IÖR-Forum: Nachhaltigkeit neu erfinden

Die aktuelle Vortragsreihe des IÖR-Forum widmet sich über den Sommer 2024 dem Konzept der Nachhaltigkeit als dem vorherrschenden Paradigma zur Bewältigung der globalen sozial-ökologischen Krise. Es geht unter anderem um die Rolle von Wissenschaft, Politik und Raum und um alternative Konzepte für ein "gutes Anthropozän". 

Nachhaltigkeit ist das vorherrschende Paradigma zur Bewältigung der globalen sozial-ökologischen Krisen. Sie ist das zentrale Leitmotiv übergreifender politischer Strategien von der lokalen bis zur globalen Ebene, ebenso wie für querschnittsorientierte Raumplanung, Entwicklungskonzepte von Wissenschaftsorganisationen sowie der inter- und transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaften.

Das Konzept der "Nachhaltigkeit" ist jedoch seit seiner Einführung auf der internationalen politischen Bühne in den 1990er Jahren immer wieder auch sehr grundsätzlich hinterfragt worden. Dies umfasst einerseits Kritik an seinen ontologischen Prämissen und ethischen Unschärfen (z. B. Mensch-Natur-Dualismus, unklarer Gerechtigkeitsbegriff, Variation von "starker/schwacher" Nachhaltigkeit, inhärente Wachstumsorientierung, diffuser Raum-/Zeitbezug). Andererseits wird auf die mangelnde Untersetzung des Prozesscharakters von Nachhaltigkeit hingewiesen, was für einen gezielten Umbau komplexer sozial-ökologisch-technologischer Systeme jedoch erforderlich wäre.

Im Kontext des Anthropozäns wird diese Kritik immer drängender. Angesichts der rapide abnehmenden Bewohnbarkeit des Planeten und der damit verbundenen gravierenden räumlichen Ungleichheiten, vervielfachen sich die Rufe nach einem Paradigmenwechsel zur Orientierung und Steuerung tiefgreifender Veränderungen. Gleichzeitig haben die Nachhaltigkeitswissenschaften das Nachdenken darüber vorangetrieben, wie das Zusammenspiel von Wissenschaft und Gesellschaft sowie dessen räumliche Konfiguration Transformationsprozesse beeinflusst - was häufig auch in einer Dekonstruktion des Nachhaltigkeitsbegriffes mündet.  

Vor diesem Hintergrund zielt die aktuelle IÖR-Forumsreihe darauf ab, die Debatte über Nachhaltigkeit als wissenschaftliches und politisches Leitmotiv weiter voranzutreiben. Es sollen die Konturen dringend benötigter alternativer Zielkonzepte für die Zukunft skizziert werden, die dazu beitragen können, "Nachhaltigkeit" zu ersetzen und ein gutes Anthropozän zu gestalten.

31. Mai: Vortrag von Prof. Dr. Konrad Ott (CAU) eröffnet die Reihe

Die aktuelle Reihe startet am 31. Mai, 11 Uhr mit einem Vortrag von Prof. Dr. Konrad Ott von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Sein Vortrag mit dem Titel "Starke Nachhaltigkeit in Raum und Zeit: zum Skalierungsproblem" präsentiert die ideengeschichtlichen, wissenschaftstheoretischen, ethischen und konzeptionellen Grundlagen einer Theorie starker Nachhaltigkeit, wobei Ott besonderes Augenmerk auf das Problem der Erhaltung der Naturgüter und -kapitalien auf unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Skalen legen wird.

Das IÖR-Forum steht allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Wenn Sie per E-Mail über kommende Termine und weitere Veranstaltungen des IÖR informiert werden möchten, schreiben Sie an k.vogel@ioer.de.

Alle Informationen zur aktuellen Reihe des IÖR-Forum

Kontakt im IÖR
Dr. Anna-Maria Schielicke, E-Mail: a.schielickeioer@ioer.de  

 

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