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13.03.2020

Baulandumfrage 2020 – Wo lässt sich flächenschonend bauen?

Eine nachhaltige Siedlungsentwicklung braucht Informationen zu vorhandenen Flächenreserven, die sich für eine Bebauung gut eignen und schnell aktivierbar sind. Im Projekt "Baulandumfrage 2020" tragen IÖR und IW Köln diese Grundlagendaten zusammen und suchen nach zukunftsweisenden Ideen der Kommunen.


Wie viele solcher Brachen und Baulücken in deutschen Städten gibt es? Die Baulandumfrage 2020 sucht Antwort auf diese und andere Fragen. (Foto: H. Hensel/IÖR-Media)

Beim Thema flächenschonende Siedlungsentwicklung stehen sich zwei scheinbar unvereinbare Positionen gegenüber. Einerseits sollen natürliche Böden besser geschützt, weniger Flächen neu überbaut und versiegelt werden. Auf der anderen Seite wird vielerorts der Ruf nach zusätzlichem Bauland laut. Insbesondere in Kommunen, die schnell wachsen, muss zügig neuer Wohnraum entstehen. Wie ist eine nachhaltige Siedlungsentwicklung in diesem Zusammenspiel unterschiedlicher Anforderungen möglich?

Eine wichtige Voraussetzung wären aktuelle und flächendeckende Informationen zu Innenentwicklungspotenzialen und Baulandreserven der Städte und Gemeinden. Diese Informationen fehlen im Moment allerdings weitgehend. Die jüngsten bundesweiten Erhebungen zum Thema Bauland stammen aus den Jahren 2003 und 2006. Die letzte Erhebung von Innenentwicklungspotenzialen, also von Baulücken und Brachen in den Innenbereichen von Städten, hat das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) 2012 für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) durchgeführt.

Aktuelle Daten erheben – innovative Ansätze aufspüren

Hier setzt das neue Projekt "Baulandumfrage 2020", ebenfalls im Auftrag des BBSR, an. Das IÖR erarbeitet in dem Projekt gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln die für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und Wohnraumversorgung dringend erforderlichen Datengrundlagen. Um herauszufinden, welche Flächen-Reserven und -Potenziale für den Wohnungsbau, für Gewerberäume oder andere Nutzungen zur Verfügung stehen, wird das Projektteam eine Umfrage unter rund 3.000 ausgewählten Städten und Gemeinden durchführen. Die Ergebnisse der Online-Befragung dienen als Grundlage für bundesweite sowie regionalisierte Hochrechnungen.

Das Projektteam untersucht darüber hinaus, ob und wie die Kommunen selbst ihre Flächenpotenziale erheben und verwalten. Welche Potenziale, etwa an Brachflächen, Baulücken oder Gebäudeleerstand, erheben die Kommunen? Welche Instrumente nutzen sie dafür? Welche Ansätze verfolgen sie zur Aktivierung der Flächen?

"Das Wissen um vorhandene Flächenpotenziale ist das eine. Eine ganz andere Frage ist, ob die theoretisch vorhandenen Baulandpotenziale auch in der Realität für eine Nutzung geeignet und aktivierbar sind“", erläutert Andres Blum, Projektleiter im IÖR. "Welche Ansätze verfolgen Kommunen, wenn Eigentümer solcher Flächen zwar bekannt sind, aber nicht planen, ihre Grundstücke zu verwerten? Was kann man tun, um Flächen in schwierigen Lagen oder mit Belastungen für eine Nutzung zu mobilisieren? Um diese Fragen zu klären, werden wir in ausgewählten Kommunen und in enger Kooperation mit lokalen Akteuren vor Ort Fallstudien durchführen. Unser Ziel ist es, innovative und wegweisende Ansätze aufzuspüren und diesen Erfahrungsschatz auch anderen Kommunen zugänglich zu machen", erklärt Andreas Blum.

Zusätzlich zu den Beispielen aus den Fallstudien wird das Projektteam zu weiteren Erfahrungen recherchieren – auf kommunaler, regionaler und Bundesebene ebenso wie international. Am Ende sollen neben belastbaren Zahlen zu Baulandreserven in Deutschland auch viele gute Beispiele dafür vorliegen, wie Kommunen diese Daten selbst erheben und wie sie potenzielle Flächen für Wohnungsbau und andere Nutzungen gut mobilisieren und damit Naturflächen schonen können.

Kontakt im IÖR
Andreas Blum (Projektleitung), E-Mail: A.Blum[im]ioer.de


Hintergrund

Das Projekt "Baulandumfrage 2020 – Bundesweit repräsentative Stichprobe zu Bauland- und Innenentwicklungspotenzialen" wird vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert. Projektpartner sind das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Laufzeit des Projektes: Dezember 2019 bis August 2021.

Das Projekt knüpft an frühere Untersuchungen des IÖR für das BBSR an. Im Projekt „Innenentwicklungspotenziale – Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme“ hatte das IÖR die potenziell vorhandenen Baulücken, Brachen und andere für eine schonende Siedlungsentwicklung geeignete Flächen in Deutschland erhoben. Darüber hinaus wurden auch Möglichkeiten einer automatisierten Abschätzung untersucht. Die Ergebnisse dieses Projektes sind nachzulesen in folgender Publikation:

Schiller, Georg; Blum, Andreas; Hecht, Robert; Meinel, Gotthard; Oertel, Holger; Ferber, Uwe; Petermann, Eric: Innenentwicklungspotenziale in Deutschland - Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage und Möglichkeiten einer automatisierten Abschätzung. Bonn: BBSR, 2014.

Weitere Informationen zum abgeschlossenen Projekt und Zugang zur Publikation

Ausführliche Informationen zum aktuellen Projekt "Baulandumfrage 2020" auf der Internetseite des BBSR