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12.05.2020

Kulturtourismus als geeignete Strategie im Strukturwandel? – IÖR erforscht Potenziale in der Lausitz

Zusammen mit 14 internationalen Partnern wird das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in den nächsten drei Jahren einen neuen Ansatz für das Verständnis des Kulturtourismus in Europa etablieren. Benachteiligte Gebiete sollen so in ihrer Entwicklung gefördert werden. Unter Leitung der Mendel-Universität Brno forscht das IÖR im EU-Projekt SPOT zu neuen Formen des Kulturtourismus. Ziel ist es, Strategien zu entwickeln, die es der Bevölkerung ermöglichen, von wertvollen Kulturgütern vor Ort mehr als bisher zu profitieren.


Fließ (Flüsschen) im Spreewald mit Brücke und typischen Spreewaldkähnen, Menschen am Ufer, Fahrräder und Ausflugslokal

Der Spreewald ist touristisch bereits gut erschlossen, andere Teile der Lausitz sind noch mitten im Strukturwandel. (Foto: P. Wirth/IÖR-Media)

Der Kulturtourismus ist im Wandel begriffen. Das zeigen Trends wie Agro- oder Filmtourismus. Den ersten kennzeichnet der Wunsch der Reisenden, im Urlaub auf Bauernhöfen, Almwiesen oder Weingütern mitzuarbeiten. Beim zweiten führen die Reisen zu Originalschauplätzen von Fernsehserien oder Filmen. Kultur erleben, anstatt sie nur anzuschauen, lautet das Motto dieser neuen Reisetrends. Für ärmere und ländliche Regionen in Europa bergen sie ein großes Potenzial. Sie bieten die Möglichkeit, diese Gebiete durch wirtschaftliche und soziale Entwicklungen wiederzubeleben und zugleich die Kultur und Landschaft vor Ort zu schützen.

Doch wie lassen sich diese Entwicklungen ganz konkret in ausgewählten europäischen Regionen anstoßen? Wie können neue Formen des Kulturtourismus auch abseits von Metropolen für ein wirtschaftliches Auskommen der Bevölkerung und mehr sozialen Zusammenhalt sorgen? Wie können sie zum Schutz wichtiger Kulturgüter beitragen und zudem die Herausbildung einer neuen europäischen Identität unterstützen? Diesen und weiteren Fragen geht das Forschungsprojekt SPOT (Soziale und innovative Plattform zum Kultur-Tourismus und seiner Potenziale zur Vertiefung der europäischen Annäherung) nach. Es wird drei Jahre lang durch das EU-Programm Horizon2020 gefördert.

Plattform mit Ideen für Kulturtourismus

Ländliche Räume machen 85 Prozent des europäischen Territoriums aus. Doch immer mehr Menschen zieht es in die Städte und Metropolen Europas. Umso wichtiger ist es, dass ländliche Regionen Impulse für ihre Entwicklung erhalten. Ein besonderes Potenzial wird dabei dem kulturellen Erbe und den Kulturlandschaften Europas zugeschrieben. "Kulturlandschaft" ist dabei ein weit gefasster Begriff. Er schließt historisch gewachsene Städte und Dörfer, das kulturhistorische Erbe, Traditionen und Bräuche, das Handwerk und die Arbeit der Menschen genauso ein wie die offene Landschaft mit den Zeugnissen jahrhundertealter Landbewirtschaftung sowie bestimmte Erlebnisorte und ihre Bedeutungen. Dies zu schützen und wirtschaftlich in Wert zu setzen, kann helfen, ländliche Regionen zu stärken und den Menschen vor Ort neue Perspektiven zu eröffnen. Wie sich dies konkret umsetzen lässt, das erforschen die Wissenschaftler im EU-Projekt SPOT. Gemeinsam mit Akteuren vor Ort in 15 verschiedenen Regionen Europas suchen sie nach neuen Wegen im Kulturtourismus und zur Förderung benachteiligter Gebiete. Ziel ist es, eine Plattform zu gründen, die Akteure unterschiedlicher Handlungsfelder und -ebenen verbindet. Von den 15 Fallbeispielen sollen später auch andere Regionen lernen können.

Fallbeispiel Deutschland: Niederlausitz und Spreewald

Das Team des IÖR wird ein Fallbeispiel in der Lausitz bearbeiten. Das Untersuchungsgebiet südlich von Berlin umfasst die Lieberoser Heide, den Schwielochsee und Teile des Biosphärenreservates Spreewald. Während der Spreewald touristisch bereits gut erschlossen ist, befinden sich andere Teile der Lausitz mitten in einem Transformationsprozess. Mit der Lieberoser Heide wartet ein trockenes und waldreiches ehemaliges Truppenübungsgelände auf seine Umnutzung. Das Gebiet ist einzigartige Kulturlandschaft und Heimat einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt gleichermaßen. Wie lassen sich diese Naturschätze in Verbindung mit der militärischen Nutzungsgeschichte bewahren? Wie lassen sie sich für eine nachhaltige Regionalentwicklung nutzen? Welche neuen wirtschaftlichen Wege können umliegende Kommunen gehen? Auf diese Fragen sucht das Team des IÖR gemeinsam mit Akteuren vor Ort Antworten. Ideen und Strategien, die dabei entstehen, fließen in die Projekt-Plattform ein.

Hintergrund

Das Projekt SPOT wird im Rahmen des EU-Förderprogrammes Horizon 2020 durchgeführt. Im Zeitraum 2020-2022 werden in einem großen Konsortium Fallstudien aus 15 europäischen Regionen untersucht. Partnerländer sind neben Deutschland Estland, Griechenland, Großbritannien, Israel, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik und Ungarn.

Weitere Informationen zum Projekt auf der englischsprachigen Projekt-Website

Kontakt im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung
Dr. Peter Wirth

Dr. Ralf-Uwe Syrbe