Sie befinden sich hier: Presse/
15.07.2020

Förderung neuer Nationaler Forschungsdateninfrastrukturen beschlossen – IÖR an zwei Konsortien beteiligt

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat Ende Juni die Förderung von neun Konsortien zum Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) beschlossen. An zwei der neun geförderten Gründungskonsortien ist das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) beteiligt.


Wie steht es um Flächen für Arten- und Naturschutz in Deutschland? – Diese Daten sind bald Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. (Quelle: IÖR-Monitor)

ie nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) soll die Datenbestände von Wissenschaft und Forschung systematisch erschließen, nachhaltig sichern und zugänglich machen sowie national und international vernetzen. Der Aufbau der NFDI erfolgt dabei eigeninitiativ durch die nun geförderten Konsortien. Das IÖR wird sich mit seiner Expertise im Bereich der Nutzbarmachung und Visualisierung von Geodaten zur Siedlungs- und Freiraumentwicklung künftig in die Konsortien KonsortSWD und NFDI4BioDiversity einbringen.

KonsortSWD ist das Konsortium für die Sozial-, Bildungs-, Verhaltens- und Wirtschafts­wissenschaften. Es baut auf einem wachsenden Netzwerk von Forschungsdatenzentren (FDZ) auf. KonsortSWD knüpft direkt an die wichtigen Arbeiten des Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) an und wird im Rahmen der NFDI gemeinsam mit dem RatSWD entsprechende Dienste entwickeln und weiter ausbauen.

Erst im Mai war der Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung des IÖR (IÖR-Monitor) durch den RatSWD als Forschungsdatenzentrum akkreditiert worden (IÖR-Mitteilung vom 11.06.2020). Der IÖR-Monitor informiert mit einer Vielzahl an Indikatoren zur Flächenentwicklung in Deutschland. Er bietet einen Zugang zu kleinräumigen Geodaten, etwa zur Wohnumfeldsituation, zur Siedlungsdichte oder zur Grünerreichbarkeit in Städten. Mit diesen Informationen lassen sich sozialwissenschaftliche Datensätze anreichern und weitergehende Erkenntnisse gewinnen. Unter anderem an dieser Schnittstelle wird sich das IÖR künftig am KonsortSWD beteiligen.

Auch in das Konsortium NFDI4BioDiversity – Biodiversität, Ökologie und Umweltdaten wird sich das IÖR mit den Datenbeständen aus dem IÖR-Monitor einbringen. Denn Informationen zu Flächennutzung, Landschaftswandel und -zerschneidung und weitere Indikatoren lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung von Ökosystemen zu. Das Konsortium betont, dass es beim Thema Biodiversität keineswegs ausschließlich um die Vielfalt der Arten geht. Biodiversität umfasst vielmehr auch die genetische Vielfalt, die funktionelle Vielfalt sowie die Interaktionen und die Vielfalt ganzer Ökosysteme. Der Zugang zu umfangreichen, qualitätsgesicherten Forschungsdaten sei aber gerade vor dem Hintergrund des Artensterbens entscheidend für anstehende Entscheidungen in Politik und Gesellschaft.

KonsortSWD und NFDI4BioDiversity gehören zu neun aus 22 antragsstellenden Konsortien, die in der ersten Antragsrunde erfolgreich waren. Die Auswahl der Konsortien erfolgte auf Grundlage einer Förderempfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach einem mehrstufigen wissenschaftsgeleiteten Prozess, in den auch zahlreiche internationale Gutachterinnen und Gutachter einbezogen waren. Im Herbst werden die Konsortien ihre Arbeit aufnehmen. Pro Konsortium sind jährliche Fördersummen zwischen zwei und fünf Millionen Euro vorgesehen.

Hintergrund Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

Die NFDI soll die heute oft dezentral, projektförmig und temporär gelagerten Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschließen. Sie wird von Nutzerinnen und Nutzern von Forschungsdaten und von Infrastruktureinrichtungen ausgestaltet, die dazu in und zwischen Konsortien zusammenarbeiten. Die NFDI soll Standards im Datenmanagement setzen und als digitaler, regional verteilter und vernetzter Wissensspeicher Forschungsdaten nachhaltig sichern und nutzbar machen.

Für Aufbau und Förderung der NFDI werden Bund und Länder vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch ihre gesetzgebenden Körperschaften von 2019 bis 2028 jährlich bis zu 90 Millionen Euro im Endausbau bereitstellen; hiervon bringt der Bund 90 Prozent auf, zehn Prozent der Kosten tragen die Länder. Insgesamt sind drei Bewilligungsrunden vorgesehen.

Weitere Informationen zur NFDI

Weitere Informationen zum Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor)