Sie befinden sich hier: Presse/
28.11.2011

„Grün in der Stadt – Kosmetik oder Konzept?“

Großes Interesse an IÖR-Forschung und Vortrag von Prof. Müller und IÖR-Forschung bei internationalem Kolloquium in Lima (Peru)


Foto: IÖR

Volles Haus! Mehr als 220 Gäste aus allen Teilen von Lima, manche aus weit entfernt liegenden Armutsvierteln, besuchten das internationale Kolloquium des Goethe-Instituts über die Rolle der Natur in der Stadt am 22. und 23. November Lima, der Hauptstadt Perus.

Professor Bernhard Müller hielt die Hauptrede am ersten Abend. Sein Thema lautete: „Grün in der Stadt – Kosmetik oder Konzept?“ Seine Botschaft: „Nachhaltige Stadtentwicklung ist weitaus mehr als einzelne Grünflächen anzulegen. Sie erfordert insbesondere ein integriertes und langfristig orientiertes Konzept“. Die Kooperation des IÖR mit Partnern aus Peru soll ausgebaut werden. Die Dresden Leibniz Graduate School, die vom IÖR mitgetragene Graduiertenschule in Dresden, wird dabei eine Rolle spielen.

Die Neun-Millionen-Stadt Lima ist mit öffentlichen Grünflächen extrem unterversorgt. Gerade einmal zwei Quadratmeter öffentlicher Grünflächen kommen durchschnittlich auf jeden Einwohner. Ein trauriger Negativrekord in ganz Lateinamerika! Einer aktuellen, vom Siemens Konzern gesponserten  Studie zufolge rangiert die Stadt bei der nachhaltigen Stadtentwicklung in Lateinamerika am unteren Ende.

Zwei Megaprojekte sollen Abhilfe schaffen und sorgten für lebhafte Diskussionen auch beim Kolloquium. Zum einen soll die Flusslandschaft des Rio Rimac, der Hauptader von Lima, für die Stadt zurück gewonnen werden. Zum anderen ist geplant, die Pazifikküste zu begrünen und für die Bevölkerung besser nutzbar zu machen.

Im Rahmen des Besuchs- und Gesprächsprogrammes nahm Professor Müller auch an Gesprächen mit den für Megaprojekte Verantwortlichen der Katholischen Universität von Peru und lokalen Initiativen aus Stadtteilen von Lima teil.

Letztere beindruckten den Direktor des IÖR besonders: „Partizipation in der Stadtentwicklung ist ein Muss. Ohne sie kommt keine nachhaltige Entwicklung zustande und Grün bliebe lediglich Kosmetik“, sagte er. „Wir brauchen Stadtentwicklungspolitik, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger achtet und sie in die Erarbeitung von Konzepten einbezieht. Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Entwicklung.“

Vor dem Hintergrund der jüngsten positiven Evaluierung des IÖR durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft richtet Prof. Müller den Blick auf neue Aufgaben. „Auch unsere Aktivitäten in Lateinamerika tragen zur weiteren Internationalisierung unserer Forschungsarbeiten bei“, konstatiert Prof. Müller.