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18.12.2020

Mega-Cities und ihr Umland nachhaltig entwickeln - Chinesisch-deutsches Projekt startet in die Hauptphase

Das chinesisch-deutsche Verbundprojekt "Urban-Rural Assembly" hat die Initialphase mit einer gemeinsamen Open-Access-Buchpublikation abgeschlossen. Es startet nun in die Hauptphase und wird für vier weitere Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.


Logo des Projektes Urban-Rural Assembly

Die rasante Urbanisierung in vielen Ländern hat nicht nur Folgen für die Städte. Auch die vormals ländlichen Regionen im Umland wachsender Mega-Cities erleben einen Wandel. Das Verbundvorhaben "Urban-Rural Assembly" (URA), an dem das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) mitwirkt, untersucht diesen Wandel von Stadt-Umland-Regionen seit April 2019 in China. Als Beispiel dient die Region Huangyan-Taizhou im Osten Chinas. Mit Partnern vor Ort entwickelt das Projektteam Strategien und Instrumente für eine gemeinsame nachhaltige Entwicklung von Städten und ihrem Umland. Auch andere Stadt-Umland-Regionen sollen sie später nutzen können.

Die 18-monatige Initiierungsphase hat das Projektteam mit der Herausgabe einer ersten Buchpublikation abgeschlossen. In der Reihe "URA Periodical" wird es künftig regelmäßig über aktuelle Forschungs- und Entwicklungsergebnisse aus dem Verbundvorhaben informieren. Band 1 befasst sich mit dem Begriff der Schnittstellen (Interfaces). Er verweist zum einen auf die multidisziplinäre Konzeption des URA-Projekts. Zum anderen hängt er mit den transdisziplinären Ansätzen in Forschung und Entwicklung zusammen, mit denen das Projektteam die Stadt-Land-Grenze der Region Huangyan-Taizhou beforscht.

Das IÖR ist an der aktuellen Publikation mit zwei Beiträgen beteiligt. Ein Aufsatz von Suili Xiao, Wolfgang Wende und Till Fügener beschäftigt sich mit Aspekten der Ökosystemleistungen. Im Untersuchungsgebiet haben die Forschenden analysiert, wie sich die zunehmende Urbanisierung auf die Hochwasserregulation als Ökosystemleistung für diesen Siedlungsbereich auswirkt. Die Folgen einer enormen Überbauung seit Mitte der 1990er Jahre sind dramatisch. Viele Wohnquartiere und Industrieareale sind entlang des Flusses entstanden, Grün-, Wald- und Ackerflächen verschwunden. In der Folge sind die Ortschaften entlang des Flusses in der Taifun-Saison regelmäßig von schweren Überschwemmungen betroffen. Wie die Verantwortlichen vor Ort auch mit naturbasierten Lösungen versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beschreibt das Autorenteam in seinem Beitrag.

Den zweiten Beitrag des IÖR für den Open-Access-Band bildet ein Interview von Suili Xiao mit dem Wissenschaftler Wentao Yan vom Centre for Ecological Wisdom and Practice Research der Tongji University. Es beleuchtet unter anderem den Begriff der "ökologischen Weisheit" und geht der Frage nach, welche Rolle ökologische Themen an der Schnittstelle zwischen Stadt und Umland und bei der Entwicklung dieser Bereiche spielen.

Die Publikation ist auf Englisch im Open-Access erschienen. Sie steht auf der Internetseite des Projektes zum kostenfreien Download bereit.

Originalpublikation

Gao, Xiaoxue; Langguth, Hannes; Lynam, Ava; Misselwitz, Philipp (Hrsg.): URA Periodical – Issue 1. Interfaces. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin, 2020.

Logo des BMBFDas Projekt "Urban-Rural Assembly – Entwicklung von strategischen Planungsansätzen und Implementierung von Pilotprojekten für die nachhaltige Stärkung von Stadt-Land-Beziehungen und regionalen Wertschöpfungsketten am Beispiel der chinesischen Region Huangyan-Taizhou, Zhejiang Province" wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Teil der FONA-Förderrichtlinie "Nachhaltige Entwicklung urbaner Regionen". Nach einer Initiierungsphase von April 2019 bis September 2020 folgt ab Oktober 2020 bis November 2024 die Forschungs- und Entwicklungsphase. Förderkennzeichen: 01LE1804B

 

Weitere Informationen zum Projekt

Kontakt im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)
Prof. Dr. Wolfgang Wende, E-Mail: W.Wende[im]ioer.de

Person an beamer leinwand

Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis wird im chinesisch-deutschen Projekt "Urban-Rural Assembly" groß geschrieben. Bei einem Workshop im Juni 2019 tauschten sich Wissenschaftler*innen, Planungspraktiker*innen und Regierungsvertreter*innen zur Festlegungen von Projektinhalten aus. Von Chinesischer Seite wurden die Themen wie Biodiversität, Erholungsvorsorge, Wasser und Landwirtschaft als wichtige Forschungsthemen benannt. (Foto: TU Berlin/Jörg Gläscher)