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05.12.2019

Wie lassen sich Naturkapital und Ökosysteme besser schützen? – Internationale Konferenz sucht nach Lösungen für Russland

Um Ökosysteme, ihre Leistungen für den Menschen und die biologische Vielfalt besser zu erhalten und auch nutzen zu können, wäre es wichtig, in Russland ein Monitoring- und Bewertungssystem einzuführen. Das ist eine der Schlussfolgerungen einer internationalen Konferenz, die im November in Moskau stattfand. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) hatte gemeinsam mit dem Biodiversity Conservation Center (BCC) in Moskau zu der Veranstaltung eingeladen.


im Veranstaltungssaal, Blick über Teilnehmende nach vorn auf Sprecher (stehend) und seinem Nachbar (sitzend), im Hintergrund ist eine Präsentationsfolie

Karsten Grunewald vom IÖR und Alexey Zimenko vom BCC begrüßen die Gäste der Konferenz in Moskau. (Foto: BCC Moscow)

Die Konferenz befasste sich mit den Themen Naturkapital, Ökosystemleistungen und Biodiversität. Sie wurde unterstützt durch das deutsche Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das russische Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt (MNR). Im Mittelpunkt des ersten Tages standen allgemeine Themen, etwa ökologische Transformationsprozesse, die Bewertung von Ökosystemleistungen und biologischer Vielfalt oder Möglichkeiten, biophysikalische und ökonomische Ökosystemleistungen in Russland, Deutschland und international zu nutzen. Auch mit Governance-Aspekten, also der Frage, wie diese Bewertungen in die Politik und das Management von Land- und Ressourcennutzung integriert werden können, befassten sich die rund 70 Teilnehmenden der Konferenz. Der zweite Tag konzentrierte sich auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts TEEB-Russia-2. Unter der Leitung von Dr. Karsten Grunewald vom IÖR beschäftigt sich das Projekt mit der Erfassung und Bewertung von biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen in Russland. Es untersucht sowohl nationale Fragestellungen, nimmt aber auch die internationale Perspektive in den Blick.

Zu den Teilnehmenden der Konferenz zählten Expertinnen und Experten von wissenschaftlichen Einrichtungen ebenso wie von öffentlichen Organisationen aus Russland, Deutschland, Weißrussland und anderen europäischen Ländern. Die Teilnehmenden präsentierten mehr als 40 Berichte zu verschiedenen aktuellen Fragen der Erhaltung von Ökosystemfunktionen und der Berücksichtigung von Ökosystemleistungen bei der Entscheidungsfindung. Vorträge wurden auch von Vertretern des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Umwelt der Russischen Föderation, des Bundesamtes für Naturschutz, der Europäischen Umweltagentur (EEA), des UNEP TEEB Office und anderer internationaler Institutionen gehalten.

Die Konferenzteilnehmenden kamen auf der Grundlage der Ergebnisse ihrer Arbeit zu folgenden Schlussfolgerungen:

Ökosysteme und Ökosystemleistungen sind der Schlüssel zum Wohlergehen der Bevölkerung und zur nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft der Regionen Russlands. Derzeit gibt es jedoch in Russland einen unausgewogenen Ansatz für die Bewertung und Nutzung von Ökosystemleistungen. Vorrangig werden diejenigen Naturgüter betrachtet, die einen unmittelbaren und direkten Gewinn bringen, etwa die nicht nachhaltige Nutzung von Waldressourcen oder Erholungsleistungen von Naturschutzgebieten, die immer mehr Profit abwerfen sollen. Das Geldverdienen auf Kosten der Natur zerstöre aber Ökosysteme und die biologische Vielfalt und untergrabe die künftigen Möglichkeiten, Ökosystemleistungen zu erbringen, darin waren sich die Teilnehmenden der Konferenz einig. Auch der Erhalt der Umwelt in einem guten Zustand und die nachhaltige Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaft mit natürlichen biologischen Ressourcen werden damit erschwert.

Wichtiger Impuls für den Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt könnte daher die Etablierung eines Monitoring- und Bewertungssystems in Russland sein. Dieses würde helfen, Ökosysteme und ihre Leistungen zu erhalten und nachhaltiger zu nutzen. Die Berichte der Konferenzteilnehmenden zeigten, dass Russland über das wissenschaftliche Potenzial verfügt, um mit solchen Arbeiten zu beginnen.

Das TEEB-Russia-Projekt stellt mit seinen Ergebnissen wichtige methodische Ansätze zur Verfügung und ermöglicht so die weitere Diskussion der Themen in Russland. So könnte etwa die Einrichtung von Ökosystem-Konten (Ecosystem-Account) im Rahmen des Systems der umweltökonomischen Gesamtrechnung der Vereinten Nationen (System of Environmental-Economic Accounting, SEEA) ein Schritt zum besseren Schutz von Ökosystemleistungen darstellen. "Aktuell ist dieser Prozess auch in Deutschland und anderen Ländern noch in einem Experimentierstadium", erläutert Dr. Karsten Grunewald vom IÖR. "Der weitere internationale Austausch und das Lernen voneinander sind enorm wichtig. Mit unserer Konferenz haben wir dazu hoffentlich ein Stück weit beigetragen."

Weitere Informationen:

Pressemitteilung des Organisationskomitees der Konferenz in Moskau (Englisch)

Policy Brief "Die übersehenen Werte der Natur - Ökosystemleistungen in der wirtschaftlichen Berichterstattung Deutschlands"

Kontakt im IÖR
Dr. Karsten Grunewald, E-Mail: K.Grunewald[im]ioer.de