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11.09.2019

Wenn auf Stadtumbau Zuwanderung folgt

Ehemalige Quartiere des Stadtumbaus Ost erleben aktuell vielerorts eine steigende Nachfrage. Viele Geflüchtete suchen in ihnen eine neue Heimat. Wie lassen sich die Stadtteile unter diesen neuen Rahmenbedingungen nachhaltig entwickeln? Dieser Frage geht das Projekt "Vom Stadtumbauschwerpunkt zum Einwanderungsquartier (StadtumMig)" nach.


Plattenwohnhaus im Hintergrund, weitläufige Wiese davor

(Foto: S. Rößler/IÖR-Media)

Nahezu alle ostdeutschen Kommunen haben im Rahmen des Förderprogrammes Stadtumbau Ost seit 2002 einen erheblichen Rückbau erlebt. Die Herausforderung bestand darin, den Wohnungsbestand und Infrastrukturen an zurückgehende Bevölkerungszahlen anzupassen. Dies betraf vor allem Quartiere an den Rändern vieler ostdeutscher Städte. Mit diesen Anpassungen ist auch die Frage zur Zukunft dieser Stadtteile verbunden. Bisher war ungewiss, wie sich die Quartiere weiter entwickeln werden. Angesichts der aktuellen Zuwanderung von Geflüchteten ändert sich diese Situation, es entstehen neue Entwicklungsperspektiven für die Wohngebiete.

In den Stadtteilen wächst nicht nur die Bevölkerung insgesamt. Auch der Anteil von Migrantinnen und Migranten steigt in vergleichsweise kurzer Zeit. Ein Mehr an Wohnraum, Infrastrukturen und Freiraumangeboten wird ebenso erforderlich wie Möglichkeiten für die neuen Bewohnerinnen und Bewohner, sich zu integrieren und zu beteiligen. Parallel soll die Stadtentwicklung auch in diesen Quartieren ökologische Aspekte berücksichtigen wie Klimaschutz und Klimaanpassung, Ressourceneffizienz, die Förderung der biologischen Vielfalt oder Fragen der Umweltgerechtigkeit. Für die Kommunen ergeben sich damit besondere Herausforderungen bei der Entwicklung der ehemaligen Stadtumbauquartiere.

Wie diese besonderen Anforderungen zu bewältigen sind, untersucht das Projekt "Vom Stadtumbauschwerpunkt zum Einwanderungsquartier (StadtumMig)". Die Projektpartner aus Wissenschaft und Praxis gehen nicht nur der Frage nach, welche Potenziale und Anforderungen sich konkret für die ehemaligen Stadtumbaustandorte im Wandel zu Einwanderungsquartieren ergeben. Sie untersuchen zudem, wie sich die anstehenden Prozesse der Stadtentwicklung nachhaltig gestalten lassen.

Quartiere in Cottbus, Halle (Saale) und in Schwerin dienen als Fallbeispiele. Hier werden städtebauliche und freiraumplanerische Situationsanalysen vorgenommen, sind Befragungen und die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner geplant. Ziel ist es, neben spezifischen Handlungsempfehlungen für die ausgewählten Quartiere auch übertragbare Lösungsansätze für vergleichbare Standorte zu entwickeln. Es geht einerseits um anschlussfähige Strategien für die Integration von Geflüchteten auf der Ebene der Wohnquartiere und andererseits um Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Hintergrund
Projekttitel: Vom Stadtumbauschwerpunkt zum Einwanderungsquartier? - Neue Perspektiven für periphere Großwohnsiedlungen (StadtumMig)
Laufzeit: Mai 2019 bis April 2022
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Vorhaben der "Leitinitiative Zukunftsstadt"
Projektpartner: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) (Projektleitung) in Erkner, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden, Brandenburgische Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (B.B.S.M.) in Potsdam, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität zu Berlin, Landeshauptstadt Schwerin
Weitere Praxispartner: Stadt Cottbus, Stadt Halle/Saale

Weitere Informationen zum Projekt

Kontakt im IÖR
Dr. Stefanie Rößler, Telefon: (0351) 46 79-268, E-Mail: S.Roessler[im]ioer.de