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25.08.2016

Lösungsansätze für schrumpfende Kleinstädte – gemeinsame Publikation zu Erfahrungen in Deutschland und Japan

Die Entwicklungsperspektiven schrumpfender Kleinstädte standen im Fokus eines Expertengespräches von Vertretern des IÖR mit dem japanischen Fachmann Prof. Dr. Kenji Yamamoto von der Kyushu Universität Fukuoka. Zu diesem Thema veröffentlichten die Wissenschaftler kürzlich einen gemeinsamen Beitrag im international renommierten Journal of Rural Studies des Elsevier-Verlages.


In Japan und Deutschland gibt es Kleinstädte, die sich über Jahrzehnte zu "Patienten" der Regionalpolitik entwickelt haben und für die es keine geeignete "Medizin" zu geben scheint. Damit ist gemeint, dass ursprünglich prosperierende Orte einen wirtschaftlichen Niedergang erleben, die Bevölkerungszahl geht zurück, das Durchschnittsalter steigt. Zugleich gehen Versorgungsfunktionen für das Umland zum Beispiel im Bereich der Bildung und Gesundheit verloren. Staatliche Programme, etwa zur ländlichen Entwicklung und zur Stärkung zentralörtlicher Funktionen, verfehlen ihre Wirkung.

Prof. Dr. Kenji Yamamoto hat dies am Beispiel von Städten in Japan untersucht. Der Geograf von der Kyushu Universität Fukuoka forscht zur sozialökonomischen Entwicklung von Städten. Seit den 1980er Jahren befasst sich der japanische Experte auch mit räumlichen Entwicklungstendenzen in Deutschland. Nun war Prof. Yamamoto zu Gast im IÖR. Mit Prof. Dr. Bernhard Müller und Dr. Peter Wirth tauschte er sich über Entwicklungsperspektiven schrumpfender Kleinstädte aus. Die Dresdner Wissenschaftler haben vergleichbare Erfahrungen mit Städten in Ostdeutschland gemacht, etwa mit Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge. Dort ist die Einwohnerzahl seit den 1960er Jahren von etwa 10.000 auf 4.000 zurückgegangen. Vor allem der Verlust von Arbeitsplätzen ist die Ursache. Die Folgen sind vielfältig: Die Wohnungsgesellschaft musste Insolvenz anmelden, Schulen wurden geschlossen, öffentliche Investitionen sind nicht möglich, da die Stadtkasse leer ist.

Über diese ähnlichen Entwicklungen in Deutschland und Japan schreiben die Wissenschaftler auch in einem gemeinsamen Aufsatz. Er ist unter dem Titel "Peripheralisation of small towns in Germany and Japan – dealing with economic decline and population loss" im international renommierten "Journal of Rural Studies" erschienen. Maßgeblich beteiligt war auch der Heidelberger Japanologe Dr. Volker Elis. Das internationale Team kam zu der Auffassung, dass weder neoliberale Entwicklungskonzepte, die auf die Selbstheilungskräfte des Marktes setzen, noch Strategien, die auf die Stärkung klein- und mittelständischer Unternehmen durch staatliche Wirtschaftsförderung zielen, die negativen Trends von Kleinstädten des beschriebenen Typs stoppen können. Der Ausweg wird vielmehr in neueren Ansätzen wie "Life beyond growth/Leben jenseits von Wachstum" gesehen. Sie stellen qualitative Faktoren zur Verbesserung der Lebensqualität in den Mittelpunkt. Dazu zählen sowohl eine gesunde Umwelt als auch Faktoren einer "green economy", einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaft. Die Zusammenarbeit zwischen dem IÖR und der Kyushu Universität in Fukuoka soll weiter vertieft werden.

Literaturhinweis:

Wirth, P./Elis, V./Müller, B./Yamamoto, K. (2016): Peripheralisation of small towns in Germany and Japan – dealing with economic decline and population loss'. In: Journal of Rural Studies 47:62-75
(DOI: 10.1016/j.jrurstud.2016.07.021)

Kontakt im IÖR:

Prof. Dr. Bernhard Müller, Telefon: (0351) 46 79-211, E-Mail: B.Mueller[im]ioer.de
Dr. Peter Wirth, Telefon: (0351) 46 79-232, E-Mail: P.Wirth[im]ioer.de

Experten mit ähnlichen Forschungsinteressen:
Dr. Peter Wirth (IÖR), Prof. Kenji Yamamoto (Kyushu Universität Fukuoka/Japan) und Prof. Bernhard Müller (Direktor des IÖR) (v. l.) trafen sich zum wissenschaftlichen Austausch in Dresden. (Foto: A. Heller/IÖR)