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25.03.2021

Transition-Town-Initiativen und ihre Rolle bei der nachhaltigen Entwicklung von Städten

Welche Potenziale, aber auch Herausforderungen ergeben sich aus der Zusammenarbeit zwischen Transition-Town-Initiativen und kommunalen Akteuren? Welchen Beitrag leisten die Initiativen für eine nachhaltige urbane Transformation? Diese Fragen hat das IÖR im Projekt "Neue Partnerschaften in der nachhaltigen Stadtentwicklung? Potenziale von Transition-Town-Initiativen" im Auftrag des vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. untersucht. Der Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen sowohl für die Initiativen als auch die kommunale Ebene ist nun erschienen.


Pflanze zwischen Pflastersteinen

(Foto: AquilaSol auf Pixabay)

Gemeinsame Pressemitteilung von vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. und Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)

Nachhaltige Stadtentwicklung als lokale Gemeinschaftsaufgabe

Die Bemühungen um eine nachhaltigere Entwicklung von Städten und Gemeinden sind ungebrochen und während in Städten einerseits die meisten Ressourcen verbraucht werden, bilden sie andererseits den Raum für Experimente und Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung. Die Potenziale und Herausforderungen von zivilgesellschaftlichen Initiativen als Akteure und Partner einer nachhaltigen Stadtentwicklung haben Forschende des IÖR und des vhw in vier Städten beispielhaft untersucht. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse haben sie praktische Handlungsansätze für Kommunen und Initiativen erarbeitet. Nachzulesen sind die Ergebnisse und Empfehlungen im Abschlussbericht „Neue Partnerschaften in der nachhaltigen Stadtentwicklung? Potenziale von Transition-Town-Initiativen“.

Nachhaltige Stadtentwicklung als Querschnittsaufgabe, die Vermittlung und Übersetzung erfordert

Es zeigt sich, dass Transition-Town-Initiativen und Kommunalpolitik sowie -verwaltung fruchtvolle und effektive Partnerschaften aufbauen können, um an einer nachhaltigen Entwicklung in Städten zu arbeiten. Dies ist jedoch voraussetzungsvoll. So hat die Studie des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) im Auftrag des vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. gezeigt, dass institutionelle Schnittstellen in den Städten besonders wichtig sind, damit die Initiativen mit Politik und Verwaltung zusammenarbeiten können.

Dort, wo der politische Rückhalt für die nachhaltige Stadtentwicklung hoch, die Bereitschaft für partizipative Prozesse vorhanden und in den Verwaltungen ressourcenstarke und mit einem entsprechenden Mandat ausgestattete Akteure angesiedelt sind, waren vielversprechende Kooperationen zu beobachten. Auch die Professionalisierung der zivilgesellschaftlichen Transition-Town-Initiativen und das individuelle Engagement von Schlüsselpersonen spielt für gelingende Kooperationsprozesse eine wichtige Rolle.

Formalität und Konformität stehen teilweise Offenheit und Flexibilität gegenüber

Wie erfolgreich sich eine Kooperation zwischen Initiativen und Kommunen gestaltet, hängt auch vom jeweiligen Themenfeld und den dazugehörigen hoheitlichen Aufgaben ab. Während z. B. im Bereich Mobilität in der Konsequenz eine grundlegend andere Verkehrspolitik und -planung notwendig wäre, lässt sich eine urbane Landwirtschaft hingegen durch Gemeinschaftsgärten auf privaten Flächen verwirklichen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die durch EU-, Bundes- und Landespolitik definiert werden, können eine nachhaltige Stadtentwicklung behindern, wenn sie das nicht nachhaltige Handeln regulatorisch festschreiben (z. B. Stellplatzverordnung).

Handlungsansätze für Partnerschaften in der nachhaltigen Stadtentwicklung

Aus den Ergebnissen des Projekts lassen sich verschiedene Handlungsansätze ableiten und begründen, die sich an Initiativen, Kommunen oder beide richten. Handlungsansätze für Initiativen beinhalten beispielsweise die politische Mobilisierung durch zivilgesellschaftliche Petitionen und den Ausbau des Wissens rund um Fördermittel und -strukturen. Handlungsansätze, die sich auf Kommunen beziehen, umfassen z. B. die Etablierung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Interpretation von rechtlichen Rahmenbedingungen als Suche nach Lösungen.

Die Autorinnen und der Autor der Studie schließen mit der Bemerkung: "Die wirklich kritischen Themen und tiefgreifenden Veränderungen (z. B. Mobilitätswende) stehen erst noch an, zumindest was die kooperative Umsetzung jenseits von politischen Absichtserklärungen angeht. Insofern bleibt zu wünschen, dass die mühsam und mit viel Engagement von beiden Seiten aufgebauten Partnerschaften in belastbare Strukturen überführt und weiter gestärkt werden, unter anderem um sie resilient gegenüber personellen Veränderungen zu machen, aber auch, um die tatsächliche Wirksamkeit mit Blick auf die angesprochenen Herausforderungen zu erhöhen."

Originalpublikation
Ehnert, Franziska; Egermann, Markus; Betsch, Anna: Neue Partnerschaften in der nachhaltigen Stadtentwicklung? Potenziale von Transition-Town-Initiativen. Berlin: vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., 2021 (vhw-Schriftenreihe Nr. 23).

Informationen zum Projekt 

Kontakt im IÖR
Dr. Markus Egermann, E-Mail: M.Egermann@ioer.de