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15.03.2017

Raumwissenschaftliches Kolloquium 2017 zum Thema "Mehr Engagement – Mehr Nachhaltigkeit?"

Welche Rolle spielen zivilgesellschaftliche Initiativen bei der Transformation von Städten zu mehr Nachhaltigkeit? Dieser Frage gingen rund 80 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis am 9. Februar 2017 nach. Das 5R-Netzwerk, die raumwissenschaftlichen Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft, hatte zum Raumwissenschaftlichen Kolloquium an die Universität Hamburg eingeladen.


Grafik zum Kolloquium

Wie lässt sich ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit erreichen? Diese Frage ist untrennbar mit dem Lebens- und Wirtschaftsraum Stadt verbunden. Im Bemühen darum, Städte nachhaltiger zu gestalten, steigen auch die Erwartungen an die Zivilgesellschaft. Doch welche Wirkungsmöglichkeiten haben zivilgesellschaftliche Initiativen im Gefüge der Stadtgesellschaft? Welche Unterstützung benötigen sie, um wirklich etwas bewirken zu können? Was begrenzt ihre Handlungsspielräume?

Diesen Fragen widmen sich die raumwissenschaftlichen Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft in ihrer Forschung. Ergebnisse aus unterschiedlichen Projekten präsentierten sie beim Raumwissenschaftlichen Kolloquium am 9. Februar 2017 an der Universität Hamburg.

Den theoretischen Rahmen spannten zuvor zwei Experten der Nachhaltigkeitsforschung auf: Derk Loorbach, Direktor des Dutch Research Institute for Transitions (DRIFT), und Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Die Gastredner gaben zunächst einen Überblick über den Forschungsstand Transition-Forschung. Darüber hinaus stellten sie Konzepte vor, die es ermöglichen, zivilgesellschaftliche Initiativen und ihre Bedeutung in urbanen Veränderungsprozessen zu verorten. Auch auf die veränderte Rolle von Wissenschaft, speziell der Raumwissenschaften, bei der Erforschung urbaner Veränderungsprozesse gingen die Vortragenden ein. Der Forschungsgegenstand verlange von wissenschaftlichen Akteuren geradezu einen Wandel des eigenen Verständnisses. Statt neutraler Beobachter ist der Forschende selbst Teil von Wandlungsprozessen, bringt sich in Prozesse ein und kann als Katalysator wirken.

Foto und Titel Präsentation 

Foto und Titel Präsentation

Per Klick auf die Fotos gelangen Sie
zu Mitschnitten der Gastbeiträge
von Derk Loorbach (oben) und
Uwe Schneidewind. (Quelle: IRS)

Dieses neue Rollenverständnis von Wissenschaft spielte auch in den Vorträgen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der gastgebenden Einrichtungen eine Rolle. In vier Vorträgen gaben die raumwissenschaftlich forschenden Leibniz-Institute Einblick in verschiedene aktuelle Forschungsprojekte zur Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements bei der städtischen Transformation. Positive Beispiele konnten dabei ebenso benannt werden wie Fälle, in denen zivilgesellschaftliche Initiativen scheiterten. Deutlich wurde, dass die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit in den Städten ohne die Einbindung der Bürgerschaft kaum denkbar ist. Ebenso klar wurde aber auch herausgestellt, dass zivilgesellschaftliches Engagement kein Garant für eine erfolgreiche Transformation ist. Schon jetzt gibt es aus den Forschungsprojekten der 5R-Einrichtungen heraus zahlreiche Handlungsempfehlungen und Hinweise darauf, wie Rahmenbedingungen ausgestaltet sein müssten, damit die Zivilgesellschaft erfolgreich in städtische Transformationsprozesse eingebunden werden kann und den
Wandel aktiv mitgestaltet.

Die Möglichkeiten und Grenzen einer Stadtentwicklung "von unten" waren auch Thema der abschließenden Podiumsdiskussion. Dabei standen Erfahrungen aus Hamburg beispielhaft im Fokus der Diskussion, denn im Podium hatten drei Experten aus der Hansestadt Platz genommen. Moderiert von Rainer Danielzyk, Generalsekretär der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, diskutierten Jürgen Oßenbrügge, Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität Hamburg, Johannes Gerdelmann, Leiter des Dezernats für Wirtschaft, Bauen und Umwelt im Bezirksamt Hamburg-Altona, und Christoph Twickel, der die Hamburger "Recht auf Stadt"-Bewegung, ein Netzwerk zivilgesellschaftlicher Initiativen in Hamburg, als Journalist begleitet hat.

Hintergrund
Das Raumwissenschaftliche Kolloquium ist eine gemeinsame Veranstaltung der raumwissenschaftlichen Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft (5R-Netzwerk). Die Veranstaltung bietet alle zwei Jahre an wechselnden Orten ein Forum für die Diskussion aktueller Fragen der Raumentwicklung und richtet sich an Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung.

https://www.ioer.de/fileadmin/internet/logos/5R_logo.pngZum 5R-Netzwerk haben sich die folgenden raumwissenschaftlichen Einrichtungen zusammengeschlossen: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) in Hannover, Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden und Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner.
Weitere Informationen zum 5R-Netzwerk

Weiterführende Links zu Forschungsprojekten der 5R-Einrichtungen:
Forschungsprojekt "Sofia – Stadt der Zukunft: grün, mobil und lebenswert"
Projekt "ARTS (Accelerating and Rescaling Transitions to Sustainability)"
G. Christmann, H. Kilper, O. Ibert (2016): Die resiliente Stadt in den Bereichen Infrastrukturen und Bürgergesellschaft, Schriftenreihe Forschungsforum Öffentliche Sicherheit (Nr. 19) – Vollversion (PDF)



© Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e.V.