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04.03.2019

EU-Projekt MaGICLandscapes: Lokale Strategie durch Engagement vor Ort entwickeln

In neun Pilotregionen sucht das EU-Projekt MaGICLandscapes nach Wegen, die örtlichen Grünräume zu stärken. Akteurinnen und Akteure vor Ort sind zur Mitarbeit aufgerufen. In Workshops haben sie die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Projektteam Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die Grüne Infrastruktur vor ihrer Haustür aufzuwerten. Am 6. Februar veranstaltete das IÖR den dritten dieser Workshops im Dreiländereck Sachsen-Tschechien-Polen.


Ein Beitrag von Anke Hahn, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit beim Interreg Central Europe Projekt MaGICLandscapes

EU-PROJEKT MAGICLANDSCAPES ENTWICKELT STRATEGIEN FÜR 'GRÜNERE' LANDSCHAFTEN

Zunehmende Bodenversiegelung, ein dramatischer Verlust an Tier- und Pflanzenarten und nicht zuletzt der Klimawandel: Es ist höchste Zeit, Grün- und Wasserflächen – die so genannte grüne und blaue Infrastruktur – in Stadt und Land aufzuwerten und zu vernetzen. Denn diese Räume lassen dem Boden Luft zum Atmen, geben Tieren und Pflanzen Lebensraum und tragen entscheidend zum Klimaschutz bei. Deshalb untersucht die TU Dresden zusammen mit neun Partnern aus ganz Mitteleuropa den Bestand und die Funktionen grüner Infrastruktur, um darauf aufbauend Strategien für deren Erhalt und Aufwertung zu entwickeln.

Wie steht es um die grüne Infrastruktur im Dreiländereck?

Eine von neun Pilotregionen im Projekt MaGICLandscapes ist das Dreiländereck Sachsen-Tschechien-Polen. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) untersucht die grüne Infrastruktur in und um Zittau, Liberec und Bogatynia. Um lokal angepasste Strategien und Maßnahmen zur Aufwertung der hiesigen Grünräume entwickeln zu können, sind lokale Akteure zur Mitarbeit aufgerufen.

Nach Veranstaltungen in Zittau und Ostritz fand am 6. Februar 2019 in Kooperation mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt der dritte Workshop in Liberec statt. Akteure aus öffentlicher Verwaltung, Wissenschaft, Landschaftspflege und Naturschutz trafen sich im Kulturzentrum KultiVAR, um über die Vorteile der Grünräume für die Region zu sprechen.

Die TeilnehmerInnen überlegten, welche Leistungen grüne Infrastruktur anbietet und wie sich diese im Dreiländereck im kommenden Frühjahr am besten kartieren lassen. Dr. Henriette John, Wissenschaftlerin am IÖR, stellte eine Kartier-Methode vor, die sowohl Lebensraumeigenschaften, wie z.B. vorhandene Vegetation oder Art der Bewirtschaftung, als auch Erholungsfunktionen, wie z.B. Radwege oder Sitzbänke, berücksichtigt.

Lokales Wissen wichtig für Strategieentwicklung

Besonders bei der Planung grüner Infrastruktur, z.B. in Form eines Parks, ist die Beteiligung der Anwohner und zukünftigen Nutzer sehr wichtig. „Jedes Planungsvorhaben erfährt dadurch von Anfang an eine viel stärkere öffentliche Akzeptanz als ohne Beteiligung“, sagt Anke Hahn, Projektmitarbeiterin an der TU Dresden. Sie stellte im Rahmen des Workshops verschiedene Beteiligungsmethoden vor.

Die TeilnehmerInnen testeten danach eine der Methoden: Sie kartierten auf drei großformatigen Landkarten die ökonomischen, ökologischen und sozialen Vorteile Grüner Infrastruktur im Dreiländereck. Dabei kristallisierte sich der Tourismus als ein bedeutender Entwicklungsfaktor heraus. Attraktive Angebote für Fahrradfahrer und Wanderer seien zu schaffen, man solle aber auch aufpassen, dass es nicht zur Übernutzung geschützter Gebiete wie dem Zittauer oder Isergebirge kommt. Der Bereich Olbersdorfer See mit direkter Verbindung ins Gebirge sei bereits ein wichtiger Erholungsraum, der noch aktive Tagebau Turów auf polnischer Seite habe dafür langfristig Potenzial. Zur Aufwertung städtischer grüner Infrastruktur wurde die Anlage von Gemeinschaftsgärten diskutiert. Somit würden auch Treffpunkte und Räume für soziales Miteinander geschaffen. Die Anlage von 'essbaren' Gärten und Gehölzstreifen sei an Wald- und Feldrändern gut denkbar, auch um bestehende Erosionsgefahren zu reduzieren. Als einen wichtigen Ansatzpunkt für die Erhöhung der Biodiversität im Wald wurde die Umwandlung der monotonen Fichtenforste in Mischwälder mit heimischen Laub- und Nadelbaumarten genannt.

„Durch die Kartierung haben wir wertvolle Hinweise bekommen, wo die grüne Infrastruktur im Dreiländereck durch Versiegelung, invasive Arten etc. bedroht ist bzw. wo zusätzliche Grünräume und Gehölzstrukturen geschaffen werden könnten. Wir werden diese Punkte mit einbeziehen in die Entwicklung von konkreten Maßnahmen für die Aufwertung grüner Infrastruktur“, gibt sich Dr. Marco Neubert vom IÖR zufrieden.

Der nächste Workshop im Dreiländereck findet voraussichtlich im September 2019 statt. Bis zur Projekt-Abschlusskonferenz an der TU Dresden im Frühjahr 2020 wird es weitere Veranstaltungen und auch Schulungen geben.

Weitere Informationen zum Projekt: www.interreg-central.eu/MaGICLandscapes (Englisch)

Dieser Beitrag ist zuerst am 26. Februar 2019 im "Dresdner Universitätsjournal" Nr. 4/2019, Seite 3 erschienen.

Kontakt:

Anke Hahn, Interreg Central Europe Projekt MaGICLandscapes, Öffentlichkeitsarbeit
TU Dresden/Fachbereich Umweltwissenschaften/Professur Fernerkundung
Telefon: (0351) 463-3 28 12, E-Mail: anke.hahn@tu-dresden.de

Kontakt im IÖR:
Dr. Marco Neubert, Telefon: (0351) 46 79-274, E-Mail: M.Neubert[im]ioer.de
Dr. Henriette John, Telefon: (0351) 46 79-219, E-Mail: H.John[im]ioer.de

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Welche Leistungen erbringen Grünräume im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien? – Beim MaGICLandscape-Workshop in Liberec haben Akteurinnen und Akteure aus der Praxis gemeinsam nach Antworten gesucht. (Fotos: M. Neubert/IÖR-Media)