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06.12.2019

Projekterfolg: Bund fördert Haushebung in Brockwitz

Im Elbedorf Brockwitz kann ab 2020 eine neue Art der Hochwasservorsorge umgesetzt werden. Gemeinsam mit Partnern hat das IÖR in einer Machbarkeitsstudie die Alternative Haushebung im Vergleich zu einem Deichbau untersucht. Auf der Grundlage der Ergebnisse hat der Deutsche Bundestag nun Gelder für die Umsetzung des Modellvorhabens bewilligt.


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Kann die Anhebung von Häusern ein alternativer Weg für den Hochwasserschutz und für die nachhaltige Ortsenwicklung des Coswiger Ortsteils Brockwitz sein? Dieser Frage gingen das IÖR und Forschungspartner aus Nürnberg, Detmold und Dresden seit Mai 2017 im Modellvorhaben "HUeBro - Haushebung in Überschwemmungsgebieten am Beispiel des Elbe-Dorfes Brockwitz" nach.

Allein in den 2000er Jahren versank die tiefer gelegene Seite von Brockwitz schon dreimal in den Fluten der nahe gelegenen Elbe: 2002, 2006 und zuletzt 2013. Der Flutschutz durch einen Deich ist durch einen erheblichen Eingriff in die Kulturlandschaft und in das historische Ortsbild gekennzeichnet, sodass die Baumaßnahme nicht unumstritten ist. Deshalb wurde die Hebung der betroffenen Häuser als alternative Hochwasservorsorge geprüft.

Das IÖR nahm bei der Machbarkeitsstudie zwei unterschiedliche Aspekte in den Blick. Zum einen war es für die Gebäudeanalyse und die Folgenbewertung verantwortlich. Auf der Grundlage von Informationen wie Baualter, Beschaffenheit und Nutzung der Häuser haben die Wissenschaftler die Höhe potenzieller Flutschäden für den Ist-Zustand und für unterschiedliche Planungsvarianten der Haushebung ermittelt.

Ein anderes Team im IÖR untersuchte das Umfeld der Gebäude. Denn auch das umliegende Gelände muss im Zuge der Haushebungen aufgeschüttet werden, soll aber zum Schluss wieder ein stimmiges Ortsbild ergeben. Das IÖR ermittelte, welche Biotope, Tier- und Pflanzenarten es vor Ort gibt und welche Folgen die Eingriffe haben werden. Ziel ist es, im Zuge der Anhebung von Häusern und Gelände die Biotop- und Artenvielfalt zu erhalten oder sogar zu verbessern.

Insgesamt kamen die beteiligten Forschungspartner zu dem Ergebnis, dass die Haushebung in Brockwitz nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich darstellbar ist. Darüber hinaus zeigen die Analysen positive Effekte für das Ortsbild, die Ortsentwicklung sowie für die Natur und Landschaft. Aufgrund des positiven Gesamtergebnisses wurde nun beschlossen, nach der Machbarkeitsstudie auch die Projektumsetzung aus dem Bundeshaushalt zu fördern.

Der Bund bewilligte für die geplanten Haushebungen in Brockwitz insgesamt bis zu 10 Millionen Euro. Die Gelder sollen ab 2020 verteilt über sechs Jahre zur Verfügung gestellt werden. Das hat der Deutsche Bundestag mit der Verabschiedung des Bundeshaushaltes 2020 am 29. November 2019 beschlossen.

An der Machbarkeitsstudie waren die folgenden wissenschaftlichen Partner beteiligt:

  • die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm mit dem Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (Projektleitung),
  • die Technische Universität Dresden mit dem Institut für Hydrologie und Meteorologie und dem Institut für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege sowie
  • die Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Weitere Informationen zum Projekt 

Kontakt im IÖR
Dr. Marco Neubert, E-Mail: M.Neubert[im]ioer.de