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20.09.2016

Görlitzer Forschungszentrum für Stadtumbau intensiviert mit neuen Leitlinien seine Arbeit

Im Juni 2014 nahm das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) in Görlitz seine Arbeit auf. Seither hat es bereits mehrere Projekte mit bundesweiter Ausstrahlung durchgeführt, so zum Beispiel zum Probewohnen im Altbaubestand in der Innenstadt von Görlitz oder zur Grünflächen- und Naturentwicklung in Städten. Seit Juli ist das Team des Zentrums nun komplett. Die Trägereinrichtungen, das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und die Technische Universität Dresden, haben gemeinsam Professor Robert Knippschild zum Leiter berufen. Mit neu entwickelten Leitlinien für die künftige Forschung intensiviert das Zentrum nun seine Arbeit.


Außenansicht des IZS in Görlitz (Foto: R. Vigh/IÖR)

Außenansicht des IZS in Görlitz (Foto: R. Vigh/IÖR)

Stadtumbau wird häufig immer noch gleichgesetzt mit dem Rückbau von leerstehendem Wohnraum. "Dabei geht es mit der Revitalisierung der Innenstädte, der Bewältigung sozialer Missstände, der ökologischen Aufwertung von Städten und Stadtquartieren und der Anpassung an den Klimawandel eigentlich um viel mehr", so Professor Bernhard Müller, Direktor des IÖR in Dresden und Sprecher des Aufsichtsgremiums des IZS. "Dies wollen wir in Görlitz mit unserem neuen Zentrum zum Ausdruck bringen. Selbstverständlich spielen dabei die Anforderungen historischer Städte und des Denkmalschutzes eine große Rolle." Bernhard Müller hatte das IZS in den vergangenen Jahren nach intensiven Verhandlungen mit der TU Dresden und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf den Weg gebracht.

Mit Professor Robert Knippschild hat das IZS nun einen wissenschaftlichen Leiter. Der 42-Jährige hat an der Technischen Universität Dortmund Raumplanung studiert und in diesem Fach auch promoviert. Er war bisher als Vertretungsprofessor und Mitarbeiter an verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Sachsen und Brandenburg sowie freiberuflich tätig. Mit Blick auf die neuen Aufgaben am IZS erläutert er: "Im Görlitzer Zentrum werden zukünftig drei Schwerpunkte im Zentrum unserer Arbeit stehen. Unser Team wird erstens die Problemlagen der Städte, die einen Stadt­umbau erfordern, detailliert analysieren. Zweitens wird es Ansätze und Instrumente für einen ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau im In- und Ausland prüfen und bewerten. Und drittens wird es Städte bei der Entwicklung guter Beispiele und deren Umsetzung in alltägliches Handeln unterstützen."

Robert Knippschild wird die im Görlitzer Forschungszentrum gewonnenen Erkenntnisse auch in die studentische Ausbildung an der TU Dresden einbringen. "Zum einen geschieht dies im Rahmen der Ausbildung am Internationalen Hochschulinstitut (IHI) Zittau, einer Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung der TU Dresden, und zum anderen im Masterstudiengang Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement an der Umweltfakultät in Dresden, wo es ein eigenes Modul zum Thema 'ökologischer und revitalisierender Stadtumbau' gibt. Davon werden auch Städte wie Görlitz und Zittau profitieren, denn Studierende werden hier auch konkrete Studienarbeiten zu Themen des Stadtumbaus durchführen", erläutert Professor Thorsten Claus, Direktor des IHI Zittau an der TU Dresden, neben dem IÖR zweite Trägereinrichtung des Görlitzer Zentrums.

Neben dem laufenden Projekt Probewohnen gibt es viele Ideen für neue Projekte. "Wie können Investitionen in denkmalgeschützte Stadtquartiere mit hohem Leerstand gelenkt werden, um damit eine Aufwertung zu ermöglichen? Wie lassen sich denkmalgeschützte Quartiere klimagerecht weiterentwickeln? Wie lässt sich die Lebensqualität so steigern, dass Städte für alle Bevölkerungsgruppen und alle Generationen attraktiv werden", nennt Robert Knippschild einige der Fragen, die die Forscherinnen und Forscher des Zentrums an der Peterskirche beantworten wollen. Nicht nur Görlitz und seine Partnerstadt Zgorzelec sollen dabei von den Forschungen profitieren. "Wir wollen eine internationale Anlaufstelle zu Fragen des ökologischen und revitalisierenden Stadt­umbaus werden, sowohl für Wissenschaftler, als auch für Städtevertreter", sagt Knippschild.

Schon am 23. und 24. September wird dieses Ziel ein Stück Wirklichkeit. Dann treffen sich deutsche und polnische Experten aus Praxis und Wissenschaft zum alljährlichen Denksalon im Schlesischen Museum zu Görlitz, um über den Beitrag von grüner Infrastruktur und kulturellem Erbe zur Lebensqualität der Städte zu diskutieren.

Informationen zum IZS in Görlitz

Informationen zum Denksalon am 23./24.09.2016