Management der Gewinnung mineralischer Ressourcen in der Provinz Hoa Binh – ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Vietnam (MAREX)

Problemstellung

Forscher des Projektverbundes MAREX im Gespräch mit dem Betreiber eines Steinbruches in der Provinz Hoa Binh/Vietnam (Foto: IÖR)
Forscher des Projektverbundes MAREX im Gespräch mit dem Betreiber eines Steinbruches in der Provinz Hoa Binh/Vietnam (Foto: IÖR)

In vielen Ländern Ost- und Südasiens vollzieht sich ein starkes Städtewachstum. Der rasche Zustrom von Menschen in die großen Städte und ein steigender Lebensstandard haben einen beachtlichen Bauboom ausgelöst. Eine unmittelbare Folge davon ist die steigende Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen für die Bauindustrie. Zum großen Teil handelt es sich um Kies und Sand, Rohstoffe, die in unmittelbarer Nähe gewonnen werden. Die Bergbauaktivitäten haben dort vielfältige und schwerwiegende Folgen für die Umwelt.

Sowohl die Bergbauunternehmen als auch die zuständigen Behörden haben ein Wissensdefizit bezüglich Umwelttechnologien im Bergbausektor und hinsichtlich geeigneter Sanierungstechniken für die nachbergbauliche Rekultivierung. Eine nachhaltige Landnutzungsplanung, die auf Monitoring- und Evaluierungsinstrumenten beruht, ist wegen der lückenhaften oder fehlenden Kenntnisse über die Umweltauswirkungen des Bergbaus kaum möglich. Ebenso verhält es sich mit dem Wissen über methodische Ansätze zur Abschätzung der damit verbundenen Stoffströme im Bausektor, die zukünftigen Bedarfe an Zuschlagstoffen sowie den damit verbundenen Landverbrauch.

Situation in Vietnam

Auch in Vietnam ist die Verstädterung entscheidende Triebkraft für die Zunahme des Baustoffbedarfs. Annahmen gehen davon aus, dass die städtische Bevölkerung in Vietnam im Zeitraum 2013-2025 voraussichtlich von 30 auf 50 % der Gesamtbevölkerung ansteigen wird. In den nächsten 15 Jahren wird ein jährliches Wirtschaftswachstum von 7 % erwartet. Dabei ist der Bergbau ein Wirtschaftszweig von hoher Relevanz, da er viele Rohstoffe für das verarbeitende Gewerbe, die Energieerzeugung und die Bauindustrie liefert. Der Anteil des Bergbaus am vietnamesischen Bruttosozialprodukt ist mit 11 % (2011) außerordentlich hoch.

Gegenwärtig genießt die Hauptstadt Hanoi mit zurzeit 6,6 Mio. Einwohnern die größte Aufmerksamkeit im Rahmen der politischen Zielstellungen. Sie soll zu einer Metropole mit politisch-administrativer, kultureller, wissenschaftlicher und ökonomischer Bedeutung im internationalen Kontext entwickelt werden. Bereits jetzt ist die Provinz Hoa Binh in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hanoi vom Bergbau und seinen Umweltwirkungen stark betroffen.

Ziele

Das Projekt will einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Vietnam leisten, indem das Management der Gewinnung mineralischer Rohstoffe verbessert wird. Die Provinz Hoa Binh dient dabei als Referenzbeispiel für Anwendungen in Vietnam und darüber hinaus. Sie entspricht dem Typus einer Region, in der die Nachfrage nach Gütern und Produkten maßgeblich durch eine benachbarte Metropole mit hoher Entwicklungsdynamik (hier: Hanoi) geprägt wird. Im Sinne des Hauptzieles werden vier Teilziele verfolgt:

  1. die Erweiterung des Wissens über durch den Bergbau verursachte Umweltprobleme und Landnutzungskonflikte,
  2. die Weiterentwicklung der Kapazitäten der Bergbauunternehmen bei der Umsetzung von Cleaner-Production-Technologien und bei der Anwendung von Sanierungstechniken,
  3. die Einführung von Methoden der Stoffstromanalyse mit dem Ziel einer besseren Vorhersage des Bedarfs an mineralischen Rohstoffen und zur Unterstützung der Landnutzungsplanung,
  4. die Etablierung einer institutionellen Kooperationsstruktur zwischen staatlichen Stellen und der Wirtschaft (Business-Policy Interface, BPI).

Die Umsetzung des Vorhabens erfolgt durch einen vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung koordinierten Forschungsverbund. Dieser arbeitet eng mit weiteren deutschen und vietnamesischen Partnern aus Politik und Wirtschaft zusammen. Auch auf vietnamesischer Seite wurde ein Forschungsverbund gegründet, der die Ziele von MAREX unterstützt und vom Institut für Umwelt und Automation in Hanoi geleitet wird. Die Finanzierung auf vietnamesischer Seite erfolgt durch das Ministerium für Forschung und Technologie der Republik Vietnam.

Untersuchungsgebiet: Hanoi und Provinz Hoa Binh/Vietnam
Karte zum Untersuchungsgebiet Hanoi und der Provinz Hoa Binh/Vietnam, Einbettung in Vietnam und einen seperaten Kartenausschnitt, wo die Region besser sichtbar ist
www.ioer.de

Laufzeit

9/2015-8/2018


Kontakt

Prof. Dr. Bernhard Müller
Projektleitung

Dr. Peter Wirth
Koordinator

Hr. Anh Minh Vu
Koordinator

Georg Schiller
Materialflussanalyse


Finanzierung

Logo des Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderinitiative CLIENT
Förderkennzeichen: 033R122A


Partner

Forschungsverbund:

* Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Dresden

* Technische Universität Dresden, Lehrstuhl für Raumentwicklung

* Technische Universität Dortmund, FG Raumbezog. Informationsverarb. und Modellbildung (RIM)

* C&E Consulting and Engineering GmbH, Chemnitz


Weitere deutsche Partner:

* Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS), Dresden

* United Nations University, Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources (UNU-FLORES), Dresden

* HAVER NIAGARA GmbH, Münster

* Allgemeine Baustoff-Handels-Contor GmbH, Erfurt 


Vietnamesische Partner:

* Institut für Umwelt und Automation (IEA), Hanoi

* Vietnam National University, Zentrum für Umweltmonitoring und -modellierung (CEMM), Hanoi

* Provinzregierung Hoa Binh, Abteilung Naturressourcen und Umwelt (DoNRE)

* Quang Long Company of Construction and Trading (Quang Long), Hoa Binh

* Hop Tien Company of Trading and Construction & Transportation (Hop Tien), Hoa Binh 

* Binh Minh Joint Stock Company of Trading and Construction (Binh Minh), Hoa Binh