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07.06.2018

DFG fördert Forschung zu beruflichen Identitäten in der Regionalplanung

Räumliche Planung ist menschengemacht. Hinter jeder Entscheidung steht eine Person mit ganz eigenem Selbstverständnis und spezifischer beruflicher Identität. Bislang wurde dazu in Deutschland kaum geforscht. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) möchte diese Forschungslücke schließen.


Windkrafträder in der Landschaft (Kornfeld und Straße mit Autos)

Regionalplanung spielt eine Schlüsselrolle bei der räumlichen Konzentration von Windenergieanlagen. (Foto: M. Leibenath/IÖR-Media)

In den Fokus nimmt das Forschungsvorhaben „Wie Planer(innen) gemacht werden“ das Thema Windenergie. "Die Ansiedlung von Windkraftanlagen hat sich zu einem sehr umstrittenen und damit geradezu beispielhaften Thema der Regionalplanung entwickelt", erläutert Dr. Markus Leibenath, Projektleiter im IÖR. "An der Schnittstelle von Regionalplanung und Windenergie treten die eigenen und fremden Anforderungen an Planerinnen und Planer besonders deutlich zutage."

Und um genau die soll es im Projekt gehen. In den kommenden drei Jahren untersuchen Wissenschaftler des IÖR, welche Erwartungen von außen an die Akteure der Regionalplanung gestellt werden – etwa durch die politische Ebene, aber auch durch Akteure des Umweltschutzes oder breite Bevölkerungsschichten, wenn sie vom Bau von Windkraftanlagen betroffen sind. Auf der anderen Seite erforschen sie, welche Anforderungen und Erwartungen die Planerinnen und Planer an sich selbst haben. Die Annahme ist, dass sich die beruflichen Identitäten aus einem Zusammenspiel aus fremden und eigenen Erwartungen und Zuschreibungen entwickeln und damit auch Entscheidungen in Planungsprozessen beeinflussen.

Um herauszufinden, welche Fremd- und Selbstzuschreibungen bzw. Erwartungen im Zusammenspiel von Regionalplanung und Windenergie zum Tragen kommen, werden im Projekt zum einen verschiedene Texte der Planungsliteratur, Leitfäden, Handbücher und Internetseiten zu Fragen der Öffentlichkeitsbeteiligung analysiert. In narrativen Interviews kommen auf der anderen Seite die Akteure der Regionalplanung selbst zu Wort. "Aus beiden Analysesträngen soll sich am Ende ein umfassendes Bild ergeben, welche Faktoren die beruflichen Identitäten von Personen der Regionalplanung beeinflussen und auch, welche Rolle unterschiedliche Planungskulturen dabei spielen", erläutert Markus Leibenath. Als Ergebnis des Projektes erhofft er sich, dass Planerinnen und Planern künftig die Selbstreflexion leichter fällt und sie eine genauere Vorstellung von den Gestaltungsspielräumen in ihrer täglichen Arbeit haben und auch abschätzen können, wie sich diese Spielräume anders und besser nutzen lassen.

Weitere Informationen

Kontakt im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR):
Priv.-Doz. Dr.-Ing. Markus Leibenath, Telefon: (0351) 46 79-285
E-Mail: M.Leibenath@ioer.de