Sie befinden sich hier: Presse/
20.12.2018

Fachtagung "Mehr Natur in der Stadt - neue Ziele, neue Wege?"

Kommunikation, Beteiligung und Marketing als Bausteine einer gezielten Förderung von Stadtnatur und biologischer Vielfalt im urbanen Raum? Wie sich Lokalpolitik und Stadtbevölkerung für mehr Natur in der Stadt begeistern lassen, diskutierten im November mehr als 100 Teilnehmende einer Fachtagung in Heidelberg. Das Projekt "Urban NBS", das vom IÖR koordiniert wird, hatte dazu eingeladen.


Logo des Projektes

Stadtnatur ist wichtig - für den Erhalt der Artenvielfalt, im Umgang mit den Folgen des Klimawandels und als Erlebnisraum für Groß und Klein. In der Wissenschaft ist das bekannt, ebenso bei Fachverbänden und Fachverwaltung. Doch wie ist die lokale Politik, wie sind Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, dass Stadtnatur und biologische Vielfalt ihren Schutz und ihre Förderung benötigt?

In sieben Vorträgen und drei Diskussionsrunden standen diese und weitere Fragen im Mittelpunkt. Umweltpsychologische Aspekte wurden ebenso thematisiert wie die Frage, ob Marketinginstrumente dabei helfen können, das Bewusstsein und Engagement für Stadtnatur und biologische Vielfalt in der Stadt zu steigern. Die Stadt Heidelberg als Praxispartner im Projekt "Urban NBS" gab Einblicke in ihre Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen.

Einig waren sich die Teilnehmenden darüber, dass bei der Kommunikation mit der Kommunalpolitik vermieden werden sollte, falsche Erwartungen zu wecken. Es müsse klar vermittelt werden, was mit Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt zu erreichen ist und was nicht. Intakte Stadtnatur gehöre so zum Beispiel zu den weichen Standortfaktoren, mit denen sich gut für eine Kommune werben lasse. Und wie ist dies der Kommunalpolitik anschaulich zu vermitteln? Berichte der Tagungsteilnehmenden zeigten, dass sich Politiker und Politikerinnen am besten ein eigenes Bild machen – bei Exkursionen und Ortsbegehungen könnten sie sich selbst vom Wert der biologischen Vielfalt in ihren Kommunen überzeugen.

Als weitere wichtige Zielgruppe für kommunikative Maßnahmen zur biologischen Vielfalt machten die Teilnehmenden der Fachtagung Kinder und Jugendliche aus. Denn gerade Kinder ließen sich leicht für Natur begeistern, positive Erfahrungen könnten hier prägend auf das spätere Leben wirken. Wenn es in Städten Möglichkeiten gibt, Natur zu erleben, seien damit zwar nicht zwangsläufig auch geeignete Maßnahmen für den Schutz und die Förderung der biologischen Vielfalt verbunden, doch waren sich hier alle einig: Durch vielfältige Angebote an unterschiedlichen Orten in der Stadt lassen sich verschiedene Zielgruppen für Natur begeistern. Wichtig ist dabei, dass es tatsächlich an vielen Orten in der Stadt die Möglichkeit gibt, Natur auf kurzen Wegen zu erreichen.

Nicht zuletzt ist auch die Frage der Beteiligung an städtischen Prozessen eine zentrale, wenn es darum geht, die biologische Vielfalt in Städten zu stärken. Wie sie gelingen kann, diskutierten die Teilnehmenden ebenfalls. Dabei ging es nicht nur um die Frage, wie sich Bürgerinnen und Bürger motivieren lassen, sich für den Schutz der Stadtnatur einzusetzen. Auch die Herausforderungen, die sich bei Beteiligungsprozessen verwaltungsintern stellen, wurden diskutiert. Deutlich wurde, dass Beteiligung weit mehr sein sollte als bloßes "Informieren". Vielmehr sollte jeder Bürger und jede Bürgerin die Möglichkeit haben, sich einzubringen und Prozesse aktiv mitzugestalten. Um Enttäuschungen zu vermeiden, müsste von Anfang an deutlich kommuniziert werden, in welchem Maße die Bürgerschaft Einfluss nehmen kann, welche Spielräume es zum Beispiel bei zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen gibt. Diese Transparenz erhöhe die Akzeptanz von Beteiligungsverfahren und ihren Ergebnissen. Auch verschiedene Ideen, wie sich Beteiligungsprozesse verwaltungsintern besser gestalten lassen, kamen zur Sprache. Zielführend sei es etwa, ein Team für Beteiligungsprozesse aufzubauen, auf das alle Abteilungen bei Bedarf zurückgreifen können.

Die Ergebnisse der Tagung werden Eingang in das Projekt "Urban NBS - Städtische Grünstrukturen für biologische Vielfalt" finden. Noch bis Mitte 2019 forscht der Verbund zum Thema.

 

Hintergrund

Das Projekt "Städtische Grünstrukturen für biologische Vielfalt - Integrierte Strategien und Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Biodiversität in Städten (Urban NBS)" wird gemeinsam gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Die Projektpartner aus Wissenschaft und Praxis gehen der Frage nach, wie Städte auch in dicht bebauten Innenbereichen die Vielfalt von Lebensräumen, Pflanzen und Tieren erhalten und stärken können. Ziel ist es, Kommunen dabei zu unterstützen, den Schutz der biologischen Vielfalt fest in ihren Planungen zu verankern und damit die Städte auch für die Menschen attraktiver zu machen. Zum Forschungsverbund gehören neben dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in Radolfzell sowie die Städte Bielefeld und Heidelberg.

Weitere Informationen zum Projekt 


Kontakt im IÖR:

Dr. Juliane Mathey, E-Mail: J.Mathey[im]ioer.de