Markus Egermann zu Gast bei Forumsreihe im Schloss Bellevue

Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts standen am 1. Februar beim "Forum Bellevue zur Transformation der Gesellschaft" im Mittelpunkt. Zum zweiten Mal hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu der Reihe ins Schloss Bellevue eingeladen. Aspekte aus der Forschung des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) brachte Dr. Markus Egermann, Leiter des Forschungsbereichs "Transformative Kapazitäten", ein.

Die aktuelle Auflage des "Forum Bellevue zur Transformation der Gesellschaft" widmete sich der Frage, wie wir, auch mit Blick auf vielfältige Krisenerfahrungen, den anstehenden grundlegenden Wandel hin zu einer nachhaltigen Lebensweise und einer postfossilen Gesellschaft demokratisch und in gesellschaftlichem Zusammenhalt gestalten können. Dabei ging es sowohl in der öffentlichen Debatte, als auch im zweiten, nicht öffentlichen Teil der Veranstaltung, insbesondere auch um die aktuelle Situation im Osten Deutschlands.

Im direkten Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier konnte Markus Egermann vom IÖR seine Erkenntnisse aus verschiedenen transdisziplinären Forschungsprojekten teilen. Dabei hob er hervor, dass auch bei den Menschen in Sachsen trotz der enormen Veränderungen, die seit der deutschen Wiedervereinigung zu bewältigen waren, grundsätzlich eine große Bereitschaft zum konstruktiven Mitgestalten vorhanden sei. Dies zeigten nicht zuletzt die positiven Erfahrungen im Projekt "Zukunftsstadt Dresden", das das IÖR wissenschaftlich begleitet hat. Die Forschung des IÖR mache deutlich, dass die Bereitschaft zum Mitgestalten stark sinkt, wenn die Menschen den Eindruck haben, dass es keine überzeugende Gesamtstrategie gibt, die auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit und raumbezogene Transformationserfahrungen in den Blick nimmt, erläuterte Markus im Gespräch mit dem Bundespräsidenten. Außerdem brauche es ein glaubwürdiges, positives Zukunftsbild sowie klar erkennbare Schnittstellen, die es Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, aktiver Teil eines grundlegenden Wandels zu sein.

"Diese Elemente, die den Willen zum Mitgestalten positiv beeinflussen und zur Bildung so genannter ‚Transformativer Kapazitäten‘ beitragen, untersuchen wir am IÖR", erläutert Egermann. "Sind sie nicht vorhanden, fühlen sich die Menschen ohnmächtig und fremdbestimmt, sind überfordert mit der Menge und der Geschwindigkeit der Veränderungen und drücken dies in letzter Konsequenz auch in ihrem Wahlverhalten aus", erklärt der Wissenschaftler. Dies verdeutliche auch, dass es nicht ausreiche, technologische Innovationen und Arbeitsplätze gleichmäßig über das Land zu verteilen. Wichtiger sei es, die Spezifika von Städten und Regionen und die dort lebenden Menschen in den Blick zu nehmen, um diesen die Möglichkeit zu eröffnen, sich selbstwirksam und konstruktiv in Prozesse transformativen Wandels innerhalb einer liberalen Demokratie einzubringen. "Dabei sind transdisziplinäre Ansätze, wie etwa Reallabore, ein wichtiges Instrument, das wir nicht nur in unserer Forschung einsetzen, sondern zum Beispiel im Rahmen einer großen Reallabor-Konferenz gemeinsam mit Partner*innen auch diskutieren", so Egermann, der seit dem 1. Januar 2024 Mitglied im Vorstand der neu gegründeten Gesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschung ist.

Wissenschaftlicher Kontakt im IÖR
Dr. Markus Egermann, E-Mail: M.Egermannioer@ioer.de

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

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