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03.11.2014

Was kommt nach dem Bergbau in Fernost?

Experten des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Technischen Universität Dresden (TUD) informieren in China über Konzepte für die Entwicklung ehemaliger Bergbauregionen.


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Bevor der Bergbau geht: Nicht nur die Stadt- und Regionalentwicklung nach dem Bergbau ist in China ein Problem. Die aktuelle Bergbautätigkeit, aber auch andere Industriezweige verursachen erhebliche Luftverschmutzung wie hier an der Chinesischen Mauer. Foto: W.Wende/IÖR

Wie lassen sich Bergbaugebiete in China nach dem Ende des Abbaus von Kohle, Kupfer oder seltenen Metallen sinnvoll weiterentwickeln und nutzen? Wie kann dabei die biologische Vielfalt dauerhaft geschützt werden? Wie können ehemalige Bergbauregionen auch aus städtebaulicher Sicht revitalisiert werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Reise einer Delegation deutscher Wissenschaftler nach China, die vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung organisiert wurde. Teilnehmer der Delegation waren auch Prof. Dr. Wolfgang Wende und Vertretungsprofessor Manuel Bäumler vom Institut für Städtebau der TUD. Gemeinsam mit Wissenschaftlern von der Technischen Universität Berlin und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt brachten sie die deutschen Erfahrungen zum Thema Entwicklung von Bergbaufolgeregionen in den deutsch-chinesischen Austausch ein. Forscher beider Länder diskutierten das Thema bei einem Workshop an der Chinese University of Mining and Technology in Xuzhou, einer Stadt zirka 500 Kilometer südlich von Peking gelegen, sowie auf dem internationalen Symposium "Land Reclamation and Ecological Restoration" in Peking mit rund 400 Teilnehmern.

"Zwei wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung von Folgekonzepte wurden für Bergbauregionen in China identifiziert", berichtet Wolfgang Wende, der neben seiner Professur an der TUD auch den Forschungsbereich „Wandel und Management von Landschaften" am IÖR in Dresden leitet. Zum einen müssten Konzepte für die ökologische beziehungsweise städtebauliche Sanierung der Bergbaugebiete schon vor Beginn des Rohstoffabbaus erarbeitet werden, erläutert Wende. Das Planen von Sanierungsschritten erst nach den Eingriffen in die Natur sei nicht ausreichend. Auch sei es sinnvoll, sich bei der Stadterneuerung an der vorhandenen Industrie- und Bergbaukultur zu orientieren, so das Fazit von Manuel Bäumler, der an der TUD aktuell die Lehrstuhlvertretung der Professur für Städtebau innehat. Die zweite wichtige Erkenntnis des deutsch-chinesischen Austauschs war, dass über klassische Rekultivierungsansätze hinausgedacht werden sollte. "Es reicht längst nicht mehr aus Wälder als reine Wirtschaftswälder aufzuforsten und landwirtschaftliche Flächen wieder herzustellen", so Wende. Soll die Entwicklung ehemaliger Bergbauregionen gerade in Ländern wie China wirklich nachhaltig sein, müssten sowohl die zunehmende Urbanisierung, aber auch der Schutz der biologischen Vielfalt stärker in den Blick genommen werden.

Die Reise der deutschen Wissenschaftler wurde von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert und unterstützt. Ein Gegenbesuch einer chinesischen Delegation an das Institut für Städtebau der TU Dresden und an das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung ist für das Frühjahr 2015 geplant.