterstützung des Umbauprozesses in den sächsischen Städten wurden von Dr. Albrecht Buttolo, Staatssekretär im SMI, dargelegt. So fließen zukünftig 70% der Mittel zur Förderung der Wohneigentumsbildung in die Substanzerhaltung. In diesem und im nächsten Jahr wird der Rückbau von insgesamt 16.000 Wohnungen gefördert. Der Freistaat forciert zudem die Formulierung von integrierten Stadtentwicklungskonzepten, mit denen die Kommunen auf der Basis einer realistischen Beurteilung der Bevölkerungsentwicklung Schwerpunkte in ihrer Aufgabenerfüllung bestimmen.

Stadtumbau ist "Chefsache" in den Kommunen und erfordert die Zusammenführung aller fachlichen Belange. Aber nicht nur dies ist eine Schwierigkeit in vielen Städten. Vielmehr zeigt sich auch, dass man oft auch nicht bereit ist, sich mit seinem Nachbarn abzustimmen. Regionale Zusammenarbeit sei jedoch eine wichtige Voraussetzung für einen Stadtumbau und die Bewältigung des Wohnungsleerstands, so Professor Bernhard Müller, der Direktor des IÖR. Das IÖR hat bereits Mitte der 90er Jahre auf die Problematik des Wohnungsbestands in den sächsischen Städten aufmerksam gemacht. Auch leerstehende Wohnungen führten zu CO2-Emissionen. Neuentstehende Freiflächen infolge des Rückbaus von Siedlungsteilen könnten hingegen zur Verbesserung der Umwelt-, Aufenthalts- und Lebensqualität der Städte beitragen.

Ansprechpartner:
Gérard Hutter, Telefon: +49 (0)351 46 79 259