Engagierte Bürgerschaft und nachhaltige Stadt – Erprobungsphase im StadtLabor Dessau-Roßlau gestartet

Wie kann das bürgerschaftliche Engagement für eine nachhaltige Stadtentwicklung gestärkt werden? Dieser Fragen gehen Forschende des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) im Projekt StadtLabor DE-RSL nach. DE-RSL steht dabei für die Stadt Dessau-Roßlau.

Engagierte Bürgerinnen und Bürger beeinflussen maßgeblich, wie sich eine Stadt zu einem lebenswerten und nachhaltigen Ort entwickelt. Dabei ist eine gute Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung, Politik, Wirtschaft und Kultur wichtig. Das Projekt StadtLabor DE-RSL soll Impulse geben, damit diese kommunalen Kooperations- und Gestaltungsprozesse gelingen. 

„Es geht im Projekt um die Fragen, mit welchen Herausforderungen und Hemmnissen solche Kooperationen in der Stadtgesellschaft zu tun haben und mit welchen Unterstützungsstrukturen sie gestärkt werden können? Wie lassen sich zum Beispiel geeignete Räume für Dialog und Austausch schaffen“, erläutert Franziska Ehnert, die das Projekt im IÖR leitet. 

Um das herausfinden, werden in Dessau-Roßlau konkrete Ideen und Lösungsansätze für eine erfolgreiche Zusammenarbeit entwickelt und bis August 2026 umgesetzt. Die Prozesse werden vom Team des Instituts für Sozialinnovation Consulting UG (ISIConsult) und des IÖR wissenschaftlich begleitet. Dabei baut das Projekt auf schon Vorhandenem auf. Denn in Dessau-Roßlau gibt es bereits viele engagierte Bürger*innen, Initiativen, Vereine und Netzwerke, die sich aktiv in die Stadtgesellschaft einbringen. 

„Wir haben in der ersten Projektphase mit Schlüsselakteur*innen der Kommunalverwaltung gesprochen und ebenso Einzel- sowie Gruppeninterviews mit Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft sowie mit Engagierten aus der Wirtschaft, Bildung und Kultur durchgeführt“, erläutert Vanessa Kügler, Projektmitarbeiterin am IÖR. „In der Stadt gibt es wahnsinnig viel Engagement in zahlreichen Vereinen und Initiativen. Bevor wir in die Erprobungsphase des Projektes starten konnten, war es für uns wichtig, deren Bedarfe, Herausforderungen und Potenziale zu erkennen und zu verstehen“, sagt Kügler. Die Ergebnisse ihrer Recherchen hat das Projektteam in einer interaktiven Engagement-Karte zusammengeführt. So können sich alle Interessierten ein Bild von der Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements in Dessau-Roßlau machen.

Schon in den Gesprächen und bei verschiedenen Projektveranstaltungen wurde deutlich, welche Herausforderungen die Zusammenarbeit zwischen Engagierten und kommunaler Verwaltung prägen. Als wesentliche Hürden wurden beispielsweise langwierige Verwaltungsprozesse, mangelnde Kapazitäten und fehlende Kommunikation zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft genannt. Andere Anliegen waren etwa, junge Menschen für nachhaltiges Engagement zu begeistern und den Leerstand in der Region sinnvoll zu nutzen.
Um herauszufinden, welche Lösungswege besonders vielversprechend sind, werden nun bis August 2026 verschiedene Ideen im „Reallabor Dessau-Roßlau“ erprobt. Dazu wurden bei einem Werkstattgespräch im April 2025 zwölf zuvor identifizierte Lösungsansätze intensiv diskutiert und weiterentwickelt.

Die fünf ausgewählten Favoriten geben vielfältige Impulse für eine nachhaltige Stadtentwicklung:

  • Das Erprobungsteam 1 stellt die Weichen für die Gründung einer Bürgerstiftung in Dessau-Roßlau. Die Stiftung wird eigens von interessierten Bürger*innen initiiert, um Engagement vor Ort zu unterstützen und Vorhaben von Bürger*innen finanziell zu fördern. Der Fernsehbeitrag "Dessau-Roßlau: Bürgerstiftung für die Stadt" stellt die Erprobungsidee im Regionalfernsehen RAN1 vor.
  • Das Erprobungsteam 2 plant, mit Bepflanzungen und Baumpatenschaften das Stadtgrün und nachbarschaftliche Begegnungsorte zu fördern. Der Fernsehbeitrag "Dessau-Roßlau: Pflanzaktion am Leipziger Torhaus" stellt die Erprobungsidee im Regionalfernsehen RAN1 vor.
  • Das Erprobungsteam 3 will an einem konkreten Ort in Dessau-Roßlau eine sogenannte „Planungsphase Null“ erproben. Ziel ist es, einen frühzeitigen Dialog mit der Stadtgesellschaft vor dem Beginn eines öffentlichen Planungsverfahrens zu ermöglichen.
  • Das Erprobungsteam 4 will (Frei)Räume in der Stadt in Begegnungsorte verwandeln und für bürgerschaftliches Engagement nutzbar machen.
  • Das Erprobungsteam 5 möchte erkunden, wie Unterstützungsstrukturen und -angebote für bürgerschaftliches Engagement erweitert werden können.

Das Projektteam wird von den Erfahrungen in Dessau-Roßlau Handlungsempfehlungen ableiten, die künftig auch andere Kommunen dabei unterstützen sollen, ihre nachhaltige Entwicklung in Kooperation mit bürgerschaftlichem Engagement voranzubringen.

Hintergrund

Das Projekt „Die Bedeutung Bürgerschaftlichen Engagements zur Stärkung von kommunalem Gemeinwesen für eine nachhaltige Stadtentwicklung: ein Reallabor in Dessau-Roßlau (StadtLabor DE-RSL)“ läuft noch bis Sommer 2027 in Kooperation mit der Stadt Dessau-Roßlau. Die Forschung wird vom Institut für Sozialinnovation Consulting UG (ISIConsult) geleitet und durch das Umweltbundesamt gefördert.

Weitere Informationen auf der Internetseite zum Projekt

Wissenschaftlicher Kontakt im IÖR
Dr. Franziska Ehnert, E-Mail: f.ehnertioer@ioer.de

Text: mit Unterstützung durch Lucy Krille (wissenschaftliche Hilfskraft)

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

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