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19.12.2018

Werte der Natur ökonomisch bilanzieren? - Handlungsempfehlungen veröffentlicht

Die vielfältigen Leistungen, die die Natur für Menschen erbringt, kommen in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in Deutschland zu kurz. Das muss sich ändern, sollen die natürlichen Lebensgrundlagen auf Dauer erhalten bleiben. Bei der Integration von Ökosystemleistungen in die Systeme der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, dem so genannten Ökosystem-Accounting, hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Ein Policy Brief von IÖR, FU Berlin und TU Berlin gibt Hinweise, wie sich dies ändern ließe.


Honigbiene auf grünem Blatt

Beispiel Honigbiene - wie lässt sich ihr Beitrag zum Wohle der Menschen in ökonomischen Berechnungen berücksichtigen? (Foto: H. Hensel/IÖR-Media)

Reine Luft und sauberes Wasser, Holz als Baustoff oder Nahrungsmittel aus Feld und Flur, vielfältige Landschaften und die Bindung von Kohlenstoff – die Leistungen der Natur sind vielfältig. Weiten Teilen der Bevölkerung und der Politik ist grundsätzlich auch bewusst, dass eine intakte Natur wertvoll ist. Trotzdem werde aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht ausreichend in den Erhalt und den Schutz der Natur als einem wichtigen Produktionsfaktor investiert. Zu diesem Ergebnis kommen Karsten Grunewald und Ralf-Uwe Syrbe vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Roland Zieschank von der Freien Universität (FU) Berlin/Forschungszentrum für Umweltpolitik (ffu) sowie Rachel Pekker und Jesko Hirschfeld von der Technischen Universität Berlin/Fachgebiet Landschaftsökonomie in ihrem Policy Brief "Die übersehenen Werte der Natur - Ökosystemleistungen in der wirtschaftlichen Berichterstattung Deutschlands".

Die Kurzdarstellung gibt einen Überblick über den internationalen Stand und die deutschen Bemühungen, Ökosystemleistungen (ÖSL) in Umweltökonomische Gesamtrechnungen und andere Wirtschaftsberichterstattungen zu integrieren. Andere Länder wie die Niederlande, Großbritannien oder Australien seien längst weiter als Deutschland, kritisieren die Autoren. Sie zeigen aber auch die zahlreichen Herausforderungen auf, die sich stellen, wenn Werte der Natur ökonomisch bilanziert werden sollen.

Dass dies in der Zukunft unabdingbar ist, macht das Projekt "Integration von Ökosystemen und Ökosystemleistungen in die Umweltökonomische Gesamtrechnung. Theoretische Rahmenbedingungen und methodische Grundlagen" deutlich, aus dem die aktuelle Fassung des Policy Brief hervorgegangen ist. Das Projekt wurde durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Auftrag gegeben. IÖR, ffu und TUB erarbeiten darin gemeinsam methodische Grundlagen für ein Ökosystem-Accounting in Deutschland und erstellen anhand von Fallbeispielen eine Machbarkeitsstudie. Erste Handlungsempfehlungen enthält der aktuelle Policy Brief, der vor Erscheinen bereits von zahlreichen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis kommentiert wurde. Zum Projektende im Frühjahr 2019 soll eine aktualisierte und umfassendere Publikation entstehen. Fachliche Hinweise und ein Austausch zum Thema sind den Wissenschaftlern deshalb willkommen.

Der Policy Brief ist auf der Internetseite des IÖR abrufbar.

Kontakt im IÖR:
Dr. Karsten Grunewald
Dr. Ralf-Uwe Syrbe