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10.09.2019

Raumforschung für die ökologische Zeitenwende – Feierliche Amtseinführung von Professor Marc Wolfram

Seit 1. Juli 2019 hat das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden mit Prof. Dr. Marc Wolfram einen neuen Direktor. Er übernimmt zugleich auch die Professur für Raumentwicklung an der Technischen Universität Dresden. Die feierliche Amtseinführung fand am 5. September im Zentralwerk Dresden-Pieschen statt.


Blick von oben auf den Veranstaltungssaal mit Teilnehmenden

(Foto: A. Pohl/IÖR-Media)

Die Bedeutung der Kategorie Raum in den Nachhaltigkeitswissenschaften muss deutlich gestärkt werden. Mit diesem Fazit beendete Prof. Dr. Marc Wolfram am 5. September seinen Vortrag im Rahmen seiner feierlichen Amtseinführung und zeigte damit auch die künftige Ausrichtung der Forschung des Leibniz-Institutes für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Arbeiten an der Professur für Raumentwicklung der Technischen Universität Dresden (TUD) auf.

Rund 180 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung waren in das Zentralwerk Dresden-Pieschen gekommen. Der ungewohnte Veranstaltungsort war dabei mit Bedacht gewählt: "Das Zentralwerk in Dresden-Pieschen ist ein Ort des Wandels. Das ehemalige Industrieareal verbindet heute selbstbestimmtes Wohnen, Arbeiten, Kunst und Kultur, vermittelt zwischen Lebenswelten und wirkt dabei weit in die Stadtgesellschaft hinein. Solche Orte brauchen wir, wenn wir die große Transformation hin zur Nachhaltigkeit voranbringen wollen", erläuterte Marc Wolfram in seiner Antrittsrede.

Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange verwies in ihrem Grußwort auf die lange Tradition, die das Thema Nachhaltigkeit in Sachsen bereits hat. Auch der Freistaat verfolge das Thema mit seiner im Jahr 2013 verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie. "Wir befinden uns mitten in Transformationsprozessen und es ist gut, dass wir mit dem IÖR ein Leibniz-Institut in Sachsen haben, das unter der Leitung von Professor Wolfram Fragen der nachhaltigen Entwicklung nun noch stärker in den Fokus rücken wird", so die Ministerin. 

In diesem Sinne sei das IÖR auch für das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) und seine nachgeordneten Fachbehörden ein ausgesprochen wichtiger Partner, so Dr. Oliver Weigel, Referatsleiter im BMI. Er freue sich vor allem, dass mit den internationalen Erfahrungen von Professor Marc Wolfram im ostasiatischen Raum auch der internationale Blick auf Fragen der Stadtentwicklung noch erweitert werde.

Dass Marc Wolfram nach einer intensiven Zeit im Ausland, nun die Leitung eines Leibniz-Institutes übernimmt, freut auch Dr. Bettina Böhm, die Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft. Sie betonte in ihrem Grußwort darüber hinaus, wie wichtig es sei, drängende aktuelle Forschungsfragen integriert zu betrachten und im Rahmen interdisziplinärer Kooperationen anzugehen – eine Form des wissenschaftlichen Arbeitens, die die Leibniz-Gemeinschaft ausdrücklich unterstütze und auch strukturell fördere. "Es wird eine wichtige Aufgabe für Professor Wolfram sein, Brücken zwischen Disziplinen und zwischen der Wissenschaft und Gesellschaft zu bauen. Ich bin mir sicher, dass er diese Aufgabe gut bewältigen wird", so Dr. Bettina Böhm.

Zwischen dem IÖR und der Technischen Universität Dresden (TUD) bestehen diese Brücken bereits. Seit 1998 gibt es einen Kooperationsvertrag, das IÖR ist Mitglied in der Forschungsallianz DRESDEN-concept, fünf gemeinsame Berufungen verbinden beide Einrichtungen miteinander. Es wird in gemeinsamen Projekten geforscht, darüber hinaus betreiben IÖR und TUD seit 2008 gemeinsam die internationale Graduiertenschule Dresden Leibniz Graduate School (DLGS) und seit 2014 das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) in Görlitz. Mit Fragen der Anpassung an den Klimawandel, der demografischen Entwicklung und mit Kooperationen im Bereich Data Science werde bereits viel Gemeinsames angegangen, so Professor Hans Müller-Steinhagen, der Rektor der TUD. "Es wird auch in Zukunft nicht an gemeinsamen Themen, Aufgaben und Herausforderungen fehlen. Ich würde mich freuen, wenn Sie, Professor Wolfram, viele neue Dinge, raumbezogene Fragen und richtungsweisende Entwicklung anstoßen", so der Rektor der TUD.

