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25.07.2017

Welche Materialien stecken in Häusern, Fabrikhallen, Straßen? - IÖR-Informationsportal zu Bauwerksdaten online

Der effiziente Umgang mit natürlichen Ressourcen gilt als einer der Schlüssel in der Nachhaltigkeitsdebatte. Einen wichtigen Beitrag kann das bessere Recycling von Baustoffen leisten. Doch bisher fehlte weitgehend das Wissen, welche wiederverwertbaren Materialien in der gebauten Umwelt stecken. Das IÖR hat eine Fülle an Daten erfasst und strukturiert. Künftig gibt das Internetportal bdat.ioer.eu Aufschluss über die Zusammensetzung des Bauwerksbestandes.


Berge von Mauergeröö, Steinen und Metallabfall wie Heizungsrohe, im Hintergrund ein eingerüsteter Plattenbau

Abbruchmaterial - bei passender Kreislaufwirtschaft schont es natürliche Ressourcen. (Foto: H. Hensel/IÖR)

Wohnhäuser, Fabrikhallen, Straßen und Plätze, selbst Versorgungsleitungen unter der Erde zählen Fachleute zur „gebauten Umwelt“. In ihr sind große Mengen an Rohstoffen verbaut. Würden sie im Fall eines Abrisses in großem Stile einer Kreislaufwirtschaft zugeführt und wiederverwertet werden, ließen sich Ressourcen und Umwelt schonen.

In der politischen Diskussion auf nationaler und europäischer Ebene spielt der effiziente Umgang mit natürlichen Ressourcen mehr denn je eine Rolle. Schon Anfang 2012 hat etwa Deutschland ein Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) verabschiedet und sich damit auf Leitideen und Handlungsansätze zum Schutz der natürlichen Ressourcen festgelegt. Das Recycling von Sekundärrohstoffen, wie sie in Gebäude und Infrastrukturen enthalten sind, spielt dabei zunehmend eine Rolle. Untersuchungen des IÖR haben gezeigt, dass in der gebauten Umwelt immense Mengen dieser Sekundärrohstoffe enthalten sind. Und dieses „Materiallager Deutschland“ wächst durch Bautätigkeit ständig weiter (siehe Pressemitteilung vom 24.11.2015).

Doch welche Materialien stecken im Detail in Häusern, Fabrikhallen und Straßen? Welche Mengen an Beton, Sand, Kies, Holz, Dämmstoffen oder Metall werden beim Abbruch frei? Wie unterscheidet sich die Materialzusammensetzung von Gebäuden verschiedener Epochen, Baustile und Nutzungen? Ein konkreter und strukturierter Überblick fehlte bisher weitgehend. Das Wissen darüber ist aber entscheidend, sollen diese Stoffe als Sekundärmaterial genutzt und natürliche Ressourcen dadurch geschont werden.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IÖR haben eine Datenbank aufgebaut, die Informationen zu all diesen Fragen enthält. Die Daten basieren dabei auf empirisch erhobenen Einzelobjekten des Hoch- und Tiefbaus in Deutschland. Die Informationen zu mehreren Einzelobjekten können zu „synthetische“ Gebäudetypen zusammengefasst werden. Die Datenbank gibt damit Auskunft über die charakteristische materielle Zusammensetzung von unterschiedlichen Wohngebäuden, Nichtwohngebäuden, Verkehrsinfrastruktur und Infrastruktur für Ver- und Entsorgung. Diese Datenbasis ermöglicht unter anderem Hochrechnungen zu zukünftigen Abbruchmassen, den Sekundärrohstoffen, die dabei gewonnen werden können, und der Rohstoffneuinanspruchnahme durch Neubau.

Einen Einblick in diese Datenfülle ermöglicht das IÖR für Interessierte aus Wissenschaft, Planung und Politik mit einem neuen Informationsportal im Internet. Auf der Seite http://bdat.ioer.eu/ steht ein Überblick über die bereits zusammengetragenen Bauwerksdaten zur Verfügung. Interessierte erhalten Informationen zur stofflichen Zusammensetzung verschiedener Bauwerke. Detailliert wird dargestellt, welche Einzeldaten in die Berechnung der synthetischen Gebäudetypen eingeflossen sind. Ebenfalls finden sich Hinweise auf aktuelle Publikationen zum Thema auf der Seite, zum Beispiel zum Bauwerksbestand Deutschland oder zu den Recyclingpotenzialen im Hochbau. Die Datenbank und auch das Informationsportal werden ständig weiterentwickelt. Sie organisieren den umfangreichen Bestand an Bauwerksdaten im IÖR und machen ihn für künftige Untersuchungen für die Fachöffentlichkeit nutzbar.

Link zum IÖR-Internetportal "Bauwerksdaten"

Kontakt im IÖR:
Prof. Clemens Deilmann, Telefon: 46 79-251, E-Mail: C.Deilmann[im]ioer.de
Karin Gruhler, Telefon: 46 79-250, E-Mail: K.Gruhler[im]ioer.de