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06.12.2019

Meeresnaturschutz und Raumplanung – die MSP-Projekte im IÖR

Seit 14 Jahren beschäftigt sich das IÖR mit der Meeresraumplanung (Marine Spatial Planning/MSP). Wie lässt sich der Meeresnaturschutz in Raumordnungsprozesse integrieren, ist dabei eine wichtige Frage. Antworten sucht das IÖR gemeinsam mit Partnern auf nationaler und internationaler Ebene.


Meer mit Buhnen und Himmel

(Foto: H. Hensel/IÖR-Media)

Nicht erst, seitdem die Meere weltweit zunehmend für die Gewinnung von Windenergie in Offshore-Windparks genutzt werden, stellt sich die Frage, wie sich Nutzung und Schutz des Meeresraumes miteinander vereinbaren lassen. Seit 2005 forscht das IÖR im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit Partnern wie dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zu dieser Frage.

Schnell wurde dabei deutlich, dass der Schutz der Meere mehr erfordert, als die für terrestrische Gebiete bestehenden Raumordnungssysteme auf marine Lebensräume auszudehnen. "Die Eigenschaften des Meeres und die Tatsache, dass es sich um ein sehr sensibles Ökosystem handelt, muss bei den Schutzmaßnahmen in besonderer Weise berücksichtigt werden", erläutert Prof. Dr. Gerold Janssen, der im IÖR die Forschung zur Meeresraumplanung leitet.

"Es gibt inzwischen eine Vielzahl an internationalen, europäischen und nationalen rechtlichen Vorgaben zum Schutz der Meere, zum Beispiel die EU-Richtlinie zur maritimen Raumplanung oder Meeresraumordnungspläne des Bundes und der deutschen Küstenbundesländer", berichtet der Jurist. Doch die Zusammenführung dieser unterschiedlichen Vorgaben zu einer wirklich integrierten Meerespolitik sei nach wie vor eine Herausforderung. Noch immer werde die Meeresumwelt nicht ausreichend geschützt, so die Ansicht des Experten. Deshalb forscht das IÖR auch im aktuellen Projekt MSP-TRANS weiter zu diesem Thema.

Empfehlungen für den länderübergreifenden Meeresschutz

Im dem Projekt arbeiten IÖR und IOW an Empfehlungen, wie sich eine transnationale Raumordnung für den Meeresschutz etablieren lässt. Dabei fließen raumplanerische Fragen ebenso ein wie naturschutzfachliche und -rechtliche Belange. Das Projekt-Team untersucht zudem, wie sich der Ökosystemansatz besser in Planungsverfahren der Meeresraumordnung integrieren ließe. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Ökosysteme nur sinnvoll verwaltet werden können, wenn man sie als Ganzes betrachtet und schützt.

Die Empfehlungen des Projektes beziehen sich vor allem auf die Küstengewässer der Nord- und Ostsee sowie die Meeresgewässer der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die sich bis maximal 200 Seemeilen vor der deutschen Küstenlinie erstreckt. Ergebnisse des Projektes sollen aber auch in die internationale Diskussion zur marinen Raumordnung eingebracht werden. "Ein umfassender Schutz der Meeresnatur wird nur dann gelingen, wenn verschiedene Anrainerstaaten mariner Räume zusammenwirken", erläutert Gerold Janssen. "Unsere Erkenntnisse sollen deshalb auf internationaler Ebene zu einer besseren Zusammenarbeit beitragen und dabei helfen, ökosystembasierte Raumordnungspläne verschiedener Staaten zu harmonisieren." Ihre Erkenntnisse wollen die Forschenden deshalb bei einer internationalen Tagung präsentieren.

Termin vormerken

Vom 28. bis 30. April 2020 laden das IÖR, das IOW und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zur internationalen Konferenz "MSP NATURE 2020" nach Berlin ein. Nicht nur die Ergebnisse der unterschiedlichen gemeinsamen Projekte zum Meeresschutz sollen in Berlin präsentiert werden. Die "MSP NATURE 2020" soll Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Planungspraxis darüber hinaus eine Plattform zum Austausch und zum Vernetzen bieten.

Weitere Informationen zum aktuellen Projekt MSP-TRANS

Weitere Informationen zur Konferenz "MSP NATURE 2020" demnächst hier 

Kontakt im IÖR
Prof. Dr. jur. Gerold Janssen, E-Mail: G.Janssen[im]ioer.de