In seinem Antrittsvortrag "Raumforschung für die ökologische Zeitenwende. Neue Wege zu transformativem Handeln – vom Quartier zur globalen Biosphäre" legte Prof. Marc Wolfram zunächst dar, weshalb Raumforschung sich intensiv mit Nachhaltigkeits-Transformationen auseinandersetzen muss. Er ging außerdem der Frage nach, welche Rolle der Raum als analytische Kategorie in der aktuellen Transformationsforschung spielt. Dabei vermittelte er einen Überblick über das grundlegende Spektrum möglicher Ansätze und Fragestellungen für das Programm "raumbezogener Nachhaltigkeitswissenschaften". 

Zu berücksichtigen seien dabei unter anderem drei handlungsbezogene Aspekte von Nachhaltigkeits-Transformationen – Identität, Konflikt und Innovation. Die räumliche Konstitution dieser drei Aspekte beeinflusse die Gestaltung künftiger Entwicklungspfade maßgeblich und müsse daher auch in der Forschung zu Nachhaltigkeits-Transformationen unbedingt Beachtung finden. 

Mit Blick auf die Agenda 2030 und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ist für Marc Wolfram eines sicher: "Der Handlungsbedarf für die kommenden zehn Jahre ist gewaltig, das gilt auch für Deutschland." Die Stadt stellt dabei für den neuen Direktor des IÖR einen strategisch wichtigen räumlichen Ansatz dar. "Nicht nur mit Blick auf die Trends der Urbanisierung und das Nachhaltigkeitsziel Nummer 11 'Nachhaltige Städte und Siedlungen', sondern auch weil die Stadt mit allen anderen 16 Nachhaltigkeitszielen eng verzahnt ist." Zu beachten sei allerdings, dass auch andere Raumkategorien verstärkt mitbetrachtet werden müssen, insbesondere städtische Verflechtungsräume, Kleinstädte, ländliche Räume sowie Wirtschaftsregionen.

Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Raum eine entscheidende Rolle bei der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit spielt. Gemeinsam mit Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen, der Leiterin des Collective Leadership Institute in Potsdam, Dr. Petra Künkel, und dem Wissenschaftlichen Direktor des ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund, Prof. Dr. Stefan Siedentop, diskutierte Marc Wolfram verschiedene Fragen einer raumbezogenen Nachhaltigkeits-Transformation. "Langfristige Rahmensetzungen für experimentelles Handeln, maßstabsübergreifende Strategien sowie mehr Aufmerksamkeit für die Potenziale des ländlichen Raumes sind wichtige Anknüpfungspunkte – auch für die Arbeit des IÖR", so Professor Marc Wolfram zum Abschluss der Veranstaltung. Diese Fragen werden auch auf der IÖR-Jahrestagung im September 2020 aufgegriffen werden, die unter der Überschrift "Raum und Transformation" zu einer Diskussion mit Wissenschaft, Politik und Gesellschaft einladen wird, kündigte der neue Direktor des IÖR an. 

Vortrag zum Amtsantritt - gekürzte Fassung

Programm der Veranstaltung

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Prof. Dr. Marc Wolfram mit Gastrednerinnen/-rednern (v.l.): Dr. Bettina Böhm, Eva Jähnigen, Dr. Oliver Weigel, Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Prof. Dr. Marc Wolfram, Dr. Eva-Maria Stange, Dr. Petra Künkel) sowie bei der Podiumsdiskussion mit Prof. Stefan Siedentop (li.), Dr. Petra Künkel (M.) und Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen. (Fotos: H. Hensel & A. Pohl/IÖR-Media)